Sneakerheads: 100% reines Adrenalin - Review

Sneakerheads: 100% reines Adrenalin - Review

Netflix taucht mit Sneakerheads ab in eine ganze besondere Sammlerwelt. Denn teure Turnschuhe werden hier zum lukrativen Geschäft. Ein ehemaliger Sneakerhead wird nach seinem Ausstieg nun wieder dort reingezogen und braucht dringend Geld.

Sneakerheads (c) Netflix
Sneakerheads (c) Netflix
© neakerheads (c) Netflix

Manchmal meinen Serienfans, dass jedes Thema schon zur Serie gemacht wurde. Dann kommt eine Serie wie Sneakerheads daher und belehrt uns alle eines Besseren. Für die spitze Zielgruppe der Sneaker-Sammler wird hier nun eine Serie zum Thema abseits von Dokuformaten angeboten. Bevor man sich auf das Format einlässt, sollte man wissen, dass man hier regen Gebrauch von Fachvokabular, Markennamen und großen Turnschuhlegenden macht. Die sechsteilige Serie ist nun weltweit bei Netflix zu sehen und kommt mit Folgen daher, die kürzer sind als eine halbe Stunde und sich damit gut für eine schnelle Abendunterhaltung eignen.

Worum geht es bei Sneakerheads?

Im Zentrum steht Devin (Allen Maldonado), der einst als Sneakerhead, also ein Jäger und Sammler dieser Art Schuhe, bekannt war. Inzwischen kümmert er sich als zweifacher Vater um seinen Haushalt, während seine Frau Christine (Yaani King) kurz vor der Kammerprüfung steht und Anwältin werden will. Durch den Release eines neuen Hype-Schuhs der Marke „Unbeaten“ (eine klare Anspielung auf die Marke „SupremeHier mehr dazu) schnuppert er wieder an seinem alten Hobby, das durchaus kostspielig sein kann, doch er kann eigentlich nicht viel Geld in Schuhe stecken. Kurz sieht es dadurch so aus, als ob er mit der Hilfe seines alten Kumpels Bobby (Andrew Bachelor) noch ein letztes Paar in seiner Größe ergattern kann, denn auch die Verkäuferin Gia ist ihm wohlgesonnen. Doch es gab einen geheimen Deal und er findet nur einen leeren Schuhkarton vor. Gia tut es leid und sie bietet ihm fürs nächste Mal einen Gefallen an.

Doch Bobby will nicht aufgeben und seinen Kumpel aufheitern. Er hat von der Versteigerung eines Lagerraums (storage unit) voller Schuhe erfahren, von der kaum jemand weiß. Angeblich sogar nur er, doch es tauchen dennoch einige Schuhfans auf und es kommt zur Auktion. Mit einem Gebot von 5000 Dollar erhalten Bobby und Dev den Zuschlag. Doch es gibt mehrere Probleme. Bobby, der eigentlich die Hälfte dazu beisteuern wollte, hat kaum Geld, weil er zur Shoe School geht und - noch viel schlimmer - es sind nur die jeweils linken Schuhe in den Kartons. Dabei sah es zunächst nach einem wahren Schuhschatz aus, mit Exponaten, die bis zu 40.000 Dollar für Sammler wert sind.

Bald taucht ein Video auf, auf dem eine geprellte Exfrau die anderen Schuhe des Sammlers verbrennt und somit besteht wenig Hoffnung darauf, aus den halben Schätzen noch Profit zu schlagen. Wie gewonnen, so zerronnen also. Nun muss Dev einen Weg finden, seine Ausgaben wieder reinzuholen, ehe seine Frau die Lüge erkennt, denn die Bank hat schon deswegen nachgefragt. Allerdings leugnet Dev seine Sünde und nun ermittelt die Betrugsabteilung, was ihm aber nur rund zwei Wochen gibt, um das Geld irgendwie aufzutreiben. Mithilfe einer Crew, die teilweise schon im Auftakt 100% reines Adrenalin eingeführt wird, gilt es nun, die „Zeroes“ zu finden, die als heilige Grale des Schuhsammelns gelten.

Sole Mates

Netflix
Netflix - © Netflix

Das Ensemble von Sneakerheads wirkt bereits sehr früh sehr harmonisch. Dev und Bobby sind ein schönes klassisches odd couple, wobei ersterer der ruhige Pol und letzterer eher der überdrehte und energiegeladene ist, der überall das große Geschäft wittert. Nori (Jearnest Corchado) ist die wahre Expertin und ganz tief im Schuh-Game drin, hat prominente Klienten wie Hasan Minhaj und kann eine Fälschung auf den ersten Blick erkennen. Stuey (Matthew Josten) hat zwar das Geld, aber dafür fehlt ihm die richtige Peilung. Einst hat er sich in anderen Sammelbereichen wie beispielsweise Comics herumgetrieben und kommt mit reichlich Elan für alles daher, so dass er oft für den comic relief herhält.

Erfrischend an der Serie ist, dass das Sneakerthema alles andere als ausgelutscht ist, wenn auch vielleicht für manche 08/15-Zuschauer etwas speziell, was die Lingo und die Modelle angeht. Aber durch den Kontext wird gut genug vermittelt, warum bestimmte Modelle gefragte Stücke sind und manche Menschen bereit dazu sind, viel Geld dafür zu bezahlen. Die ersten beiden Episoden, die ich für diese Kritik gesehen habe, zeigen auch schon eine nette Bandbreite an Möglichkeiten, an die Schuhe zu kommen (Beispiel: „Das Baby zählt als Kunde“) und auch die restlichen vier Folgen der Debütstaffel dürften weitere Quellen und Wege erschöpfen, damit Dev seinen Verlust kompensieren und vielleicht am Ende sogar mit einem Profit aus der Sache gehen kann.

Insgesamt sind Serien über Sammler abseits von Dokuformaten (beispielweise „Toy Collector“ oder „Comic Book Men“) rar gesät, so dass ich eine solche ausdrücklich begrüße. Sneaker sind in dieser Hinsicht sicherlich auch etwas spannender als Comics oder Briefmarken und dank der Hip-Hop-Kultur vielleicht auch insgesamt ein besserer audiovisueller Ansatz, wobei ich nun eigentlich nur darauf warte, dass es eine Art „National Treasure“ mit Comicfans gibt, die nach „Detective Comics 27“, „Action Comics 1“ oder „Amazing Fantasy 15“ suchen. Einige kleine Anspielungen zu Comics gibt es ja auch durch die Figur Stuey.

Die Dialoge sind ebenfalls knackig und frech, was das Anschauen entsprechend kurzweilig geraten lässt. Ich lag sicherlich beim Anschauen nicht vor Lachen auf dem Boden, habe aber doch schon mehrfach geschmunzelt (etwa über das Tinder für Schuhe namens „Sole Mates“). Ich möchte daher auch gerne wissen, wie es weitergeht. Bei einer Gesamtlauflänge der Staffel, die einem längeren Film entspricht sicherlich auch nicht die größte Hürde bei diesem Format. Dazu kommt ein schmissiger Hip-Hop-Soundtrack, der Fans des Genres bestimmt auch zusagt und insgesamt zu den Figuren im Zentrum passt.

Fazit

Netflix
Netflix - © Netflix

Sneakerheads wird bestimmt keinen Kritikerpreis gewinnen, ist aber eine kurzweilige fiktionale Einführung in die Thematik der Turnschuhjäger und -sammler. Andere Dokumentationen, wie etwa „You Ain't Got These“ von Quibi, und zahlreiche weitere Beispiele ermöglichen dann eine ausführliche Vertiefung rund um das faszinierende und lukrative Sammlergebiet. Es bleibt zudem abzuwarten, ob das Format von den Zuschauern überhaupt gefunden wird oder in der Content-Schuhsammlung von Netflix vielleicht auch einfach untergeht.

Hier abschließend noch der Trailer zu Sneakerheads:

Diese Serie passen auch zu «Sneakerheads»