Skins 5x01

Skins 5x01

In der neuen Staffel von Skins ist der Ton etwas seichter geworden. Statt Drogenpartys werden heitere Mädchennachmittage im Einkaufszentrum zelebriert. Dennoch bleibt sich die Serie treu und taucht persönlicher denn je in die Teenieproblemwelt ab.

Dakota Blue Richards als Franky in der neuen Staffel von „Skins“ / (c) E4/Channel 4
Dakota Blue Richards als Franky in der neuen Staffel von „Skins“ / (c) E4/Channel 4

Sid war ein Sonderling, Cassie lebte in ihrer eigenen Welt, Effy sowieso, auch die Zwillinge Emily und Katie hatten ihre Probleme, bei Chris waren sie gesundheitlicher Art, bei Thomas geradezu existenzialistisch. Sie alle haben uns Zuschauer bis in die Abgründe ihres verkorksten Teenager-Daseins schauen lassen, und doch war der Blick auf die Skins-Charaktere nie auf Anhieb so persönlich wie in der ersten Episode der fünften Staffel.

Diese stellt uns Franky Fitzgerald (Dakota Blue Richards) vor - schmächtig, androgyn, künstlerisch. Eine Außenseiterin. Und ein wenig rebellisch. An ihrer alten Schule wurde sie gemobbt, in Bristol soll das anders werden, das wünschen sich nicht nur ihre schwulen Väter. Doch der Neustart missglückt, in bester Teeniefilm-Manier tauchen schon bald peinliche Bilder aus Frankys Vergangenheit auf, mit denen die Schulflure zugekleistert werden.

Skins zeichnete sich schon immer durch seine Unverblümtheit aus. Die Geschichten waren vielleicht nicht immer so real, wie das gerne von Kritikern (auch auf SERIENJUNKIES.DE®) gelobt wird, aber sie waren näher an den echten Konflikten Jugendlicher dran als das High-Class-Soaps wie Gossip Girl je sein werden. Charaktere wie Franky mögen in der Realität ebenso selten sein wie Kids auf einem endlosen Drogentrip, ihre Schwierigkeiten sind deswegen nicht weniger real und packend.

Anders zu sein - egal ob es um Sexualität geht, um Herkunft oder Identität - gehört zu den größten Hürden für junge Menschen; Ausgrenzungen aufgrund von Andersheit sind ein gesellschaftliches Phänomen, das thematisiert werden muss, man denke nur an das It Gets Better Project. „Skins“ wählt einen sehr persönlichen Ansatz in der neuen Staffel und widmet seine erste Episode einer Figur mit eben solchen Problemen.

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Es dauert nur wenige Minuten, bis man Franky liebgewonnen hat und mit ihr fühlt. Als sie in einem sehr plakativen Moment den Spiegel abdeckt, um sich nicht darin betrachten zu müssen, möchte man ihr zurufen: Du bist gut so wie du bist! Lass dich nicht verunsichern! Doch Franky kann den Zuschauer nicht hören, sondern wird stattdessen mit einer Mädchenclique konfrontiert, die es ihr alles andere als leicht macht, sie selbst zu bleiben.

Erst am Ende der Episode wird klar, wo wessen Loyalitäten liegen und wer genügend Mumm hat, sich über Stereotype hinwegzusetzen. Schließlich sagt sich Grace (Jessica Sula) von ihrem bisherigen Umfeld los und schließt sich Frankys neuem Freundkreis an, einer Gruppe von Außenseitern, die uns als moralisch überlegen präsentiert wird.

Auch wenn die zentrale Figur durchaus ernste Probleme hat - man bedenke nur die Waffe, mit der sie zwischenzeitlich herumfuchtelt - ist das neue „Skins“ teilweise geradezu seichte Unterhaltung. Und das nicht nur, weil die Fluch-, Sex- und Drogenorgien fehlen. Szenen wie der heitere Mädchennachmittag im Einkaufszentrum oder die Schlusssequenz im Schwimmbad ersetzen - zumindest vorerst - Drogenpartys und Saufgelage im Wald. Es wird so wenig geflucht, dass man sich zwischenzeitlich in einer amerikanischen Primetime-Serie wähnt statt im F-Wort-lastigen britischen TV.

Dennoch wirkt „Skins“ gleich wieder so vertraut, als habe sich kaum etwas geändert. Was erstaunlich ist, zumal dieses Mal wirklich die komplette Darstellerriege ausgetauscht wurde. Im zweiten Durchgang, der dritten und vierten Staffel, blieben uns immerhin noch Effy und Pandora. Jetzt gibt es keinerlei Konstante. Hinzu kommt, dass die Hauptfigur Franky keinen Bezug zu den anderen Charakteren hat, also erst einmal Freundschaften aufbauen muss statt - wie in den bisherigen Konstellationen - sich in alten Cliquen schlichtweg neu zu orientieren.

Neue Freundschaft: Grace und Franky in %26bdquo;Skins%26ldquo; © E4/Channel 4
Neue Freundschaft: Grace und Franky in %26bdquo;Skins%26ldquo; © E4/Channel 4

Stärker als bisher lassen sich die Figuren in eine Schublade schieben. Das Freundinnentrio, an das Franky gerät, wird angeführt von Mini (Freya Mavor), und die scheint der Inbegriff der skinny white bitch aus US-Teenie-Filmen zu sein: Die fiese Promqueen, die den Schwächeren das Leben schwer zu machen weiß, aber am Ende die Quittung für ihre unmenschlichen Charakterzüge bekommt. Rich (Alex Arnold) ist der headbangende Loser, Matty (Sebastian De Souza) der geheimnisvolle Schöne, Liv (Laya Lewis) die Mitläuferin. Auch dass sich die große Gruppe später in kleinere Grüppchen aufspaltet, ist ein für diese sonst von Klischees befreite Serie ungewohnter Schachzug.

Es scheint, dass die fünfte Staffel etwas oberflächlicher ist. Und das bezieht sich nicht nur auf die Charaktere (dass man sie gleich glaubt einordnen zu können, wird sich ohnehin garantiert als Fehleinschätzung erweisen). Auch Frankys zentraler Konflikt, ihre Suche nach der Identität, wird auf dem Silbertablett kredenzt: in Form einer Hausaufgabe. Und die Oberflächlichkeit der einen Seite wird entlarvt, als diejenigen den eigentlichen Spaß haben, die sich Minis elitärem Regelwerk entziehen - indem sie sich entblößen.

Bislang waren die Konflikte in Skins oft überhöht, geradezu karikaturiert wurde etwa der mentale Zustand von Effy (Kaya Scodelario) dargestellt oder auch der Bruch zwischen Naomi (Lily Loveless) und Emily (Kathryn Prescott). Sich Übertreibungen, so unterhaltsam und stimmig sie auch gewesen sein mögen, zu sparen, ist vielleicht zur Abwechslung mal gar keine schlechte Idee. Jetzt muss „Skins“ eben beweisen, dass es auch mit etwas weniger expliziten Tönen seinen Charme bewahren kann und nicht amerikanischer als die amerikanische Serienkopie wird.

Aber wer weiß: Vielleicht beginnt ja schon in der nächsten Episode die Abwärtsspirale der Charaktere und am Ende ist „Skins“ halt wie immer. Was auch großartig wäre.

Verfasser: Carolin Neumann am Sonntag, 30. Januar 2011
Episode
Staffel 5, Episode 1
(Skins 5x01)
Deutscher Titel der Episode
Thomas
Titel der Episode im Original
Franky
Erstausstrahlung der Episode in Großbritannien
Donnerstag, 27. Januar 2011 (E4)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 24. November 2015
Autor
Sean Buckley
Regisseur
Amanda Boyle

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