Sleepy Hollow 1x09

In der letzten Episode von Sleepy Hollow (Necromancer, 1x09) konnte der kopflose Reiter unter Mithilfe von Andy (John Cho) aus dem unterirdischen Gefängnis entkommen, welches Ichabod (Tom Mison) und Abbie (Nicole Beharie) in Zusammenarbeit mit Irving (Orlando Jones) konstruiert hatten. In Sanctuary wird der fleischgewordene Tod nun komplett außen vor gelassen.
Vielmehr bekommen wir eine klassische haunted house-Folge zu sehen, die zu Beginn etwas losgelöst von der bisherigen Handlung der ersten Staffel wirkt, im weiteren Verlauf aber einige interessante und vor allem verknüpfende Aspekte in petto hat. Zwar gestalten sich einige Momente ein wenig zu zweckmäßig und ein Handlungsstrang vielleicht sogar etwas zu „ablenkend“, gerade mit Hinblick auf den gesamten Plot. Jedoch entpuppt sich Sanctuary schlussendlich als eine aufregende Episode mit ordentlichem Gruselfaktor.
Haunted House
Schon in den ersten Minuten von Sanctuary wird deutlich, welchen Weg die Episode einschlagen wird. Die äußerst wohlhabende Lena Gilbert (Erin Cahill) kehrt nach Sleepy Hollow zurück, wo sie erst vor kurzem das Grundstück eines Vorfahrens erworben hat und nun das ziemlich heruntergekommene Anwesen besichtigt. Ihr Bodyguard ahnt es schon, das Haus wirkt verflucht, doch Gilbert lässt sich nicht davon abbringen, sich einen genaueren Überblick zu verschaffen. Hätte sie mal besser auf ihre Begleitung gehört, denn, nur kurz nachdem sie das Haus betritt, wird sie auch schon von den überall im Haus wuchernden Wurzeln attackiert. Da hilft ihr auch ihr durch Mark und Bein gehendes Schreien nicht mehr viel.
Ein alter Freund
Abbie und Ichabod legen zunächst einen kleinen Zwischenstopp bei einer uns allen bekannten Fastfoodkette ein, für deren schottische Namensbezeichnung angesichts des für Schottland eher untypischen Essens Ichabod wenig Verständnis zeigen kann. Danach werden die beiden sogleich von Irving über den Fall der verschwundenen Lena Gilbert informiert. Bei der Recherche nach der vermissten Gilbert finden Abbie und Crane raus, dass die Vermisste eine Nachfahrin eines alten Freundes von Ichabod ist. Dieser zählt schnell eins und eins zusammen und so begeben sich Abbie und er zum alten Wohnsitz von Lachlan Fredericks, dem besagten guten Freund von Ichabod und seiner Frau Katrina (Katia Winter).
In einem Rückblick wird uns Fredericks (Craig Trow) und sein Anwesen vorgestellt, das Ichabod und Katrina während des Unabhängigkeitskrieges besucht hatten. Fredricks' Gutssitz galt als einer der wenigen Zufluchtsorte (sanctuary) für Vertriebene oder Flüchtlinge des Krieges, egal welcher Abstammung sie waren. Bei der genaueren Untersuchung des brüchigen Hauses stoßen Abbie und Crane dann auf die Leiche des Bodyguards von Lena Gilbert. Als wäre dies nicht schon schlimm genug, werden die beiden dann auf gespenstische Weise in dem Gebäude eingesperrt. Das haunted house wird also seiner Bezeichnung vollkommen gerecht, sehr zum Leidwesen von Abbie, die äußerst panisch reagiert und eine große Abneigung für derartige Spukhäuser zu haben scheint.
So zieht auch zum ersten Mal die Spannung in Sleepy Hollow an, die manchen Zuschauer schon etwas angespannter das weitere Geschehen verfolgen lässt. Irgendetwas hat dieses Haus, wo einst so viel Gutes getan wurde, bis auf seine Grundpfeiler verdorben. Außerdem hat es Lena Gilbert in seiner Gewalt, also schlägt Ichabod vor, sich trotz der unheimlichen Umstände auf die Suche nach ihr zu machen. Der Zuschauer kann dann schon einen ersten Blick auf den wurzelbehangenen und wahrlich hölzernen Dämon, der die Residenz der Fredericks unter seiner Kontrolle hat, erhaschen und ihn dann dabei beobachten, wie er sich langsam dem Haus nähert.
Jenny und Irving
In der Polizeiwache Sleepy Hollows unterhalten sich derweil Abbies Schwester Jenny (Lyndie Greenwood) und Cpt. Irving über die letzten Ereignisse und ein paar Schusswaffen, die Jenny Irving noch zurückgeben muss. Man bekommt den Eindruck, dass Jenny an Irving interessiert ist und diesen bewusst ein wenig anflirtet. Als dann später Irvings Exfrau (Jill Marie Jones) und deren im Rollstuhl sitzende Tochter (Amandla Stenberg) vor Irvings Bürotür stehen, ist dem Techtelmechtel erst einmal ein Riegel vorgeschoben. Jenny führt ein angenehmes Gespräch mit Irvings Tochter Macy, während Irving selbst es mit seiner Exfrau zu tun bekommt. Die verlangt von ihm, dass er endlich seinen Vaterpflichten nachkommen soll - sonst wird sie bald schon vor Gericht um das alleinige Sorgerecht für ihre Tochter kämpfen.
Es ist gut, dass die Macher nun auch immer mehr auf die Nebencharaktere der Serie eingehen. Irving ist eine interessante Figur und dementsprechend möchte der Zuschauer auch mehr über ihn erfahren. Das Gleiche gilt für Jenny. So lobenswert die Vertiefung dieser beiden Charaktere ist, der Moment ist etwas unpassend gewählt. Beide Male, als die Episode zu Irving und Jenny schwenkt, wird man leider immer auch etwas aus der Spannung herausgerissen. Ohne Frage stehen das haunted house sowie Abbie und Ichabod im Mittelpunkt dieser Episode, daher wirken die Szenenwechsel zu Irving und Jenny etwas ablenkend vom eigentlichen Thema.
Zurück im Haus
Ichabod und Abbie befinden sich immer noch auf der Suche nach Gilbert, welche sie schlussendlich auch finden und vorerst befreien können. Auch Gilbert war auf der Suche nach Antworten auf die Fragen bezüglich ihres Vorfahrens. Wie sich herausstellt, war Fredericks nicht nur ein guter Freund von Ichabod und Katrina, sondern auch ein Hexenmeister (warlock), der mit Katrinas Hexenzirkel gemeinsame Sache gemacht hatte. Langsam kommen sie dem Mysterium auf die Schliche, jedoch bleibt nicht viel Zeit, um zu verweilen, attackiert der Dämon doch plötzlich die Gruppe und zwingt sie zur Flucht.
Wieder zieht die Spannung an, wieder verfolgen wir gefesselt, was sich da vor uns abspielt. Die Kamerafahrten erinnern an klassische Horrorfilme, die auf vielleicht etwas billige, aber nicht minder effektive jump scares setzen. Als Ichabod dann annimmt, er würde Abbie aus dem Loch einer Wand ziehen, die dämonische Kreatur jedoch Ichabods Hand ergriffen hat, dürfte sich der eine oder andere mit Sicherheit erschrocken haben.
In Sanctuary ist man darüber hinaus sehr interessiert daran, zu erfahren, was es genau mit der Verbindung zwischen Ichabod, Katrina und dem Haus selbst auf sich hat. Abbie hat eine Vision von der Vergangenheit, in der sie einer Hebamme in einen Raum folgt, wo Katrina gerade ihren und Ichabods gemeinsamen Sohn zur Welt bringt. Katrina suchte damals Zuflucht im Haus von Fredericks, dunkle Mächte waren ihr auf den Fersen und trachteten ihr nach ihrem Kind. Anscheinend war der Dämon mit der Geburt von Ichabods Sohn verbunden. Dahinter steckt natürlich Moloch, dem Katrina schon vor mehr als 200 Jahren trotzte und womit der Bogen zu der übergeordneten Handlung rund um den Kampf gegen Moloch und seine dämonischen Schergen auch gespannt wäre.
Ichabod sieht rot
In einer weiteren Auseinandersetzung mit der Kreatur, die für den Geschmack des Rezensenten leider ein wenig zu unübersichtlich und verwackelt geraten ist, können Abbie und Ichabod Lena Gilbert abermals befreien und das Monster zurückschlagen. Wutentbrannt stürmt Ichabod, mit einer Axt bewaffnet, zurück in das Gebäude - hat doch der Dämon vor langer Zeit seine geliebte Frau und seinen neugeborenen Sohn angegriffen. In einem wilden, blutigen Kampf ringt Ichabod den Dämon nieder, dieses Mal ohne die Hilfe von irgendwelchem mystischen Schnickschnack, sondern nur durch pure Gewalt und Ichabods geballten Zorn. Auch das stellt sich als gute Entscheidung der Serienmacher heraus. So wird abermals Ichabods Liebe für seine Ehefrau und natürlich auch für seinen Sohn deutlich. Selbst dieser Dämon hat angesichts Ichabods unaufhaltsamer Wut keine Chance. Tom Mison kann an dieser Stelle mit einer sehr kraftvollen und mitreißenden Darbietung auf ganzer Linie überzeugen.
Am Ende der Episode teilen Abbie und Ichabod wieder einmal einen sehr emotionalen Moment, der verdeutlicht, wie wichtig jeder für den anderen ist. Die Chemie zwischen den beiden stimmt einfach, doch dies ist nicht erst seit dieser Folge so, sondern zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Serie. Letztendlich wird dann noch die tiefgreifende Verbindung aufgeklärt, die Abbie und Ichabod miteinander teilen. Die Hebamme, welche Katrinas und Ichabods Sohn zur Welt gebracht hat, ist eine Vorfahrin von Abbie. Auch hier wird angesichts der Bedeutung Ichabods und Abbies als die zwei Menschen, welche sich dem Bösen und der Ankunft der vier apokalyptischen Reiter in den Weg stellen können, noch ein bisschen Licht ins Dunkel gebracht.
Fazit
Sanctuary gestaltet sich als eine abermals sehr spannende und aufregende Episode von Sleepy Hollow, die so manchen mit ihren Schockmomenten sicherlich packen und ein paar Nerven kosten könnte. Betrachtet man die Machart, greifen die Verantwortlichen auf genretypische Kniffe zurück: von der klassischen haunted house-Story bis hin zum etwas altmodischen, aber sehr ansehnlichen Monsterdesign oder genrespezifischen Kameraeinstellungen. Die Charaktere gewinnen mehr und mehr an Tiefe, insbesondere Ichabod und Abbie, die beide in ihrem Zusammenspiel immer wieder Spaß machen. Ichabods eigentümliche Kommentare über die Neuzeit (darunter die Vermutung, dass dieser George Clooney, von dem er noch nie etwas gehört hat, wohl irischer Abstammung sein muss oder dass er so einige Probleme mit dem modernen Thanksgiving-Fest hat) dürfen dabei nicht fehlen und lockern wie immer die Atmosphäre auf. Aber auch in den ruhigen sowie spannenderen Momenten harmonieren Mison und Beharie sehr gut miteinander.
Schwachpunkte dieser Episode sind ohne Frage Captain Frank Irving und Abbies Schwester Jenny. Es ist nicht so, als würden wir nicht gerne mehr über die beiden und ihre Charaktere erfahren, doch passen diese Szenen nicht wirklich in die Episode Sanctuary hinein. Sie irritieren eher und reißen uns aus der Spannung heraus. Für diese Storyline hätte man sich definitiv eine andere Episode aussuchen sollen.
Viele Dinge stoßen dem Zuschauer vielleicht ein wenig seltsam auf, einige der Zufälle in Sanctuary mögen eventuell sogar ein wenig lächerlich wirken, passt doch am Ende der Episode alles perfekt in die Gesamthandlung von Sleepy Hollow. Aber höchst akkurate Logik und Realismus hat sich Sleepy Hollow eh nicht auf die Fahnen geschrieben. Die Serie verfolgt weiterhin ihren ganz eigenen Stil und schafft es wöchentlich, gut zu unterhalten. So sonderbar die Handlung manchmal erscheinen mag, in sich ist sie schlüssig. Die ordentliche Portion Spannung von Episode zu Episode sowie die sehenswerten Charakterdynamiken machen Sleepy Hollow weiterhin zu einem sehr kurzweiligen Serienneustart dieser fall season.
Trailer zu „Sleepy Hollow“ (1x10):
Verfasser: Bernd Michael Krannich am Dienstag, 26. November 2013Sleepy Hollow 1x09 Trailer
(Sleepy Hollow 1x09)
Schauspieler in der Episode Sleepy Hollow 1x09
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