Sky Rojo: Review der Pilotepisode

© ky Rojo (c) Netflix
In der achtteiligen Actionserie Sky Rojo aus dem Hause Netflix geht es um drei junge Frauen, die in einem Puff auf Teneriffa arbeiten. Als eine von ihnen von ihrem Chef erpresst wird, entbrennt ein Streit, der eskaliert und mehrere Leichen mit sich bringt. Von nun an ist das Trio auf der Flucht vor den Behörden und dem Kartell, das hinter dem Puff steht.
Das passiert in der Pilotepisode von Sky Rojo
Coral (Verónica Sanchez), Wendy (Lali Espósito) und Gina (Yany Prado) arbeiten in besagtem Bordell. Dieses wird von Romeo (Asier Etxeandia) geleitet. Für Gina war dieser Laden, wie für viele andere auch, nur ein Mittel zum Zweck und zur Überbrückung, um schnelles Geld zu verdienen, bis sich ihre Lage gebessert hat. Für sie ist nun die Zeit gekommen, den Puff zu verlassen und ihren eigenen Weg zu gehen. Romeo will sie jedoch nicht gehen lassen, da er so viele Jahre in sie investiert hat und so verlangt er von ihr, ihre Arbeitskleidung und Arbeitsmaterialien zurückzubezahlen. Den Betrag von beinahe 7.000 Euro kann sie natürlich nicht aus dem Stegreif bezahlen und so greift sie ihn komplett verzweifelt an. Es entbrennt ein Kampf zwischen ihnen, bei dem er sich mit aller Kraft wehrt. Nur Dank der Hilfe ihrer Kolleginnen Wendy und Coral kommt sie mit lediglich ein paar Stichwunden davon. Doch Romeo überlebt die Notwehr der Frauen nicht. Sie bekommen Panik und fliehen.
Durch ein blödes Missgeschick stirbt auch noch die starke Frau hinter dem Bordell und das Frauentrio befindet sich nun vollends auf der Flucht. Während einer Not-OP, die an Gina durchgeführt werden muss, verrät sie, dass sie schwanger ist. Damit endet die circa 30-minütige Pilotepisode von „Sky Rojo“.
So kommt Sky Rojo rüber
(Bisher) Bildet Coral die Hauptfigur der Serie, denn sie leitet die Netflix-Serie ein und spricht das Voice-over. Dadurch erhält die Serie eine Art biografisches Element, denn sie wird automatisch zu einer Identifikationsfigur, zur Erzählerin - man konzentriert sich auf sie - und über sie weiß man (bisher) am meisten. Ich könnte mir jedoch auch gut vorstellen, dass die Serie in jeder Episode den Erzählfokus verändert und immer wieder eine andere Frau in die Mitte der Erzählung rückt. Durch die Erzählweise der Pilotepisode erfahren wir also mehr über eine der Frauen. Dabei lernen wir aber gerade so viel über Coral, dass unsere Neugierde geweckt ist und wir uns weitere Fragen stellen, wie zum Beispiel: „Vor wem versteckt sie sich? Etwa vor ihrem Mann? Oder warum hätte sie sonst ihr Leben als Hausfrau und Biologin aufgeben sollen?“. Ihre Entwicklung von einer Biologin/Hausfrau zur Sexarbeiterin findet nämlich arg überraschend statt.
Es ist außerdem schön, ein bekanntes Gesicht in „Sky Rojo“ zu sehen: Miguel Ángel Silvestre von Sense8 ist bei der Serie mit von der Partie. Obwohl er in der Pilotepisode noch nicht viel zu sehen ist, wird der Handlanger in den folgenden Episoden bestimmt noch eine größere Rolle spielen, da er den Mord an seinem Chef rächen möchte. Dabei wird der Schauspieler hoffentlich seinen rauen Charme zum Einsatz kommen lassen können.
Das, was bei der Netflix-Serie sofort ins Auge fällt, ist ihr überaus markanter Stil: Die farblichen Inszenierungen erinnern an die 70er Jahre, sind überaus knallig und wirken dadurch zwar übertrieben, aber doch auch passend, da sie sich so harmonisch in den restlichen, teilweise ebenso übertriebenen Erzählstil einfügen. Es tauchen eben nicht nur überzogene Farben und Outfits auf, sondern auch die Frauen selbst oder auch Requisiten wie Autos tragen zu der comichaften Inszenierung bei. Äußerlich wirken die Figuren durchaus öfter mal wie überzeichnete Comicfiguren. Ob von diesen Charakteren dann dennoch Tiefgründigkeit und Mehrdimensionalität zu erwarten ist, ist noch unklar.
Abgesehen davon finde ich manche der Kameraeinstellungen äußerst originell. Das passt auch zu dem Stil der Serie, der gerade in den Actionszenen stark an Quentin Tarantinos Inszenierungen erinnert. In der halben Stunde kommt es zu überaus vielen gewalttätigen Szenen. Bei diesen wird in die Slow-Motion gewechselt, es fließt extrem viel Blut, die Gewalt wird schonungslos und rational dargestellt. Durch den plötzlichen und überdimensionalen Einsatz dieses Elements kommt jedoch auch eine Art Ironie auf, die einen das zu Sehende nicht allzu ernst nehmen lässt.
Fazit
Ich fand es äußerst angenehm, in der Pilotepisode von Sky Rojo mal die Art Action zu sehen, die sich selbst nicht zu ernst nimmt und dadurch der Serie einen unterhaltsamen und lockeren Charakter verleiht. Dazu passt auch der visuelle Stil, der sich von anderen (Netflix-)Serien abhebt. Durch die acht Episoden à 30 Minuten ist die Actionserie auch sehr bingeable. Die Mischung aus einer Actionserie mit weiblichen Protagonisten und Action im Tarantino-Stil macht bisher einen ganz guten Eindruck. Hinter der Serie steckt ja außerdem der Macher von Haus des Geldes, so dass wir uns wohl auch für den Rest der Season auf wendungsreiche Action und Drama freuen dürfen.
Hier abschließend noch der Trailer zur Serie: