Signora Volpe 1x01

© ZDF/Moris Puccio/AcornTV
Das passiert im Pilotfilm âNeustartâ der Serie âSignora Volpeâ
Sylvia (Emilia Fox) war in Signora Volpe eine gute MI-6-Spionin, bis man sie eiskalt abserviert hat. Frustriert reist nach zu ihrer Schwester nach Italien, um der Hochzeit ihrer einzigen Nichte beizuwohnen. Doch schon bald zeigt sich, dass ihr Verlobter Matteo reichlich Dreck am Stecken hat. Als dann auch noch eine tote Frau im Teich vor seiner TĂŒr treibt, wird Sylvia hellhörig und lĂ€sst ihre Beziehungen spielen. Von nun an verfolgt sie ihre Nichte auf Schritt und Tritt und findet schlieĂlich heraus, dass Matteo Teil einer Mafia-artigen Gang ist, die ĂŒber eine Pizzeria Drogen verschiebt und auch vor einem Mordversuch an einer Journalistin nicht zurĂŒckschreckt. Wird der heimische Polizist Capitano Riva (Giovanni Cirfiera) ihr zur Seite stehen, oder ist er korrupt und Teil des Problems?
Ein guter Beginn
„Signora Volpe“ ist einer jener FĂ€lle, bei denen zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Ich will die Serie unbedingt mögen, weil mir die Idee einer Ex-Geheimagentin gefĂ€llt, die im schönen Umbrien KriminalfĂ€lle löst. TatsĂ€chlich beginnt der eineinhalbstĂŒndige Pilotfilm Neuanfang auch recht interessant und fĂŒhrt die Hauptfigur mit einer groĂen Portion Agenten-Feeling ein. Sylvia Fox (volpe ist ĂŒbrigens die italienische Ăbersetzung fĂŒr Fuchs bzw. fox) ist eine gute Spionin, die sich im Nahen Osten ein groĂes Netzwerk aufgebaut hat, nun aber aus diplomatischen ErwĂ€gungen heraus eiskalt abserviert wird. Ihr Ex-Mann, mit dem sie noch immer ein VerhĂ€ltnis hat, trĂ€gt daran einen nicht unwesentlichen Anteil. Trotz aller Hindernisse gelingt es ihr, ihre Kontaktpersonen zu retten und nimmt sich daraufhin eine Auszeit.
Bis hierhin macht die Serie noch alles richtig. Sie bietet einen spannenden Einstieg, fĂŒhrt die Hauptfigur sympathisch ein und verweist auf die besonderen FĂ€higkeiten der Protagonistin. Sylvias Reise nach Italien ist dann ein visueller Augenschmaus mit wunderschönen Landschaftsaufnahmen, die die Vorfreude auf den nun folgenden Krimi wecken. Zudem wĂŒrzen die Serienmacher das Ganze mit einer hĂŒbschen Prise italienischen LebensgefĂŒhls in Form eines netten Restaurantbesuchs. Sylvia und ihre Familie feiern ausgelassen die bevorstehende Hochzeit ihrer einzigen Nichte Alice (Issy Knopfler) im sĂŒĂen Ărtchen und bei strahlendem Sonnenschein. Da bekommt man fast schon Lust, sich ins Auto zu setzen und loszufahren.
LĂ€ngen im Mittelteil
Ab hier beginnt der gute Ersteindruck jedoch allmĂ€hlich zu verblassen. Es dauert eine geschlagene halbe Stunde, bis der von Volpe zu bearbeitende Fall Gestalt annimmt, wobei das KernstĂŒck des Films nicht einmal besonders interessant ist. Im Grunde genommen erzĂ€hlt uns das Autoren-Gespann Rachel Cuperman und Sally Griffiths eine klischeehafte Geschichte um einen jungen Mann, der als Kind in die FĂ€nge einer Mafia artig strukturierten Bande geraten ist und die ĂŒber eine Pizzeria Drogen verschiebt. Als er sich in Alice verliebt und aussteigen möchte, ermordet er deshalb die Schwester des Möchtegernpaten und versucht, mit der jungen Frau zu fliehen.
Allerdings hat er weit mehr Dreck am Stecken als sie gedacht hat, so dass es im Finale zu einem Showdown an einem alten Bahnhof kommt, der immerhin mit einem kleinen Twist endet. So weit so gut, könnte man meinen. Das Problem ist allerdings, dass der Bösewicht kaum Interesse weckt.
Irgendwie fĂŒhlt sich die Figur nach einem Allerwelts-Kleinverbrecher an, der hier aufgeblasen und zu einem mehr oder weniger halbgaren Antagonisten erhoben wird. Auch der Mafia-Chef und seine Schwester versprĂŒhen nicht gerade den perfekten Bösewichtcharme, so dass sich allein schon deshalb die Spannung in Grenzen hĂ€lt.
Keine Actionheldin
Hinzu gesellt sich in „Signora Volpe“ allerdings noch ein kleines Manko, das sich auf die Hauptdarstellerin Emilia Fox bezieht. Nicht falsch verstehen, bitte. Fox ist eine tolle Schauspielerin, die ihrer Figur die richtige Mischung aus GeheimniskrĂ€merei und menschlicher WĂ€rme verleiht. Auch die Nutzung ihrer Geheimdienstkontakte, die nicht unwesentlich zur AufklĂ€rung des Falls beitragen, machen SpaĂ. Sobald es aber an körperlich anspruchsvolle Szenen geht, schleichen sich doch ein, zwei Offensichtlichkeiten ein. Vor allem die Kampfsequenzen im Finale offenbaren, dass Fox nicht gerade eine solide Ausbildung in Sachen Filmkampfkunst erhalten hat. Tritte und SchlĂ€ge wirken unnatĂŒrlich steif und werden durch harte Schnitte aufgepeppt, der Sprung aus dem Zugwaggon ist alles andere als geschmeidig und die gesamte Körperhaltung der Schauspielerin verrĂ€t, dass dieser Teil des Spiels nicht zu ihren Kernkompetenzen zĂ€hlt.
Da gibt es zahlreiche Kolleginnen, die sich in der Actionsparte wesentlich wohler fĂŒhlen und deren Bewegungen punktgenau sind. Das mag nun sehr hart klingen, fĂ€llt aber andererseits auch nur dann auf, wenn man genauer hinschaut, was allerdings bei dem wenig temporeichen Finale aber eben durchaus passieren kann. Lobenswert erwĂ€hnt werden muss jedoch, dass das Zusammenspiel zwischen Issy Knopfler und Emilia Fox hervorragend funktioniert. Besser gefĂ€llt mir fast nur noch das Knistern zwischen dem ebenso gutaussehenden wie sympathisch auftretenden Giovanni Cirfiera mit seinem einnehmenden Wesen als Capitano Riva.
Fazit
Im Endergebnis lĂ€sst sich festhalten, dass der Pilotfilm zu „Signora Volpe“ in erster Linie zu lang ist. Eine einstĂŒndige Episode hĂ€tte absolut ausgereicht und die Geschichte womöglich auch besser auf den Punkt gebracht. Zu viel Zeit geht fĂŒr NebensĂ€chlichkeiten drauf und der eigentliche Fall ist innerhalb von 45 Minuten viel zu schnell und wenig pfiffig abgehakt. Die Geschichte ist geradlinig nach dem Howcatchem-Prinzip erzĂ€hlt, das bedeutet, dass der TĂ€ter von vornherein feststeht und das Publikum dem Ermittler oder der Ermittlerin nun auf Schritt und Tritt bei der AufklĂ€rung und ĂberfĂŒhrung folgt. Entsprechend stark muss der Antagonist sein, „Columbo“ war beispielsweise ein ParadestĂŒck in Sachen Bösewichtkreation.
Genau das gelingt in „Signora Volpe“ aber nicht, so dass die Episode vor allem im Mittelteil vor sich hinplĂ€tschert und im Finale zu wenig zu bieten hat. Wirklich schlecht ist das Ganze aber auch wieder nicht, weil die Hauptfigur Potential hat, mit einem sympathischen Sidekick aufwartet (sofern Riva ein solcher wird) und die Landschaftsaufnahmen atemberaubend schön sind. Ein wenig mehr Finesse in die FĂ€lle gelegt und wir haben hier eine richtig unterhaltsame Serie.
DafĂŒr gibt es von uns dreieinhalb von fĂŒnf Punkten.
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 2. April 2024Signora Volpe 1x01 Trailer
(Signora Volpe 1x01)
Schauspieler in der Episode Signora Volpe 1x01
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