
Genregemäß und passend zum Titel geht es in der Pilotepisode An Eye for an Eye mit einer Slasher-Szene los. In dieser wird nicht nur ordentlich gemetzelt, sondern auch der Hut gegenüber Klassikern des Genres gezogen: Der maskierte Schlitzer mit Henkersmaske steht am Halloweenabend vor der Tür und die Dame des Hauses hatte vor, sich Popcorn zu machen, um einen Gruselfilm zu sehen. Offenbar wurden hier die Hausbesuche von Michael Myers und die Einstiegsszene aus „Scream“ als Referenz hinzugezogen. Abgemurkst werden ein werdender Vater im Cowboykostüm und seine hochschwangere Frau, während ein befreundeter Zeuge mit dem Schrecken und einer Wunde im Gesicht davonkommt. Dem Baby ist übrigens nichts geschehen - es wurde fein säuberlich mit einer Machete entbunden. Die Flucht zu ergreifen, hielt der bereits maskierte Killer danach nicht für nötig.
It's just a house
28 Jahre später, in der Gegenwart also, zieht Sarah Bennett (Katie McGrath), das oben erwähnte Baby, mit ihrem Mann Dylan (Brandon Jay McLaren) in ihre Geburtsstadt und das Haus ihrer Eltern zurück. Dylan arbeitet von nun an bei der Kleinstadtzeitung, die prompt die Rückkehr der Tochter in das Mordhaus verkündet und schon in der ersten Nacht wird Sarah während eines Spaziergangs von dem maskierten Killer, der The Executioner genannt wird, verfolgt. Und das, obwohl Tom Winston (Patrick Garrow), der Mörder ihrer Eltern, seit Ende der 80er hinter Gittern sitzt. Sarah bleibt in dieser Nacht zwar verschont, aber ein Teenager, der sich von seiner Clique getrennt hat, wird mit seinem Baseballschläger erschlagen.

Sarah hatte sowieso vor, Tom im Gefängnis zu konfrontieren. Anstatt sich auf ihre Vorwürfe einzulassen, gibt er ihr jedoch einen gut gemeinten Hinweis: Sie sollte sich am besten mit der Vergangenheit auseinandersetzen und erfahren, was wirklich vor 30 Jahren mit ihren Eltern vor sich ging. Eine Erkundungstour durch den Keller des Elternhauses bringt schnell eine private Pornokollektion zum Vorschein. Auf den Tapes ist ihre Mutter mit verschiedenen Männern zu sehen. Verstört sucht sie ihren Kindheitsfreund Cam (Steve Byers) auf der Party der Nachbarn auf, um ihm davon zu berichten. Just in diesem Moment schnüffelt die missmutige Mrs. McBride (Mary Walsh) im Haus des Paares herum und entdeckt den Fernseher, auf welchem genau das Tape läuft, das ihren Mann beim Fremdgehen zeigt.
Ehe Sarah die Nachbarin, die schon vorher nicht gut auf sie zu sprechen war, aufsuchen kann, bekommt auch sie einen Besuch vom Schafrichter abgestattet. Weniger wäre in diesem Fall mehr gewesen, denn die durchsäbelte Gummihand hätte man besser nicht in Nahaufnahme gezeigt. In einer Serie, die augenzwinkernd einen trashigeren Ton anschlägt, hätte dies sehr gut funktioniert. Slasher nimmt sich aber, trotz des Titels, relativ ernst. Ulkig wird es auch danach noch einmal, als nicht das im Genre so verheerende Treppehinauflaufen, sondern das Vor-Schreck-die-Treppe-Herunterfallen Sarah ausknockt. Sie hatte den Executioner beim Zerteilen von Mrs. McBride erwischt, aber kein weiteres Interesse, mit Sarah fortzufahren.
Tom Winston beteuert später, nichts mit dem Nachahmer zu tun zu haben und bietet ganz im Sinne von Hannibal Lecter seine Hilfe aus der Zelle heraus an. Anscheinend hatte der Täter biblische Motive und ist vermutlich eine der bereits eingeführten Figuren.

Fazit
Slasher wird wahrscheinlich niemanden vom Hocker hauen, der sich letztes Jahr die Scream-Serie oder Scream Queens reingezogen hat. Es lässt trotz der trashigen Elemente den Humor der übrigen Titel vermissen und versucht vor allem, eine ernstere Grundstimmung aufzubauen. So wirkt das Endprodukt in seiner Pilotepisode erst mal furchtbar anachronistisch. Eben so, als würde es in jene Slasher-lastige Zeit in den 90ern gehören, in welcher Filme wie „I Know What You Did Last Summer“ oder „Urban Legend“ die von „Scream“ neu entfachte Subgenrefackel weitertrugen.
Berücksichtigen wir dies als Vorzeichen, handelt es sich bei „Slasher“ um gar keinen so schlechten Nachzügler des Genres. Damals wurden definitiv schlechtere Filme mit maskiertem Killer produziert und wer sich in die 90s und zur Flut der Teenie-Slasher zurückwünscht, für den ist diese kleine Zeitkapsel ein gefundenes Fressen. Wünschenswert wäre eben, wenn die Serie die Genrekonventionen dann später doch links liegen lässt, um etwas Neues zu wagen. Zumindest für jene, denen das Mitraten, wer von den Kleinstadtmitmenschen unter der Maske steckt, auf Dauer nicht genug ist.