
© ??Shut Eye“ / (c) Hulu
Die Pilotepisode der Serie Shut Eye lässt viele Fragen offen, nicht nur zur Story, sondern auch über die Serie an sich. Das soll vielleicht so sein, schließlich kennt niemand die ganze Wahrheit in der undurchsichtigen Welt der Wahrsager und Flüche.
Worum es geht
Charlie (Jeffrey Donovan, Burn Notice) legt Tarotkarten, verteilt Edelsteine und braut Tränke für den beruflichen und privaten Erfolg seiner Kunden. Manchmal verteilt er auch auf gut Glück Hinweise zum möglichen Fremdgehen seiner illustren Kundschaft. Unterdessen gibt seine Frau die Magierin auf Gartenpartys von wohlhabenden Hausfrauen in der Stadt der Engel und seine Schwester versucht mit blutigen Eiern die Flüche ihrer Kunden zu entfernen. Der erste Riss in dieser Welt stellt sich nach gut fünf Minuten ein, als der so gutgläubig wirkende Kunde Charlies Schwester Sylvia (Leah Gibson) die magische Schale über den Kopf zieht und sich als Mitglied der Roma-Familie zu erkennen gibt, welche die Regeln für die magische Szene in Los Angele vorgibt.
Auch auf anderen Wegen schleicht sich das Unbehagen in die Serie ein. So sehen wir, wie Charlie den bekannten Gangsterboss Eduardo (David Zayas, Dexter) berät. Unterdessen stellen wir fest, dass seine Frau Linda (KaDee Strickland, Private Practice) ziemlich ehrgeizig an die Sache geht und irgendwie das Gefühl verbreitet, mehr verdient zu haben. Doch zunächst muss Charlie zum oberen Boss Fonzo (Angus Sampson, Fargo), dem Patriarchen der herrschenden Roma-Familie, kriechen und für den Fehler seiner Schwester um Vergebung bitten. Schnell zeigt sich, dass hinter dem Mann seine Mutter die Fäden im Familienunternehmen in der Hand hat, Rita (Isabella Rossellini, „Blue Velvet“). Ein Council wird angesetzt, auf dem Sylvia erscheinen muss. Doch zuvor, auf dem Weg nach Hause, passiert Charlie noch etwas, was ebenfalls als Berufsrisiko gelten darf: Er wird von dem wütenden Freund einer Kundin zusammengeschlagen, der er weismachte, dass ihr Partner fremdgehen würde. Noch vor dem Krankenhaus, in dem Charlie wegen der Kopfwunde untersucht wurde, schlägt Linda vor, die reiche Ehefrau für sich als Klientin zu gewinnen. Doch Charlie sagt ihr, dass sie sich dadurch noch weiter in Fonzos Schuld bringen würden. Reiche, langfristige Kunden müssen nämlich an ihn weitergereicht werden.
Doch um das Imperium auch auf den unteren Ebenen aufzubauen, versuchen Linda und Charlie eine Hypnotiseurin namens Gina (Emmanuelle Chriqui, Entourage) für ihr Unternehmen zu gewinnen. Anschließend leidet Charlie unter einer Vielzahl an optischen und akustischen Halluzinationen, die ihn auch die Zukunft sehen lassen. Nach einem Zusammenbruch im Supermarkt und einer gründlichen Gehirnuntersuchung stellt sich aber heraus, dass ihm körperlich nichts fehlt. Darum wenden die beiden sich an die Hypnotiseurin, die von Linda dabei unter anderem mit einer Zigarette am Bein verbrannt wird. Hier zeigt sich, dass auch die Haverfords den Umgang mit den Gepflogenheiten der Unterwelt verstehen - dazu gehören unter anderem Bedrohung und diverse Verhörtechniken.
Auf dem anschließenden Council muss Sylvia sich von zahlreichen Marks-Familienmitgliedern bespucken lassen. Doch das Schlimmste kommt erst noch: Rita ritzt der arglosen Frau ein blutiges M in die Wange als Erinnerung daran, dass man die Familie nicht betrügen darf.
Die Pilotepisode der Serie Shut Eye fordert dann kurz vor dem Ende noch ein Todesopfer: den unbeteiligten Briefträger, der dazwischen gerät als auf Charlie und Gangsterboss Eduardo geschossen wird.
Kurz nach dem ersten Toten darf dann auch gleich die erste Sexszene folgen, die zwischen Charlies Frau und der in Ungnade gefallenen Hypnotiseurin stattfindet. Der schüttet sie auch ihr Herz darüber aus, dass Charlie früher ein anderer Mann war. Doch kurz darauf stellt Charlie zur Freude seiner Gattin fest: „I am done being someone else's bitch!“
Wie kommt es rüber?
In der Pilotepisode rattert die Serie Shut Eye stets hart an der Grenze der Lächerlichkeit entlang. Das liegt auch an oberharten Sätzen wie dem gerade zitierten, gepaart mit mangelndem Charisma. Vieles an der Story bleibt nach der ersten Stunde im Dunklen. Zum Beispiel, ob Charlie nun ein Fake-Hellseher mit echten Kräften ist oder ob er einfach Symptome einer ernstzunehmenden Kopfverletzung zeigt. Anderes wiederum ist zu offensichtlich, so die Strukturen in der Marks-Familie und die damit zusammenhängenden Klischees, in denen die Story es sich bereits gemütlich macht.
Überraschungen wie die Affäre zwischen Gina und Linda werden gar nicht erst versucht zu erklären, aber so richtiges Interesse an einer Erklärung kommt auch nicht auf.
Fazit
Statt einer Geschichte, die mit dem Bedürfnis der Menschen nach übernatürlicher Hilfe spielt, zeigt sich Shut Eye in ihrer Pilotepisode als Crime-Drama mit einem angeschlagenen Helden auf Rachefeldzug gegen den Mobboss.
Trailer zur Serie 'Shut Eye':