Sneaky Pete 1x01

Sneaky Pete 1x01

Mit Sneaky Pete schickt Amazon einen neuen Serienpiloten ins Rennen, hinter dem mit David Shore und Bryan Cranston als Produzenten zwei bekannte Namen stehen. Die Geschichte über einen notorischen Trickbetrüger kommt eher langsam ins Rollen, gestaltet sich jedoch insgesamt nicht uninteressant.

Giovanni Ribisi als Marius beziehungsweise Pete in Amazons „Sneaky Pete“ / (c) Amazon Studios
Giovanni Ribisi als Marius beziehungsweise Pete in Amazons „Sneaky Pete“ / (c) Amazon Studios

Amazon bleibt weiterhin seiner Linie treu und setzt auf das direkte Feedback seiner Kunden, wenn es um die mögliche Bestellung neuer Serien geht. Inwiefern die Zuschauerschaft tatsächlich ein bedeutendes Mitspracherecht bei der Absegnung etwaiger Projekte hat, wird wohl nie voll und ganz ersichtlich sein. Dennoch fährt man mit diesem Vorgehen gut, fühlt man sich als Zuschauer doch direkt in den Entscheidungsprozess um die Zukunft einer Serie einbezogen. Kürzlich erst veröffentlichte Amazon nun die Pilotepisoden zu den beiden neuen Formaten Casanova und Sneaky Pete, über die man als Amazon-Kunde nun wie schon bei vielen Serien zuvor richten kann.

Sneaky Pete“ erfreut sich derzeit einer sehr hohen Wertung beim Publikum, das anscheinend gerne mehr von der Dramedy sehen möchte. Dies liegt mitunter an dem prominenten Namen Bryan Cranston (Breaking Bad), der hier nicht nur als Produzent fungiert, sondern sogar eine nicht unwichtige Nebenrolle in der Serie übernimmt. Gemeinsam mit Drehbuchautor David Shore (House) hat Cranston dieses Projekt vorangetrieben, in dem wir einen frisch aus dem Gefängnis entlassenen Hochstapler dabei begleiten, wie er sich für seinen ehemaligen Zellengenossen ausgibt und Unterschlupf bei dessen Familie sucht. Ursprünglich wurde das Projekt für das Network CBS entwickelt, bei dem man im Rahmen der diesjährigen Upfronts aber dankend ablehnte. Amazon Studios griff zu und sicherte sich das Format, das vor allem mit einer starken Besetzung aufwarten kann.

Confidence man

In „Sneaky Pete“ übernimmt Darsteller Giovanni Ribisi (Dads) die titelgebende Hauptrolle und spielt den selbstbewussten Trickbetrüger Marius, der gerade eine Gefängnisstrafe abgesessen hat und bald wieder auf freien Fuß gesetzt wird. Da er aber einen ehemaligen „Geschäftspartner“ anscheinend übers Ohr gehauen hat, schuldet er diesem jetzt eine gehörige Summe Geld, über die er nicht verfügt. Besagter Geschäftspartner kennt jedoch keine Gnade und so versucht Marius zunächst, unterzutauchen, was ihm bei der Familie eines alten Knastbruders Pete (Ethan Embry) gelingt. Dort angekommen gibt er sich als ebendieser aus, der nach gut zwanzig Jahren endlich auf die Farm seiner Großeltern zurückgekehrt ist und nun einen Job im Familienunternehmen, einer Kautionsagentur, übernimmt.

Die Prämisse von „Sneaky Pete“ gibt auf dem Papier einiges her, wobei diese Art Geschichte - eine Person gibt sich für jemand anderes aus, wird zum Teil der Familie und irgendwann fliegt der Schwindel auf - nicht gerade neu und unverbraucht ist. Die Pilotepisode schwächelt so auch das eine oder andere Mal, da man uns eben einen eher vorhersehbaren und spannungsarmen Plot serviert, der jedoch zumindest zum Ende hin noch einmal etwas das Tempo anzieht. Ansonsten folgen wir hier größtenteils einer recht simplen Formel, die zwischendurch ein paar interessante Fragen für den weiteren Verlauf der Handlung aufwirft.

Giovanni Ribisi in %26bdquo;Sneaky Pete%26ldquo; © Amazon
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We are what we are

Man merkt der Serie durchaus an, dass es für ein Network wie CBS entworfen wurde, bei dem man liebsten mit Procedural-Formaten vorliebnimmt. Dies scheint in „Sneaky Pete“ recht deutlich durch, wenn der Hauptcharakter seinen Job in dem Kautionsbüro seiner neuen Familie aufnimmt und sich mit seiner „Cousine“ auf die Jagd nach einem flüchtigen Straftäter macht. Diese Ausgangslage bietet sich hervorragend für ein „Fall der Woche“-Erzählmuster an, während man nebenbei etwas an der Handlung um die Hauptfigur im Hintergrund schrauben kann. Jetzt, wo „Sneaky Pete“ bei Amazon gelandet ist, wäre es natürlich spannend, zu sehen, ob man sich von dieser Formel langsam verabschiedet und doch mehr Charakterdrama aus der Serie macht. Die Voraussetzungen dafür scheinen zumindest im Ansatz gegeben.

Denn so simpel die Prämisse auch ist und so sehr man hier einem recht durchschaubaren Schema folgt, die Darsteller geben der Serie ausreichend Potential, über mehrere Episoden eine interessante Geschichte erzählen zu können. Giovanni Ribisi schlägt sich nicht schlecht als analytisches Mastermind des Trickbetrugs, wobei seine Figur oft mit dem Feuer spielt und teilweise großes Glück hat, nicht ertappt zu werden. Die Art des Darstellers passt jedoch gut zum Titelcharakter, der über eine unschöne Vergangenheit verfügt (die man uns etwas mit dem Holzhammer vorträgt, was gar nicht nötig gewesen wäre...). Der aalglatte Marius beziehungsweise Pete könnte jedoch zu einer eigenwilligen Heldenfigur avancieren, die stets auf der Suche nach einem Platz in der Gesellschaft war, dabei aber einige falsche Entscheidungen getroffen hatte.

A different person

Unterstützt wird Ribisi unter anderem von Marin Ireland (The Slap, The Divide), die den taffen Gegenpart Petes mimt und um das nackte Überleben des Firmenbetriebs kämpft. Auch Ireland überzeugt in ihrer Rolle als Julia im Großen und Ganzen, wobei sich ihre Figur im Zuge der Handlung sehr oft etwas zu naiv anstellt. So kann wiederum Marius/Pete mit seiner Spitzfindigkeit glänzen und Julia letztendlich aus der Bredouille boxen.

Mit Margo Martindale (The Americans, Justified) hat man darüber hinaus ein absolutes Schauspielschwergewicht verpflichten können, die Petes Großmutter spielt. Hier wird Spannung generiert, indem man ihre Figur der nicht auf den Kopf gefallenen Audrey bereits jetzt schon so etabliert, als würde sie Marius durchschauen und mitnichten glauben, dass er wirklich ihr geliebter Enkel Pete ist. Sie lässt zumindest einige zweideutige Bemerkungen fallen, die nicht wirklich subtil sind, aber dazu beitragen, dass sich Marius an der neuerlichen Familienfront nicht allzu sicher sein sollte.

Neben Peter Gerety (The Wire) geben sich in der Pilotepisode dann noch die beiden Gastdarsteller Debra Monk (Mozart in the Jungle) und Domenick Lombardozzi (The Wire) die Ehre. Am meisten werden sich die Zuschauer wohl aber über den kurzen Auftritt von Bryan Cranston am Ende der Episode freuen, der hier eine Art Gangsterboss oder Großkriminellen spielt, welchem Marius Geld schuldet. Cranston bekommt nicht besonders viel zu tun, gefällt aber in diesem kleinen Moment, in dem deutlich wird, dass mit seiner Figur nicht zu spaßen ist. Allein Cranstons Beteiligung vor und hinter der Kamera dürfte ein gutes Argument sein, dass Amazon hier eine Bestellung der Serie in Auftrag gibt. Ganz abgesehen von den Stimmen der Zuschauer.

Not a hero

Wenn Amazon denn eine komplette erste Staffel von „Sneaky Pete“ ordert, bleibt abzuwarten, in welche Richtung sich das Format entwickelt. Wie bereits erwähnt, wäre der Fokus auf ein griffiges Charakterdrama mit leichten humoristischen Nuancen wie in der Pilotepisode nicht uninteressant. Findet Marius sein Glück bei seiner neuen Familie? Gleichzeitig könnte man die Handlung um ihn, seinen sich in Gefahr befindenden Bruder sowie Cranstons ominösen Antagonisten Episode für Episode weiterentwickeln. Auf eine neue Hatz nach bösen Buben pro Folge, die das Kautionsbüro der Familie geprellt haben, habe ich persönlich weniger Lust. Derartige Fälle kann man in die Handlung einarbeiten, jedoch sollten die Figuren im Zentrum des Geschehens stehen, vor allem, da man über eine sehr gute Besetzung verfügt, deren Stärken und Potential man nicht verschenken sollte.

An dem visuellen Stil der Serie gibt es derweil nichts auszusetzen, ein paar Szenen muten ein wenig zu gewollt an (lässige Slow-Motion-Aufnahmen, gepaart mit fetziger Rockmusik), aber dies ist nicht weiter störend. Die Optik scheint zumindest eher nebensächlich, fällt aber keinesfalls negativ auf. Da lassen sich schon eher (die bereits erwähnten) Kritikpunkte in der Handlung der Episode finden. Vor allem das Erzähltempo lässt gelegentlich zu wünschen übrig. Man sollte schon ein klein wenig Geduld mitbringen, denn „Sneaky Pete“ nimmt sich die Zeit, die es braucht. Es könnte stellenweise dennoch etwas flotter und schnörkelloser erzählt werden - eine Schwäche, die in weiteren Episoden relativ einfach behoben werden könnte.

Marin Ireland und Giovanni Ribisi in %26bdquo;Sneaky Pete%26ldquo; © Amazon Studios
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Fazit

Die Auftaktepisode von Sneaky Pete stellt einen soliden Piloten dar, der vor allem durch seine namhafte Besetzung und die Aussicht auf tiefergreifendes Charakterdrama punkten kann. Die Handlung dümpelt hier und da etwas zu träge vor sich hin, was man mithilfe eines eher generischen Falls der Woche versucht auszubügeln. Dies gelingt nur teilweise, doch Hauptdarsteller Giovanni Ribisi schafft es mehrfach, durch seine Art die Erzählung etwas kurzweiliger zu machen.

Sneaky Pete“ verfügt ohne Frage über Potential, eine spannende Geschichte über einen Hochstapler zu erzählen, dessen Handeln weitreichende Konsequenzen für ihn selbst und seine Nächsten nach sich ziehen könnte. Vollends überzeugt bin ich noch nicht, aber durchaus interessiert daran, zu sehen, wohin die Reise geht, wenn sich die übergreifende Handlung und die Charaktere über mehrere Episoden entwickeln dürfen. Von mir gibt es eine Wertung zwischen 3 und 3,5 Sternen für die Pilotepisode von „Sneaky Pete“.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 10. August 2015

Sneaky Pete 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Sneaky Pete 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Der verlorene Enkel
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 7. August 2015 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 7. August 2015
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 7. August 2015
Regisseur
Seth Gordon

Schauspieler in der Episode Sneaky Pete 1x01

Darsteller
Rolle
Shane McRae
Libe Barer
Peter Gerety
Margo Martindale

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?