Somebody Somewhere: BFD - Review der Pilotepisode

Somebody Somewhere: BFD - Review der Pilotepisode

Die HBO-Comedy Somebody Somewhere demonstriert rührend, wie eine Gruppe Gleichgesinnter im entscheidenden Moment unser Leben retten kann. Die Stand-up-Komikerin Bridget Everett gibt dabei eine vielseitige Protagonistin.

Szenenfoto aus der Serie Somebody Somewhere (c) HBO
Szenenfoto aus der Serie Somebody Somewhere (c) HBO
© zenenfoto aus der Serie Somebody Somewhere (c) HBO

Das neue Serienjahr wartet beim Kabelsender HBO mit einer schönen Kleinstadt-Comedy auf, die uns ein Slice of Life aus dem ländlichen Manhattan, Kansas bietet. Die Hauptrolle der Sam wurde bestens mit der Stand-up-Komikerin Bridget Everett (Lady Dynamite) besetzt, die selbst aus Ort stammt, wo die Geschichte angesiedelt wurde. Die Schöpfer:innen des Formats heißen Hannah Bos und Paul Thureen (beide High Maintenance). Hinter den Kulissen sind auch die Brüder Mark Duplass (The Morning Show) und Jay Duplass (The Chair) beteiligt. Letzterer ist für die Inszenierung der sehr soliden Pilotepisode namens BFD verantwortlich, die nun die siebenteilige Auftaktstaffel einläutete.

Worum geht's?

Offenbar aus familiären Gründen zog es Sam (Everett) zurück in ihre beschauliche Heimatstadt im kargen Kansas. Seit einem schweren Verlust geht sie mit einem großen Loch im Herzen durchs Leben. Der Schmerz steht Sam ins Gesicht geschrieben. Und auch ihre Schwester Tricia (Mary Catherine Garrison) leidet sehr, doch schaffen es die zwei Geschwister nicht, einander Kraft zu geben, sondern belasten sich noch gegenseitig. Mit ihrem Vater Ed (Mike Hagerty) hat Sam zum Glück ein deutlich entspannteres Verhältnis. Am besten versteht sie sich jedoch mit ihrer Nichte Shannon (Kailey Albus).

Die rettende Person für Sam, die im Serientitel Somebody Somewhere angedeutet wird, ist trotzdem jemand anders. Eigentlich handelt es sich sogar um einen alten Bekannten, den sie schlichtweg vergessen oder damals einfach nie bemerkt hat. Joel ist sein Name - und gespielt wird er von Jeff Hiller, der für mich persönlich eine genauso erfreuliche Neuentdeckung ist wie die Hauptdarstellerin Everett. Als ehemaliger Mitschüler war er schon vor etlichen Jahrzehnten begeistert von Sam, besonders von ihrer einmaligen Gesangsstimme. Joel weiß ganz genau, wie er das innere Feuer bei seiner traurigen Freundin neu entfachen kann und führt sie ein in eine Art Geheimklub, der alles für sie verändert.

In der wunderschönen Abschlussszene der halbstündigen Auftaktfolge sehen und hören wir, wie Sam und Joel gemeinsam das Duett „Don't Give Up“ (im Original von Peter Gabriel und Kate Bush) performen. Der Text könnte nicht passender sein, was für erste emotionale Ausschläge beim Publikum sorgen dürfte. Rührend ist aber auch das Setting dieser Selbstreinigung für Sam, nämlich eine Kirche, die Joel an gewissen Abenden heimlich als Refugium für die queere Community der Kleinstadt nutzt. Hier lernen wir den exzentrischen Showman Fred Rococo (Murray Hill) und viele andere kennen.

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Im Hause Gottes veranstaltet die bunte Gesellschaft eine Mischung aus Hausparty und Talentshow, wobei Talent keineswegs ein Muss ist (wie ein entzückendes „Conga“-Cover beweist). Joels Partner Michael (Hudson Odom) liest auf der Bühne sowieso nur aus dem Tagebuch seiner Schwester vor, was aber für jede Menge Lacher sorgt. Sam fühlt sich wie im Himmel, doch dann spaziert ihr Schwager Rick (Danny McCarthy) herein und tritt sofort die Flucht an, als er sie bemerkt. Ist der Mann ihrer Schwester heimlich schwul? Hoffentlich bahnt sich hier nicht schon das nächste Familiendrama an...

Wie ist es?

Trotz dieser finalen Wendung liefert die HBO-Comedy einen ziemlich süßen Schlusspunkt für die zuvor sehr melancholische Pilotepisode. Mit Bridget Everett hat die Serie eine so eindrückliche Hauptdarstellerin gefunden, dass wir auf Anhieb ein bemerkenswert klares Gefühl für ihren Charakter haben. Sam ist liebenswürdig und selbst auch voller Liebe, sie ist lustig und talentiert - kurzum: ein guter Mensch (der derzeit eine schwere Phase durchmacht).

Somebody Somewhere zeigt, wie eine Gruppe völlig fremder Menschen, bei der wir aber auf Anhieb spüren, dass sie Gleichgesinnte sind, im entscheidenden Moment zu Lebensrettern werden können. Dank Joel hat Sam in Manhattan endlich wieder Anschluss gefunden und zudem einen Ort, an dem sie sich traut, ihrer großen Leidenschaft nachzugehen, die sie lange Zeit verdrängt hat: das Singen. Ihre anderen Probleme werden jetzt nicht plötzlich verschwinden, aber wenigstens hat sie einen Quell der Freude, der sie absichert, wenn es mal wieder richtig übel wird. Sowas brauchen wir alle.

Lauthals lachen muss man bei der Comedy zwar nur selten - und eine echte Handlung wird wahrscheinlich auch nicht vorangetrieben. Eher geht es darum, Zeit an diesem so lebensechten, einzigartigen und gleichzeitig irgendwie auch repräsentativen Ort in Amerika zu verbringen. Vor allem die Figuren sind dabei von entscheidender Bedeutung, weil sie einerseits so individuell sind und trotzdem vielen sehr vertraut vorkommen könnten. Eine kleine, aber richtig feine neue Serie, die HBO uns da beschert hat. Und mit Bridget Everett auch ein neues Gesicht, das man in Zukunft gerne öfter sehen mag...

Hier abschließend noch der Trailer zur HBO-Comedy Somebody Somewhere:

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