Shelter 1x01

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Worum geht es in der Serie „Shelter - Der schwarze Schmetterling“?
Mickey Bolitar (Jaden Michael) lebt in Shelter nach dem Unfalltod seines Vaters bei seiner Tante (Constance Zimmer) in der kleinen Stadt Kasselton. Trotz seiner Trauer lebt er sich gut ein und freundet sich mit Arthur (Adrian Greensmith) alias „Löffel“ an. Als er sich in die ebenfalls neu an die Schule gekommene Ashley (Samantha Bugliaro) verliebt, beginnen die Probleme jedoch erst richtig. Das Mädchen verschwindet plötzlich spurlos und ein altes Spukschloss scheint Mickey auf magischem Weg zu sich zu rufen...
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Selbst ist der Mann
Mysteryserien, die sich an ein vornehmlich jüngeres Publikum richten, erfahren derzeit einen Aufschwung bei den großen Streamingdiensten. Auf Netflix ist des beispielsweise Locke & Key, auf Disney+ The Hardy Boys, bei Paramount+ School Spirits und bei Amazon Prime Video neben Hohlbeins - Der Greif nun auch „Shelter - Der schwarze Schmetterling“.
Die Serie basiert auf dem dreiteiligen Myron-Bolitar-Spin-of Mickey Bolitar des US-amerikanischen Bestseller-Autors Harlan Coben, der die Romantrilogie gemeinsam mit seiner Tochter Charlotte für das Fernsehen adaptierte. Wie nah „Shelter - Der schwarze Schmetterling“ letztlich an der Vorlage bleibt, lässt sich nach nur einer Folge dabei noch nicht beurteilen. Deutlich wird jedoch jetzt schon, dass Coben und sein Writers' Room sich dafür entschieden, die Protagonisten ein paar Jahre älter zu machen. Der Sinn hinter dieser Maßnahme erschließt sich beim Schauen der Pilotfolge schnell...
Nichts für Kinder
Die Episode hinterlässt im Nachgang einen recht düsteren Eindruck und weißt zwei recht harte Szenen auf, die eher für ein jugendliches statt kindlichen Publikums geeignet erscheinen. Zudem identifizieren sich junge Erwachsene schneller mit Hauptfiguren, die ihnen altersmäßig näherstehen. Insofern ist der 19-jährige Jaden Michael (Blue Bloods) eine gute Wahl in der Titelrolle.
Sein bester Kumpel „Löffel“ wird von Adrian Greensmith verkörpert, der 21 Jahre alt ist, während Abby Corrigan als Emma, und damit dritte im Team, noch einmal vier Jahre mehr Lebenserfahrung mit sich bringt. Wie üblich in derartigen Shows müssen die Zuschauenden also mit der Tatsache leben, dass die Heldinnen und Helden meist nur noch schwerlich als High-School-Schülerinnen und -Schüler durchgehen.
Klischee lässt grüßen
Das allein ist selbstredend kein Ausschlusskriterium und wer Young-Adult- und Coming-of- Age-Storys liebt, ist ohnehin an diesen Umstand gewöhnt. Weniger schön ist indes, dass „Shelter - Der schwarze Schmetterling“ in den ersten 40 von rund 52 Minuten Laufzeit den Eindruck einer große Klischeesammlung hinterlässt.
Da ist zunächst einmal der Junge, der mit dem typischen amerikanischen Vaterkomplex aufgrund des frühen Todes des männlichen Elternteils zu kämpfen hat. Jener dramaturgische Kniff wird seit Jahren so inflationär eingesetzt, dass man fast glauben könnte, der Verlust des Vaters in den USA sei der schreckliche Normalzustand.
Einerseits ermöglicht der dramaturgische Kniff es den Autorenteams, den oder die Protagonisten aus ihrer gewohnten Umgebung herauszureißen und sie andererseits in ein unvorhergesehenes Abenteuer zu ziehen. Ob das immer glaubhaft ist und sich daraus eine wirklich spannende Geschichte ergibt, ist eine andere Frage.
Im Fall von „Shelter - Der schwarze Schmetterling“ kommt erschwerend hinzu, dass sich Coben weitere Stereotype nicht verkneifen kann. Mickey hasst seine Tante, die sich nun um ihn kümmert, obwohl sie ihr Bestes gibt, ihm eine gute Ersatzmutter zu sein. Trotz seiner Trauer lernt der Junge direkt am ersten Schultag den „Quotennerd“ Arthur sowie die hübsche Ashley kennen und verliebt sich in sie. Natürlich hütet die Jugendliche ein Geheimnis, das zu Verwicklungen führt, und zu guter Letzt bekommt Mickey auch noch Ärger mit der Sportkanone Troy (Brian Artemus).
On Top gibt es noch den allzu typischen Kleinstadtmythos, hier eine Art Spukhaus, in dem eine alte Hexe leben soll. All das hat man in der ein oder anderen Form schon tausendmal gesehen. Innovatives Storytelling ist Fehlanzeige, womöglich, um den Jungzuschauern gleich mehrere Identifikationsmerkmale an die Hand zu geben und sie nicht zu überfordern. Besser wäre es allerdings gewesen, diese Entscheidung dem Publikum selbst zu überlassen und hier und da etwas zu wagen.
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Figuren aus der Retorte
Dazu passt auch, dass bis auf den Nerd und die Emo-Außenseiterin Ema Winslow sämtliche Mitschüler und -schülerinnen einem Modemagazin entsprungen sein könnten. Zudem ist so ziemlich jeder Charakter von der Cheerleaderin über den muskulösen Sportler bis hin zum Mitläufer vorhanden. Die Mysteryserie School Spirits auf Paramount+ macht es da beispielsweise wesentlich besser. Auch hier werden typische Coming-of-Age-Themen verhandelt und es gibt natürlich die altbekannten Schulhofschönlinge. Doch wie so oft macht es die gesunde Mischung, die in Harlan Cobens Adaption allerdings so nicht gegeben ist.
So erlebt man die ersten zwei Drittel der Folge mehr oder weniger wie ein Déjà-vu mit einer zwar durchaus ansehnlichen Handlung, dafür aber auch ohne große Höhen und Tiefen. Mit anderen Worten: Das, was die Serie bisher zeigt, ist okay - nicht mehr und nicht weniger.
Erst in den letzten Minuten zieht der Spannungsbogen endlich an, als der Mythos um das Haus zu greifen zu beginnt. Die Hexe entpuppt sich als alte skrupellose Frau, die die Hilfe von Gangstern in Anspruch nimmt, um ihre Ziele zu erreichen. Dabei schreckt sie, wie sich in der letzten Szene zeigt, auch vor einem Mord nicht zurück, womit endgültig deutlich wird, dass sich Mickey, Arthur und Ema bald in großer Gefahr befinden werden.
Das Finale ist letztlich die treibende Kraft und der Motivator für das Weiterschauen, da sich im Kontext zum Cold Open einige Fragen ergeben, die das geneigte Publikum beantwortet wissen möchte.
Fazit
Shelter ist in der Pilotfolge weder ein Totalausfall noch ein großer Wurf. Das Produktions-Niveau geht in Ordnung, die Jungstars geben ihr Bestes und der Suspensefaktor kommt in Anbetracht der anvisierten Zielgruppe auch nicht kurz. Mehr ist allerdings nicht drin, weil man die zusammengeschusterten Versatzstücke als Fan solcher Stoffe in- und auswendig kennt und die Erzählung bar jeglicher innovativen Ideen ist.
Ob es die zweifelsohne übernatürlichen Elemente am Ende herausreißen, wird sich über die erste Season hinweg zeigen. Bisher gilt für den Rezensenten jedoch: Kann man mal gesehen haben, muss man aber nicht.
Dreieinhalb von fünf wehenden Gardinen
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Der Trailer zur Mysteryserie „Shelter - Der schwarze Schmetterling“ beim Streamingdienst Amazon Prime Video:
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 22. August 2023Shelter 1x01 Trailer
(Shelter 1x01)
Schauspieler in der Episode Shelter 1x01
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