Significant Mother 1x01

Significant Mother 1x01

Mit Significant Mother hat The CW ein neues Eisen im Feuer. Leider kein sehr stabiles. Die Serie versucht, sich mit halbfertigen Witzen und wenig ausgeklügelten Charakteren an dem Humor von 15-jährigen Zuschauern entlangzuhangeln, das aber leider ohne Erfolg.

Plakat zu „Significant Mother“ / (c) The CW
Plakat zu „Significant Mother“ / (c) The CW

Significant Mother ist oder soll eine Komödie sein, die das altbekannte „Ältere-Frau-wird-intim-mit-jüngerem-Liebhaber“-Thema aufgreift. So weit, so gut, so unoriginell. Um diesem gefährlich waberndem Sumpf des geistigen Mittelmaßes entkommen zu können, haben sich die sehr kreativen Köpfe hinter der Serie ein besonderes Schmankerl für uns ausgedacht: Aus schierer Innovationsnot, so scheint es, haben sie den Mitbewohner und gleichzeitig besten Freund des Sohnes der infrage stehenden Mutter als Objekt der Begierde elterlicher Zuneigung auserkoren. Oder, um es auf den Punkt zu bringen: Der beste Freund/Mitbewohner und die Mutter vollführen den Beischlaf. Wirklich?!?

Who is this girl?

Nate Marlowe (Josh Zuckerman) ist ein Restaurantbesitzer mit gerade mal Mitte zwanzig. Er führt ein anscheinend sehr angesagtes und hippes Restaurant in Portland und kommt zu Zeiten der ersten Episode gerade von einer Preisverleihung wieder, bei welcher er einen Award gewonnen hat. Nate lebt mit seinem besten Freund Jimmy Barnes (Nathaniel Buzolic), der einen Job in Nates Restaurant hat und nebenbei sein eigenes Bier braut, zusammen unter dem Dach eines schönen Hauses. Mit dem besten Freund wohnen, angesagtes Restaurant, eigenes Bier, man könnte meinen, dass Nate den Traum lebt.

Wenn nicht eben eben jenes schöne Haus für Nate von nun an den Anblick des totalen Grauens personifizieren würde, kommt er doch überraschend ein paar Stunden früher nach Hause und erwischt Jimmy und seine Mutter Lydia (Krista Allen) in der offensichtlich postkoitalen Phase. Nimmt Nate zunächst noch an, dass es sich bei der roten Satinunterwäsche, die er auf dem Boden findet, um die Überbleibsel eines gewöhnlichen One-Night-Stands seines Freundes handelt, fällt er bei den Worten „Hey Jimmy, do we have time for one more round before Nate gets home?“, die seine Mutter von sich gibt, während sie spärlich bekleidet die Treppe herunterflaniert, aus allen Wolken.

Und um was geht es noch? Leider um gar nichts. Jedenfalls nicht in dieser Pilotfolge. Wir werden noch Zeuge, wie der Vater von Nate (Jonathan Silverman) ebenfalls wieder hinter seiner Mutter her ist und wie Nate und Jimmy sich in einem ehrenhaften Duell um Lydia ausufernd dem Alkohol hingeben. Außerdem ist Nate generell zu feige, um seiner wahren Liebe Sam Dillinger (Emma Fitzpatrick) seine Gefühle zu gestehen und guckt lieber zu, wie sie auf dem Rücken ihres kuriosen Freundes Atticus Adams (Jay Ali) gen Horizont beziehungsweise raus aus dem Restaurant reitet.

Killing yourselves is not going to solve anything.

Naja, wenn es um die fiktiven Charaktere in der Serie geht, könnte es das in diesem spezifischem Fall doch tun. Jedenfalls würde es einige wenige Zuschauer davor schonen, sich mit dieser Hülle von Charakteren auseinanderzusetzen. Das ist jetzt möglicherweise ein wenig harsch formuliert, aber im Großen und Ganzen trifft es den Kern. Zwar haben wir mit Nate und Jimmy zwei potentiell amüsante Charaktere, die auf ihre eigene Art auch sehr sympathisch rüberkommen, ausgespielt wird das im Drehbuch aber leider wenig bis gar nicht. Zum einem wissen wir nicht, wie es dazu gekommen ist, dass Jimmy Nates Mutter intimer kennengelernt hat und müssen so annehmen, dass es schiere Rücksichtslosigkeit gegenüber seinem besten Freund ist. Zum anderen wird auch aus dem vielversprechenden Konstrukt, das Nates Charakter zugrunde liegt, herzlich wenig gemacht.

Wir haben eine angedeutete Chemie zu seiner Mitarbeiterin Sam, die aber die Chance auf emotionalen Tiefgang durch Dialoge, die ein zehnjähriger in seiner großen Pause anstatt der Hausaufgaben in Englisch hätte schreiben können, leider vorbeiziehen lässt. Aber nicht, ohne spöttisch zu winken. Ebenso verhält es sich mit der Mutter, verkörpert von Krista Allen, die leider durch und durch als ein Objekt der Begierde dargestellt wird, anstatt von dem eigentlich guten und fortschrittlichen Ausgangspunkt der selbstsicheren Frau mit jungem Freund aus die Figur ein wenig auszuschmücken. Auch Allens schauspielerische Fähigkeiten, die ohne Frage vorhanden sind, hätten es vertragen, mindestens genauso sehr wie ihre Unterwäsche strapaziert zu werden.

Szenenbild aus %26bdquo;Significant Mother%26ldquo; © The CW
Szenenbild aus %26bdquo;Significant Mother%26ldquo; © The CW

Would it really be so horrible, for your best friend to be with your mom?

Über all das könnte hinweggesehen werden, wenn auch mit einem tränenden Auge und dem Ausschalter am Anschlag, wenn sich die Witze vom schnöden Mammon des Alltags eines vorpubertären 13-Jährigen abheben würden. Leider tritt dieser Fall nur allzu selten ein und, wenn es tatsächlich einen solchen lichten Moment gibt, sieht man ihn schon von weiter Entfernung und mit lautem Getöse auf sich zurennen. Überraschungsmoment? Fehlanzeige. Nun muss eine Comedyserie natürlich auch kein Maserati unter lauter Volvos sein, um Erfolg zu haben - mit Significant Mother haben wir nun aber leider den Fiat Multipla erwischt.

Ob Jimmy nun ganz zu Anfang seine besten Stücke mit einem selbst gemachten Kaffeebecher versteckt, ob Koitus mit einem gewissen grünen Gartengewächs impliziert wird oder ob Nate zum fünften Mal Jimmy und seine Mutter überrascht - ein Sternchen für besonderen Einfallsreichtum bekommt hier keiner der Autoren (übrigens sind das Erin Cardillo und Richard Keith). Und auch der abschließende Song, den Sam auf ihrer Gitarre über die Beziehung von Jimmy und Lydia singt, kann da das tief im Schlamm steckende Ruder nicht rausreißen. Zugegebenermaßen hat sich aber ein verkrampftes Schmunzeln über meine eingeschlafene Wangenmuskulatur gelegt, als Nate in der letzten Szene aus Versehen ein Sextape von seinem neuen Lieblingspaar zu sehen bekommt.

Fazit

Machen wir es kurz und schmerzlos. Reviews sind sehr subjektiv. Und es ist schwer, auf die komplette Staffel nur von der ersten Folge zu schließen. Was einem in dieser Pilotepisode aber geboten wird, muss man nun wirklich nicht sehen. In einer Welt, in der wir von The Big Bang Theory, Arrested Development oder (den ersten Staffeln) Community verwöhnt werden können, ist leider kein Platz für mehr als eine Staffel Significant Mother, zumal das Wortspiel im Titel auch schon den besten Moment der Serie darstellt. Und nicht nur, weil er im Abspann gezeigt wird...

Trailer zu „Significant Mother“:

Verfasser: Jamin Schneider am Dienstag, 4. August 2015

Significant Mother 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Significant Mother 1x01)
Titel der Episode im Original
Welcome to Bonetown
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 3. August 2015 (The CW)
Regisseur
John Putch

Schauspieler in der Episode Significant Mother 1x01

Darsteller
Rolle
Josh Zuckerman
Jonathan Silverman

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?