Skeleton Crew: Star Wars meets Goonies? Kritik zum Serienauftakt

Skeleton Crew: Star Wars meets Goonies? Kritik zum Serienauftakt

Mit zwei Folgen ist die von Fans mit einiger Skepsis erwartete neue „Star-Wars“-Realserie bei Disney+ gestartet. Was erwartet uns bei den Abenteuern der kindlichen „Skeleton Crew“?

Die „Skeleton Crew“ aus der neuen, gleichnamigen „Star-Wars“-Serie von Disney+
Die „Skeleton Crew“ aus der neuen, gleichnamigen „Star-Wars“-Serie von Disney+
© Disney+

Dunkle Regionen

Nach dem Fall des gefürchteten Imperiums ist die Galaxis kein vollends friedlicher Ort geworden. Insbesondere entlang der Hyperraum-Routen treiben Raumpiraten ihr Unwesen. Als ein Schiff der Republik von der Bande des behelmten Captain Silvo havariert wird, geht das Ganze für den Anführer ungut aus. Da sich im Safe des Schiffs lediglich ein einziger Credit befindet, wird der Piratenkapitän Opfer einer Meuterei.

Die Vorstadt von At Attin

Auf dem idyllischen Planeten At Attin ahnt man von dergleichen nichts. Schuljunge Wim (Ravi Cabot-Conyers, 2021 Sprecher des kleinen Antonio im Disney-Film „Encanto“) ist ein verträumter Lauser, der von Abenteuern im fernen Weltraum fasziniert ist. Einzig unter der wenigen Zeit, die sein vielbeschäftigter Vater Wendle (der vorwiegend als Musiker bekannte Tunde Adebimpe, als Schauspieler zuletzt in „Twisters“) für ihn hat, leidet der Junge.

Glücklicherweise gibt es seinen besten Freund Neel (Robert Timothy Smith, „Dear Santa“). Der ist ein blauhäutiges elefantenartiges Alien und lässt sich gern von Wims Spinnereien mitziehen.

Eher zwiegespalten stehen die zwei gleichaltrigen Mädchen wie der hochintelligenten Fern (Ryan Kiera Armstrong, „Firestarter, 2022“) und der mit verschiedenen Implantaten ausgestatteten KB (Kyriana Kratter, „The Healing Garden“) gegenüber. Die beiden verbringen ihre Freizeit vorwiegend mit Rennen auf ihrem aus Schrott zusammengebastelten Speeder Bike.

Ein Zufallsfund

Als Wim ausgerechnet am Tag einer wichtigen Prüfung den fliegenden Schulbus verpasst, versucht er mit dem eigenen Speeder Bike mittels Abkürzung durch den Wald noch pünktlich zu erscheinen. Das allerdings schlägt fehl und er stürzt einen Abhang hinunter. Dort entdeckt er eine merkwürdige metallene Öffnung im Boden, kann diese jedoch wegen des Auftauchens eines Schuldroiden nicht näher untersuchen. Allerdings ist er fest davon überzeugt, einen alten Jedi-Tempel gefunden zu haben.

Er und Neel wollen der Sache nach ausgiebiger Schelte durch Wims Vater nach der Schule auf den Grund gehen. Dummerweise haben auch Fern und KB von der Entdeckung erfahren und erweisen sich als Konkurrenz. Gemeinsam steigen sie durch die Öffnung und finden sich in einem alten Raumschiff wieder. Wim betätigt den Startknopf und gleich darauf saust das Schiff in den Hyperraum davon.

Fern kann den zunächst feindseligen beschädigten Borddroiden SM-33 (im Original gesprochen von Comedian Nick Frost, „Shaun of the Dead“) davon überzeugen, die neue Kommandantin des Piratenschiffes (wie sich herausstellt) zu sein.

Da SM-33 die Heimatwelt der unfreiwilligen Raumfahrer nicht kennt, fliegt er den verkommenen Raumhafen Port Borgo an. Dort geraten sie in Gefangenschaft einer Bande, der auch der dem Mandalorianer Din Djarin bekannte Vane (Marti Matulis, Evil) angehört. In der Brigg kommt ihnen ein vermummter Mitgefangener (Jude Law, „Phantastische-Tierwesen“-Filmreihe) zu Hilfe, der die Macht zu nutzen versteht.

„Goonies“ Goes „Star Wars“

Dass das Konzept der Serie von Jon Watts und Christopher Ford (Schöpfer der neuen Filme um „Spider-Man“) sich an in den 80er Jahren heißgeliebte fantastische Jugendfilme anlehnt, war von vorneherein kein Geheimnis. Nicht allein schon genannter „Die Goonies“, sondern auch weitere Klassiker wie „Explorers“ oder „Der Flug des Navigators“ sowie natürlich Stranger Things aus der letzten Zeit standen deutlich sichtbar Pate.

Gewürzt wird das Ganze mit einem ordentlichen Schuss Star Trek: Voyager und abgeschmeckt mit einer Prise Stargate Universe, fertig ist die neue Realserie aus den Welten von „Star Wars“. Der fällt die schwierige Rolle zu, für die bei den Fans harsch durchgefallenen letzten Serie The Acolyte zu entschädigen; alles andere als ein leichtes Unterfangen.

Doch zumindest für den Anfang machen die zwei Eröffnungsfolgen This Could Be a Real Adventure und Way, Way Out Past the Barrier ihre Sache recht gut.

Kindgerecht

Natürlich muss man sich als Fan von „Star Wars“ sein inneres Kind bewahrt haben, wenn man an Skeleton Crew seine Freude haben will. Von der ersten Minute an macht die Produktion klar, für welches Zielpublikum sie gedacht ist. Dementsprechend ist die Geschichte natürlich weder besonders ausgefeilt und verwinkelt noch überraschend. Wer am Anfang von Folge eins ein klein wenig aufgepasst hat, kann sich vermutlich schon denken, wer der geheimnisvolle Machtnutzer in der Kerker-Brigg auf Port Borgo ist.

Ansonsten gibt es für jeden Kindertyp die richtige Identifikationsfigur. Der abenteuerlustige Wim, das etwas ängstliche Dickerchen Neel, die schlaue und zuweilen verschlagene Fern und die teilkybernetische KB (die ein wenig wie eine Mischung aus Vulkanierin und Borg-Drohne aus dem benachbarten Universum von „Star Trek“ wirkt) ergänzen sich jedoch recht gut. Der grummelige, von einer mehräugigen Space-Ratte bewohnte Droide SM-33 wacht als unfreiwilliger guter Onkel über die Rasselbande.

Und dass es gleich nach dem Auftakt die erste Piratenbegegnung gibt, ließ sich eigentlich schon vom Anfang der ersten Folge ableiten. Zu diesen gehört auch der Werwolf-hafte Shistavane Brutus (gespielt von Performance-Künstler Stephan Oyoung und vertont von Fred Tatasciore, dessen Stimme man im Original als die von Sicherheitschef Lieutenant Shaxs aus Star Trek: Lower Decks kennt).

Der Star-Wars-Anteil

Die „Skeleton Crew“ auf einem Szenenfoto
Die „Skeleton Crew“ auf einem Szenenfoto - © Disney+

Das indes ist ein ausgesprochener Knackpunkt, den es im weiteren Verlauf der Serienhandlung erst noch auszuloten gilt. Natürlich gab es bereits sowohl animierte als auch Live-Action-Inkarnationen der Saga für junge Zuschauer. Zumindest im Fall Letztgenannter (den beiden TV-Filmen mit den pelzigen Ewoks aus den 80er Jahren) hatten und haben die Fans ihre Probleme damit, jene Aspekte des Universums von George Lucas zu erkennen, die es von jeher in erster Linie ausmachen.

Und diese Gefahr droht auch „Skeleton Crew“. Als grundsolide gemachte, verhältnismäßig aufwändige Kinderserie funktioniert sie zumindest in den zwei ersten Folgen (deren zweite nach dem rund dreiviertelstündigen Einstieg wieder nur knappe 30 Minuten lang ist) ziemlich gut. Es gibt jede Menge Action, coole Alien-Charaktere und auch der Spaß kommt nicht zu kurz.

Mit der Erwähnung des Speeder Bike-Piloten Bonjj Phalfa als Anspielung auf den von Harrison Ford gespielten Bob Falfa aus George Lucas' „American Graffiti“ gibt es eins von mehreren ulkigen easter eggs.

Einzig das ausgesprochene Feeling von „Star Wars“ kommt viel zu selten und erst gegen Ende der zweiten Folge kurz auf. Dies könnte sich zum Problem der neuen Serie für Altfans auswachsen, die insgesamt wirklich Spaß bereitet. Auf der anderen Seite jedoch liegen noch sechs Folgen vor uns, die durchaus Möglichkeiten bieten.

Fazit

Sicherlich nicht vordergründig an über 50-jährige Altfans der Welten von George Lucas gerichtet, präsentiert man hier einen spritzigen Einstieg in eine Gute-Laune-Serie für Jung-Warsler und solche, die es werden wollen.

Da man sich bei allem Spaß jedoch nicht voll und ganz da angekommen fühlt, wo man sich in „Skeleton Crew“ eigentlich wähnen sollte, gibt's von uns für den Anfang dreieinhalb von fünf wackligen Borddroiden.

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