SMILF: Kritik der Pilotepisode A Box of Dunkies and Two Squirts of Maple Syrup

SMILF: Kritik der Pilotepisode A Box of Dunkies and Two Squirts of Maple Syrup

In der neuen Showtime-Dramedy SMILF bebildert Frankie Shaw die Leiden des alleinerziehenden Mutterdaseins. Das beinhaltet in Bridgettes Fall als Abendessen gerne mal A Box of Dunkies and Two Squirts of Maple Syrup, wie uns die Pilotepisode zeigt.

So harmonisch geht es bei Bridgette (Frankie Shaw, l.) generell nicht zu. / (c) Showtime
So harmonisch geht es bei Bridgette (Frankie Shaw, l.) generell nicht zu. / (c) Showtime
© o harmonisch geht es bei Bridgette (Frankie Shaw, l.) generell nicht zu. / (c) Showtime

Die Machart der neuen, leider furchtbar unpassend betitelten Showtime-Sadcom SMILF erinnert stark an Formate wie Master of None, Atlanta, Louie oder Better Things, mit dem entscheidenden Unterschied, dass hier eine alleinerziehende Mutter im Mittelpunkt steht, die ein noch sehr junges Kind aufziehen muss. Gespielt wird Bridgette von Frankie Shaw, die außerdem als Serienschöpferin und Regisseurin auftritt. Vor zwei Jahren gewann sie beim Sundance-Festival mit dem Material bereits einen Kurzfilm-Preis.

Have fun fucking yourself

Shaw und ihre Figur sind denn auch das Beste an der sehr gelungenen Auftaktepisode. Diese scheut nicht davor zurück, gleich mehrere pikante Themen anzuschneiden. Es geht bisweilen nicht nur um Erziehungsfragen und Geldsorgen, sondern auch um das Filmgeschäft, um Religion, Psychologie und Sex. In der Pilotepisode wirkt das noch nicht überfrachtet, da wir zunächst die Hauptfiguren kennenlernen und nur erahnen können, welche Probleme sie umtreiben. Erst die kommenden Episoden werden zeigen, ob sich Shaw damit zuviel zugetraut hat.

Bridgette wohnt in South Boston in einer winzigen Ein-Zimmer-Wohnung mit ihrem Sohn Larry (Alexandra Mary Reimer und Anna Chanel Reimer), der dank ihrer Sportbegeisterung und ihres Nachnamens heißt wie einer der bekanntesten Söhne der Stadt, der legendäre Basketballer Larry Bird. Larrys Vater Rafi (Miguel Gomez) kommt jeden Abend zum Gutenachtsagen, ist aber ansonsten zu nicht allzu viel zu gebrauchen. Warum genau ihre Beziehung auseinandergegangen ist, erfahren wir in der Pilotepisode nicht. Seine angedeutete Drogenabhängigkeit dürfte damit jedoch Einiges zu tun haben.

Ebenfalls nur angedeutet wird in der Auftaktepisode, dass Bridgette eine Essstörung hat. Als ein besonders stressiger Tag endlich zu Ende gegangen ist, eilt sie in den Laden um die Ecke, um sich mit allerlei Süßkram und sonstigen ungesunden Lebensmitteln einzudecken. Schon in einer Szene zuvor wurde gezeigt, wie sie sich zum Abendessen ein paar alte Cheetos und einen Spritzer Ahornsirup genehmigt. Da ist das noch ganz witzig, weil man als Zuschauer einfach glaubt, sie habe keine Zeit gefunden, um etwas Richtiges einzukaufen. Aber nein, Bridgette ernährt sich tatsächlich so.

Baden und Zähneputzen wollen noch nicht so richtig funktionieren.
Baden und Zähneputzen wollen noch nicht so richtig funktionieren. - © Showtime

Eine ausgewogene Ernährung fehlt definitiv in ihrem Leben, aber das ist längst nicht alles, was bei ihr nicht rundläuft. Das Geld ist sowieso immer knapp, mit ihrem Gehalt als Nachhilfelehrerin der Kinder der betuchten Ally (Connie Britton) kann sie kaum die Miete bestreiten. Rafi ist da ganz offensichtlich auch keine Hilfe, und ihre Mutter Tutu (Rosie O'Donnell) macht mit ihrem Geld lieber, was sie gerne will. Bridgette träumt außerdem von einer Karriere als Schauspielerin, aber ohne Agentin reicht es derzeit nur zu Vorsprechen für öffentlich finanzierte Werbespots. Immerhin bekommt sie da den Zuschlag.

Always around

Die meiste Zeit verbringt Bridgette in der Pilotepisode jedoch mit der Suche nach einem Sexualpartner. Seit der Geburt hat sie die Befürchtung, dass ihre Vagina an Straffheit verloren haben könnte, kann das aber nicht ausprobieren, weil ja immer der Kleine dabei ist. Vorsichtige Anbandlungsversuche mit Rafi versanden sofort, weil er, wie sich später herausstellt, mit der Sportreporterin Nelson (Samara Weaving) aka nipple girl bereits eine Neue hat. Die ist immerhin so attraktiv, dass sich Bridgette sofort zum Griff nach dem Vibrator veranlasst sieht, als sie deren Bilder im Internet anschaut.

In solchen Momenten - und in vielen anderen auch, angefangen bei der gelungenen visuellen Umsetzung - erinnert SMILF stark an die Dramedy Shameless, mit der das Format nun im Doppelpack am Sonntagabend läuft. Noch eine Stufe härter wird es, als Bridgette im abendlichen Fressrausch einen alten Schulkameraden trifft und diesen kurz darauf zum emotionslosen Beischlaf einlädt. Wer könnte bei solchen Komplimenten auch anders handeln: „You look homeless great.“ Allerdings endet auch dieser Versuch im Chaos, da Klein-Larry schlafend im Bett liegen bleiben soll.

Wer „Shameless“ liebt, der wird auch „SMILF“ mögen. Und obwohl sich die beiden Formate formell voneinander unterscheiden - die Episoden des einen laufen eine Stunde, die des anderen nur eine halbe -, so sind doch viele Parallelen zwischen ihnen zu erkennen. Beide verfügen über eine starke Protagonistin, beide wissen nicht so recht, was sie mit ihren Nebenfiguren anfangen sollen, beide spielen in einem Milieu, in dem Geld ständig eine Rolle spielt, beide nehmen sich viel vor und erfüllen dann nicht immer alles. Für „SMILF“ steht eine Entscheidung darüber aber noch aus, denn die Episode A Box of Dunkies and Two Squirts of Maple Syrup erfüllt ihren Zweck - sie bringt uns zum Lachen und ein bisschen auch zum Weinen. Das genügt für den Anfang.

Ab 24. November wird die Serie in Deutschland bei Sky Atlantic zu sehen sein.

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