Shining Vale 1x01

© ast der Serie Shining Vale (c) Starz
Familie Phelps aus Brooklyn ist eine (jedenfalls nach manchen heutigen MaĂstĂ€ben) ganz normale Sippe: Mama Patricia (Courteney Cox, Friends) ist eine nymphomane alkoholkranke Schriftstellerin mit Schreibblockade, Daddy Terry (Greg Kinnear, „The Stand“) ein ĂŒberdrehter Positivist mit der Tendenz zum Abwiegeln, Tochter Gaynor (Gus Birney, „Dickinson“) das typische Teenie-Girl, dem seine Anverwandten peinlich sind und Sohn Jake (Dylan Gage, „Fear Street Teil 2“) ein sozialverklemmter Gamer.
Nach einer sexuellen Eskapade von Mama Pat beschlieĂt die Phelps-Familie, in einer alten Villa in Connecticut fernab eingetretener Pfade noch einmal ganz neu durchzustarten. Bereits die Ankunft im titelgebenden Ărtchen Shining Vale verlĂ€uft anders, als die (gezwungen) enthusiastischen Eltern und der wenig begeisterte Nachwuchs erwartet haben: Es kommt zu einer mysteriösen Begegnung mit einem altmodisch gekleideten kleinen MĂ€dchen, das in der einen Minute mitten auf der StraĂe steht und nach Daddys scharfem Bremsmanöver urplötzlich verschwunden ist, was dieser als Beinahe-Begegnung mit einem Hirsch abtut (schlieĂlich kann ein Geweih durchaus wie Schleifchen an einem Kinderkleid aussehen).
Auch nach der Ankunft im neuen Zuhause lĂ€uft der Neuanfang nicht besonders rund: Patricia bemerkt vor der TĂŒr eine vermeintliche neue Nachbarin, die ebenso im nĂ€chsten Augenblick verschwunden ist wie das kleine MĂ€dchen und die spĂ€ter dĂŒster vor sich hin orakelnd noch einmal auftaucht. SpĂ€testens an ihrem ersten Tag allein im neuen Heim, an dem Pat eigentlich dringend an ihrem bereits bezahlten neuen Roman schreiben mĂŒsste, muss sie erkennen, dass ihrer Familie zusammen mit dem Haus offensichtlich auch dessen Bewohnerschaft aus den Schattenwelten verkauft wurde, was ihr Göttergatte erneut als das Wirken der heimischen Fauna abtut. Hat er recht damit und Pat steht kurz davor, ebenso psychotisch wie ihre Mutter zu werden, oder spukt es tatsĂ€chlich in dem (gar nicht mal sooo) alten GemĂ€uer?
BerĂŒhmte Vorbilder
Der Titel allein sagt es eigentlich bereits aus: Die neue Horror-Comedy-Serie Shining Vale, die seit dem 5. MĂ€rz 2022 auf dem Spartenkanal Starz (zubuchbar ĂŒber Amazon Prime) veröffentlicht wird, kann und will ihre Vorbilder nicht verleugnen, an erster Stelle dabei Stanley Kubricks Verfilmung von Stephen Kings SchauermĂ€r „Shining“, in der anno 1980 Jack Nicholson als ebenfalls unter einer Schreibblockade leidender Schriftsteller Jack Torrance auf seinen SpaziergĂ€ngen mit Hackebeil durch die Flure eines entlegenen Berghotel zur Horrorikone wurde.
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In Shining Vale ist allerdings nicht der Familienvater derjenige, der auf den Musenkuss wartet, sondern die nicht weniger als einstmals Torrance mit diversen Macken behaftete Mutter. Wie schon am Stil dieser Rezension unschwer zu bemerken ist, nimmt sich Shining Vale dabei allerdings weit nicht so ernst wie Kubrick vor 42 Jahren und versetzt das Szenario mit ordentlichen Prisen Ironie mit sarkastischen Untertönen. Schon nach wenigen Momenten wird deutlich, dass wir es hier zwar nicht mit einer völligen Genre-Parodie, so aber doch mit einer deutlich augenzwinkernden Variante zu tun haben.
Zwei Dinge
Nun wurde ja bereits gesagt, dass dergleichen absolut nichts Neues ist, und man braucht nicht 40 Jahre und lĂ€nger auf Filmklassiker wie das schon genannte „Shining“ oder „Amityville Horror“ zu blicken: Auch in jĂŒngerer Vergangenheit war die Geisterhaus-Thematik durchaus insbesondere in der Streaming-Serienwelt prĂ€sent, zuletzt etwa bei Netflix mit Serien wie The Haunting of Hill House oder der Nachfolgereihe The Haunting of Bly Manor. Nein, etwas Neues ist das Ganze nicht.
Das unvermeidliche Aber jedoch legt ein Veto ein: Alte HĂŒte hin oder her, Spukhausgeschichten sind und bleiben zumindest hĂ€ufige Dauerbrenner bei Weitem nicht allein beim Horror-affinen Publikum, denn was es gibt Schöneres (zumindest fĂŒr Zeitgenossen wie den Rezensenten), als sich mal wieder so richtig auch ohne Blut und Gekröse einfach nur heimelig bei einer guterzĂ€hlten Serien-Geistergeschichte zu gruseln? Nun, trotz der vielen ironischen Seitenhiebe in Shining Vale gelingt auch dies der neuen Serie mitunter recht gut.
Die von den eigentlich eher aus dem Comedy-Bereich stammenden Showrunnern Sharon Horgan („Catastrophe“) und Jeff Astrof („Trial And Error“) fĂŒr Warner Bros. Television Studios ersonnene Serie, bei der Hauptdarstellerin Courteney Cox auch als Produzentin fungiert, kann leisen Grusel ebenso wie Schmunzeln bis hin zu verhaltenem Lachen (komödiantische BrĂŒller bleiben zumindest in der Pilotepisode noch erspart).
In der KĂŒrze liegt die WĂŒrze
So wie bei anderen Horror-Comedy-Shows wie dem ansonsten stilistisch völlig anders gelagerten „Ash vs Evil Dead“ (damals ĂŒbrigens in den USA ebenfalls bei Starz zu sehen) fĂ€llt die mit einer knappen halben Stunde deutlich kĂŒrzere Laufzeit als bei anderen Serienformaten auf: Im Fall von Shining Vale sorgt dies dafĂŒr, dass sich die Handlung nicht sehr viel Zeit mit dem Aufbau lĂ€sst und es bereits nach den ersten Minuten zu ersten Erscheinung der ĂŒbernatĂŒrlichen Art (nein, kein Hirsch) kommt.
Das herrlich schrĂ€ge Darstellerensemble tut das seine dazu, um den geneigte Zuschauer bereits beim Pilotfilm neugierig zu machen auf die Dinge, die da im beschaulichen Shining Vale noch kommen werden und ob wir irgendwann im weiteren Verlauf eine axtschwingende Courteney Cox zu sehen bekommen werden. Ăbung in Sachen Horror hatte die Aktrice ja bereits in den fĂŒnf Filmen der „Scream-Reihe“, in denen sie parallel zu ihrer Mitwirkung als Monica in der Serie „Friends“ in der Rolle der Gale Weathers zu sehen war.
Vier von fĂŒnf GespensterhĂ€usern fĂŒr einen durchaus gelungenen GruselspaĂ-Auftakt! Wie sieht es bei Euch aus?
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Shining Vale: Serientrailer
Verfasser: Thorsten Walch am Sonntag, 6. MĂ€rz 2022Shining Vale 1x01 Trailer
(Shining Vale 1x01)
Schauspieler in der Episode Shining Vale 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?