Silicon Valley 3x10

Silicon Valley 3x10

In der dritten Staffel der HBO-Comedy Silicon Valley schafft es diese, vor allem in Sachen Charaktererzählung und Emotionalität einen Zahn zuzulegen, wenngleich die durchaus spannende Dramaturgie einem Wiederholungsmuster gleicht.

Das Team aus „Silicon Valley“ / (c) HBO
Das Team aus „Silicon Valley“ / (c) HBO

Es ist kaum abzustreiten, dass es die HBO-Comedy Silicon Valley in ihrer dritten Staffel zu einer neuen Hochleistung gebracht hat, welche vor allem durch emotionalere Zeichnung der Nebencharaktere zu verzeichnen ist. Besonders die Figur der Erlich Bachmann (T. J. Miller) schafft es vom one-trick pony des faulen Tunichtguts hin zu einem ernst zu nehmenden Charakter, dessen Mitgliedschaft bei den Pied Pipers eine wahre Bereicherung darstellt.

Geld oder Liebe

Im Zentrum der dritten Staffel steht dabei vor allem die Veröffentlichung der Pied-Piper-Kompressionsapp, welche jedoch in der ersten Staffelhälfte vor allem durch den neuen CEO Jack Barker (wie bereits in Californication - die perfekte Mischung aus Charme und Intriganz: Stephen Tobolowsky) verhindert wird. Dieser hat sich stattdessen eine leicht zu vermarktende, im Nebensatz gefallene Kiste zum Ziel gesetzt, die die Daten der Kunden schützen soll und unterwandert damit das eigentliche Ziel von Richard (Thomas Middleditch) und seinem Team.

Dieser findet somit im Zuge einer Reihe von Auseinandersetzungen mit Jack zurück zu seiner eigenen Arbeitsmoral, die sich gegen die reine Vermarktung und für die Qualität der eigenen Arbeit einsetzt. Dennoch muss sich Richard im Verlauf der zweiten Staffelhälfte mit ebenjener Vermarktung dennoch auseinandersetzen, als seine Kompressionsapp trotz technischer Erhabenheit nicht die gewünschte Nutzerreichweite erzielt. Es wird deutlich, dass der Durchschnittsbürger Richards bahnbrechende Errungenschaft nicht verstehen und somit nicht wertschätzen kann.

Jack (Stephen Tobolowsky) soll %26bdquo;Pied Piper%26ldquo; zu mehr Erfolg führen. © HBO
Jack (Stephen Tobolowsky) soll %26bdquo;Pied Piper%26ldquo; zu mehr Erfolg führen. © HBO

Dies führt schließlich im Finale der Staffel zu dem Erfolg eines weiteren Nebenprodukts in Form von Dineshs (Kumail Nanjiani) qualitativ hochwertigem Videomessenger. Nicht nur wird Richard dabei mal wieder in seinen sozialen Kompetenzen herabgestuft, Pied Piper entwickelt sich hierbei immer mehr zu einem festen Team, dessen Zusammenarbeit ans Herz der Zuschauer geht. Dies wird anhand der neuen Zeichnung Erlichs besonders deutlich.

Big Heads and Bigger Hearts

Nicht nur wird dieser wie bisher zum selbstbewussten Aushängeschild von Pied Piper, im Zuge der Partnerschaft mit Nelson ,Big Head' Bighetti (Josh Brener) verprasst er auch noch das gesamte Vermögen, das der ebenfalls durch Unproduktivität glänzende Charakter erwirtschaftet hat. Durch den Verkauf der eigenen Anteile und den Rückkauf der ganzen Firma baut Erlich jedoch ein emotionales Band zu Richard auf, dass die bisherige auf Leistung orientierte Hierarchie der Firma ad acta legt.

Erlich (T. J. Miller) und Big Head (Josh Brener) verprassen ihr Geld. © HBO
Erlich (T. J. Miller) und Big Head (Josh Brener) verprassen ihr Geld. © HBO

Silicon Valley schaffte es bisher vor allem dadurch an Zugkraft zu gewinnen, dass die Comedy zwar viele Sachen zu persiflieren wusste, jedoch die Charaktere stets ernst genommen hatte. Hierin liegt nicht nur der qualitative Unterschied zu so manch anderer Comedy mit gewissen Nerds im Fokus, diese Qualität stellt die Serie sogar über einen Großteil an Dramaserien, wie bereits mein werter Kollege Axel in seiner Kolumne herausstellte. Dennoch sind auch die komödiantischen Elemente hier positiv hervorzuheben.

Sei es der Running Gag des Einbezugs von Tieren in die Präsentationen des Hooli-Chefs Gavin Belson (Matt Ross) oder die überzogene Überlegenheit Gilfoyles (Martin Starr) gegenüber Dinesh - Silicon Valley weiß meistens, wie die etablierten Witze nicht allzu sehr überstrapaziert werden. Oder - wie im Falle des verstorbenen Elefanten -, wie diese sogar der eigenen Leichtigkeit einer folgenlosen Pointe beraubt werden.

Der Wendekreis des Phoenix

Was hingegen die Dramaturgie der gesamten Serie angeht, so scheint diese sich leider einem gewissen Muster verschrieben zu haben, das vor allem durch den Bruch mit den Erwartungen entsteht. Also scheitern Richard und Co immer dann, wenn der Zuschauer von ihnen eine größtmögliche Erfolgsstrategie erwartet, und sie schaffen es im Umkehrschluss immer wieder dann aus der eigenen Patsche, wenn alle Stricke als gerissen etabliert werden.

In Anbetracht der einzelnen Cliffhanger der Staffel sorgt das zwar durchaus für spannende Momente, wenn beispielsweise der Plan, Jack durch eine Untergrundorganisation zu helfen, aufgrund der eigenen Tollpatschigkeit nach hinten losgeht. Jedoch erzeugt dieses ständig wiederkehrende Muster ein Ungleichgewicht zwischen dem Erfahrungshorizont des Zuschauers und der Charaktere. Denn, wenn man sich als Zuschauer langsam dieser beinahe regelhaften Plotwendungen bewusst wird, fallen im Kontrast dazu besonders die ausbleibenden Lerneffekte bei den Charakteren auf.

So würde ich mir von der folgenden Staffel vor allem wünschen, dass die Zeichnung hin zu ernst zu nehmenden, Empathie erzeugenden Charakteren beibehalten und im Zuge dessen auch eine Ernüchterung im Handeln dieser etabliert wird. Denn leider konnten es die Rattenfänger bisher größtenteils durch glückliche Wendungen aus ihren Dilemmata schaffen, statt sich selbst in ihren zu hohen Erwartungen zu bremsen.

Richard (Thomas Middleditch); Gilfoyle (Martin Starr) und Dinesh (Kumail Nanjiani) haben keine Lust; nur innerhalb der Box zu denken. © HBO
Richard (Thomas Middleditch); Gilfoyle (Martin Starr) und Dinesh (Kumail Nanjiani) haben keine Lust; nur innerhalb der Box zu denken. © HBO

Fazit

Silicon Valley schafft es nicht nur wie kaum eine andere Comedyserie derzeit, eine gegenwärtige Branche zugleich auf humoristische und dramatische Weise darzustellen, ohne diese zu sehr zu veräppeln. Dies wird besonders in der emotionalen Neuausrichtung der bisher eher stiefmütterlich behandelten Erlich und Nelson deutlich. Dennoch stellt sich langsam die Frage, ob die Zeichnung des steinigen Weges nach oben nur durch das Element des Erwartungsbruchs zu zeichnen ist, welcher zwar im Moment die Spannung vorantreibt, in der Retrospektive jedoch etwas zu typisch daherkommt.

Dennoch stellt diese Kritik ein Jammern auf sehr hohem Niveau dar, da zudem das Tempo der Serie eine große Qualität aufweist. Schien zu Beginn der Staffel die Veröffentlichung der Kompressionsapp noch in weiter Ferne zu liegen, wurde diese nicht nur umgesetzt, sondern weiterhin mit neuen Problemen beladen. Was dabei entsteht, ist die Erzählung weg von der Geschichte eines Genies hin zu der Qualität einer heterogenen Gruppe, in der ein jeder einen wichtigen Bestandteil zu dem Erfolg beiträgt. Das mag jetzt zwar etwas kitschig klingen, aber im Kern stellt das den Unterschied zwischen der HBO-Comedy und dem CBS-Erfolgsprodukt The Big Bang Theory dar. Während sich „TBBT“ um die Reintegration klischeehaft gezeichneter Übernerds in sozial normativ aufgeladene Beziehungen dreht, stellt Silicon Valley seine unterschiedlichen Charaktere nicht zur Schau, sondern beschreibt diese vor allem als ernst zu nehmende Personen.

Verfasser: Henning Harder am Samstag, 2. Juli 2016

Silicon Valley 3x10 Trailer

Episode
Staffel 3, Episode 10
(Silicon Valley 3x10)
Deutscher Titel der Episode
Aufwärtstrend
Titel der Episode im Original
The Uptick
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. Juni 2016 (HBO)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Mittwoch, 31. August 2016
Regisseur
Alec Berg

Schauspieler in der Episode Silicon Valley 3x10

Darsteller
Rolle
T.J. Miller
Martin Starr
Kumail Nanjiani
Zach Woods
Matt Ross
Suzanne Cryer

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