Snowpiercer 1x01

Snowpiercer 1x01

Die Serienadaption Snowpiercer bahnt sich ihren Weg durch eine zugefrorene Welt und schafft dabei eine ganz spezielle postapokalyptische Vision. Kann der Einstand überzeugen oder gehört die Serie direkt auf das Abstellgleis?

Szenenfoto aus dem Piloten zur US-Serie Snowpiercer (c) TNT
Szenenfoto aus dem Piloten zur US-Serie Snowpiercer (c) TNT
© zenenfoto aus dem Piloten zur US-Serie Snowpiercer (c) TNT

Die neue TNT-Serie Snowpiercer startet mit der Episode First, the Weather Changed durch. Darin braust ein als Arche aufgebauter Zug als Perpetuum mobile immer in Bewegung durch die eingefrorenen Überreste der Zivilisation. Doch knappe Ressourcen und eine Klassengesellschaft führen zu einer blutigen Revolte.

Worum geht es im Auftakt von Snowpiercer?

Aufgrund akuter Bedrohung durch steigende globale Erwärmung unternahm die Menschheit einen verzweifelten Versuch, ihren Planeten abzukühlen. Doch mit ihren Maßnahmen schossen sie weit über das Ziel hinaus, so dass eine neue Eiszeit über sie hereinbrach, die alles mit ihrer frostigen Kälte verschlang. Ein Mann und sein Unternehmen sahen diesen Ausgang voraus und so baute Wilford Industries eine Arche in Zugform, um ausgewählten Menschen Rettung zu gewähren. Panisch nach einem Ausweg suchend bahnte sich eine Traube von Menschen vor der Abfahrt den Weg ins hinterste Zugabteil, welches von diesem Moment an zur untersten Klasse designiert Rettung und Gefängnis zugleich bildete.

Rund sechs Jahre später kämpfen die Menschen dort unter minimalsten Bedingungen ums Überleben und sie stehen an der Schwelle zur offenen Revolte. Doch bevor es dazu kommt, wird Andre Layton (Daveed Diggs), der diese zu orchestrieren versuchte, vom Zugpersonal abgeholt und in die vordere Zugteile mitgenommen - eine absolute Ausnahme für jemanden seines Standes. Dort bekommt er als ehemaliger Polizist der Mordkommission von Melanie Cavill (Jennifer Connelly), die die Stimme des Zugs durch ihre täglichen Ansagen und noch viel mehr ist, den Auftrag, einen Mord in der gehobenen Klasse aufzuklären. Widerwillig stimmt er zunächst ein und beginnt die Ermittlungen, wird jedoch jäh unterbrochen, als ein Tumult in den hinteren Abteilen ausbricht.

Für seine Kameraden ist nach einem Suizid eines der ihren das Fass in der Zwischenzeit übergelaufen. Daher starten sie den geplanten bewaffneten Aufstand ohne ihn, massakrieren einen Teil der Wachen und nehmen eine Geisel. Durch die Sicht auf der anderen Seite erkennt Layton jedoch, dass sie absolut keine Chance haben, mit ihrem Vorhaben weiterzukommen und dass ihnen ein gnadenloser Niederschlag und drakonische Strafen bevorstehen. Um diese zu mildern, überredet er seine Kameraden jedoch, ihre Waffen niederzulegen und stimmt seinem Auftrag zur Aufklärung des Mordes schließlich vollends zu. Zum Abschluss der Episode erfahren wir noch ein großes Geheimnis bezüglich der Führung des Zuges, welches den Eindruck vermittelt, dass wir in dieser Adaption wohl keinen Ed Harris mehr als großen Architekt im Bademantel zu Gesicht bekommen werden...

Mord im Unendlichkeits-Express

Der Ursprung von Snowpiercer besteht in der französischen Graphic Novel „Le Transperceneige“, welche 1982 veröffentlicht wurde und mit dem vierten Band 2015 ihren Abschluss bekam. 2014 nahm sich der oscarpämierte koreanische Regisseur Bong Joon-ho („Parasite“) des Stoffes mit Darstellern wie Chris Evans und Tilda Swinton in Form eines Films an. Für die Serienadaption zeichnet nun der Kanadier Graeme Manson verantwortlich, der bereits in Filmen wie „Cube“ oder TV-Shows wie Orphan Black involviert war. Zehn Episoden wird es zunächst geben, wobei eine zweite Staffel bereits beschlossene Sache ist (siehe hier.

Unter diesen Voraussetzungen darf man gleich einmal herausstellen, dass das Konzept von „Snowpiercer“ schon immer absurd und kreativ zugleich war. Sich lange über die eher lückenhafte Logik des Zugszenarios (Einrichtungen unter der Erde wären schon ein wenig praktischer und sicherer als die Choo-Choo-Maschine, die dazu auch noch ein Perpetuum mobile zu sein scheint) den Kopf zu zerbrechen und das Ganze zu dekonstruieren, ist wohl eher nicht so ratsam, denn suspension of disbelief ist eine essentielle Voraussetzung, um an der Serie Spaß haben zu können.

Also Kopf ausschalten und genießen? Das durchaus faszinierende worldbuilding und auch der doch recht blutige Actionteil (sieht fast so aus, als ob es noch des Öfteren etwas derber zur Sache gehen wird) sorgen zumindest für einen spannenden Einstieg mit ordentlich Spektakel. Wie gut sich das Murder-Mystery rund um einen Serienkiller, der seinen Opfern den kleinen Lokführer absäbelt, in die Geschichte einfügt, wird sich wohl erst im weiteren Verlauf zeigen. Gemeinsam mit der Prämisse ist das Ganze aber definitiv ziemlich weit oben auf der „Gaga-Skala“ anzusiedeln.

Snowpiercer
Snowpiercer - © TNT

Umso verwunderlicher finde ich jedoch, dass sich die Serie bisher selbst ziemlich ernst nimmt. Der Film erkannte mit ein paar gewollt bescheuerten Twists gegen Ende und einer herrlich exzentrischen Performance von Tilda Swinton zumindest, dass dieses Szenario durchaus mit einem zwinkernden Auge betrachtet werden kann. Gleichzeitig wird auch nicht mit Sozialkritik und Kommentar zum Klimawandel gespart, was kaum zu übersehen ist, denn trotz nachvollziehbarer Existenzberechtigung in Anbetracht des dystopischen Themas, sind diese Warnungen und Aussagen nun wirklich nicht sehr subtil eingefügt.

Vom technischen Aspekt her macht der Start einen ordentlichen Eindruck. Auch wenn man dem Zug bei Außenaufnahmen die CG-Effekte manchmal schon etwas deutlicher ansehen kann, so erfüllen die Sets mit ihrer Gestaltung durchaus die Erwartungen. Der Cast wird von Daveed Diggs und Jennifer Connelly angeführt. Diggs macht einen passablen Eindruck, während Connelly ganz sicher das Format hat, um qualitativ hochwertige Darbietungen abzuliefern und die Serie anzuführen. Anderen Positionen sind mal mit mehr, mal mit weniger bekannten Darstellern besetzt, von denen aber noch mehr gezeigt werden muss, bevor man über diese etwas präziser urteilen kann. Kenner des Films erleben übrigens einen ähnlich neuen Einstieg wie Neulinge des Stoffs, denn bis auf die Kenntnis der Wahrheit über die bereits aufgetauchten schmackigen Proteinbars unterscheidet sich bereits jetzt einer der großen Twists vom Ansatz der Serienadaption, so dass man bereits früh auf ein anderes Gleis umgeleitet wird.

Fazit

Um Snowpiercer etwas abzugewinnen, muss man sich auf ein gutes Stück Absurdität einlassen und sollte nicht allzu viel hinterfragen. Dann kann die erste Episode mit Spektakel und vom Quellmaterial einverleibten Ideenreichtum unterhalten. Allerdings wird es ganz sicher auch einige geben, die nach dem Auftakt das Gezeigte als „Quatsch ohne Substanz“ bezeichnen, was sich zu diesem Zeitpunkt ebenso noch nicht dementieren lässt. Die ganz große Frage ist, ob man den Spannungsbogen erhöhen kann, während bei so vielen Episoden zwangsläufig allein durch das Murder-Mystery das Tempo gedrosselt werden dürfte. Derzeit ist es nicht einfach, sich auszumalen, wie man zehn Episoden, geschweige denn eine weitere Season mit Zugmaterial füllen will. Aber lassen wir uns nach einem Einstand, der zumindest nicht langweilig war, einmal überraschen.

Serientrailer „Snowpiercer":

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie „Snowpiercer“:

Verfasser: Tim Krüger am Montag, 18. Mai 2020

Snowpiercer 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Snowpiercer 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Wetterveränderung
Titel der Episode im Original
First, the Weather Changed
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 17. Mai 2020 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 25. Mai 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 25. Mai 2020
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Montag, 25. Mai 2020
Autor
Graeme Manson
Regisseur
James Hawes

Schauspieler in der Episode Snowpiercer 1x01

Darsteller
Rolle
Daveed Diggs
Iddo Goldberg
Susan Park
Katie McGuinness
Annalise Basso
Jaylin Fletcher
Steven Ogg
Aaron Glenane

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?