Shades of Blue 1x01

Shades of Blue 1x01

NBC widmet sich mit seiner Crimeserie Shades of Blue auf die denkbar klischeehafteste Art und Weise einem durchaus brisanten Thema und lädt dabei zum Kopfschütteln ein. Die rar gesäten Lichtblicke ändern nichts daran, dass das neue Format mit Jennifer Lopez bisweilen nur schwer zu ertragen ist.

Offizielles Promobild zum neuen Kriminaldrama „Shades of Blue“ mit Jennifer Lopez / (c) NBC
Offizielles Promobild zum neuen Kriminaldrama „Shades of Blue“ mit Jennifer Lopez / (c) NBC

Die neu gestartete Krimiserie Shades of Blue von Serienschöpfer Adi Hasak stellt NBCs neuesten Versuch dar, in die Untiefen eines düsteren, ambivalenten Kriminaldramas einzutauchen. Also in ein Genre, das sich einer gewissen Beliebtheit bei Fernsehschaffenden erfreut, da man sich mit Themen wie Polizeikorruption und der fragwürdigen Moralität unserer Gesetzeshüter, die zur Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung immer wieder selbst die Grenzen zur Illegalität überschreiten, am Nabel der Zeit bewegt. „Shades of Blue“ schlägt nun genau in diese Kerbe und möchte uns mit seinen kernigen Charakteren und moralischen Fragen, die sich Angehörigen der Obrigkeit stellen, mitreißen. Dies geht jedoch kolossal nach hinten los, wofür man gleich mehrere Gründe ins Feld führen könnte.

Es ist ja bei Weitem nichts daran auszusetzen, dass man sich in „Shades of Blue“ mit einem zugegeben recht ausgelutschten Thema wie Polizeikorruption befasst, doch ein klein wenig Originalität ist absolut nicht zu viel verlangt. Während die Thematik als Grundgerüst wie so oft ein paar nicht uninteressante Fragen aufwirft, hapert es schlichtweg an der gesamten Verpackung des Formats.

Dies fängt bei dem schrecklich vorhersehbaren Ablauf der Handlung an und zieht sich über langweilige Stereotypen als Charaktere und mitunter erschreckend schwache schauspielerische Leistungen hin. Es findet sein Ende schließlich in einer Prämisse, die älter als die Zeit ist und nicht wirklich Lust auf mehr macht, weil man die Ausführung dieser schon in anderen Produktionen tausendmal besser zu sehen bekam. Eine lieblose Figurenzeichnung sowie dürftige Dialoge bestärken einen nur noch darin, einen Bogen um „Shades of Blue“ zu machen. Daran kann selbst ein eigentlich recht gut aufgelegter Ray Liotta nicht viel ändern, der hier noch am ehesten positiv auffällt.

A good cop

Im Zentrum von „Shades of Blue“ steht die taffe Ordnungshüterin Harlee Santos (Jennifer Lopez), die Teil einer korrupten Polizeieinheit ist, welche wiederum von dem kalkulierenden Matt Wozniak (Liotta) angeführt wird. Die Mitglieder dieser Einheit (ein zusammengewürfelter Haufen aus halbwegs bekannten Seriendarstellern, so zum Beispiel Drea de Matteo oder auch Santino Fontana, deren Figuren größtenteils anonym bleiben und allesamt austauschbar sind) verdienen sich durch Bestechungen und kleine Nebendeals immer wieder was zu ihrem dürftigen Polizistengehalt dazu. Das Verbrechen in ihrem Bezirk ist so besser unter ihrer Kontrolle, der Schaden für die Allgemeinheit hält sich in Grenzen und alle sind glücklich.

Jennifer Lopez in %26bdquo;Shades of Blue%26ldquo; © NBC
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Als Harlee - selbstbewusst, in körperlicher Spitzenverfassung und darüber hinaus auch noch eine alleinerziehende Mutter (natürlich!) - jedoch mit ihrem Schwindel eines Tages auffliegt und ins Visier des FBI gerät, steht sie vor der schwierigen Entscheidung, ihre Kollegen beziehungsweise „ihre Familie“ um Vaterfigur Wozniak ans Messer zu liefern, um nicht selbst ins Kittchen zu wandern, was wiederum bedeuten würde, dass ihre Tochter ganz auf sich allein gestellt wäre. Wozniak bringt jedoch schon bald in Erfahrung, dass jemand aus seiner Truppe ein falsches Spiel betreibt und möchte den Verräter eigenhändig fassen. Dafür benötigt er aber Harlees Mithilfe, die in dieses riskante Spiel verwickelt ist und sich im Konflikt mit sich selbst wiederfindet...

Survive

Ich habe nichts dagegen, wenn man mir eine spannende Erzählung über zeitlose Themen vorsetzt, wie zum Beispiel korruptes Verhalten bei Personen, die eigentlich mit gutem Beispiel vorangehen sollten, sich aber auf einen moralischen Seiltanz begeben, um Herr ihrer persönlichen Probleme zu werden. Geschichten wie diese geben grundsätzlich einiges her, verfügen über eine gewisse gesellschaftliche Relevanz und Aktualität und lassen sich darüber hinaus oftmals auch in der eigenen Realität verorten, wo man immer wieder von vergleichbaren Korruptionsfällen zu hören bekommt. In „Shades of Blue“ geht man jedoch derartig plump und einfallslos an die Sache heran, dass es schon fast wehtut. Die Pilotepisode schafft es einfach nicht, eine altbekannte Thematik auch nur ansatzweise frisch zu gestalten und wartet vielmehr mit platten, uninteressanten Charakteren auf, die alles andere als reizvoll sind.

Hardcore hero stuff

Dabei sind es gerade oft originelle, andersartige Figuren, die solchen bereits etliche Male thematisierten Inhalten etwas Neues, Unverbrauchtes geben können. Nach solchen sucht man in Shades of Blue aber vergebens, durch die bisweilen sehr schwachen Darbietungen der Darstellerriege steigt der Frustlevel eher nur noch weiter an. Den Nebendarstellerinnen und -darstellern kann man dabei aber eigentlich kaum einen Vorwurf machen, bekommen diese - bis auf ein paar Sätze, die größtenteils nur aus einfachen Informationen für unsere beiden Hauptfiguren bestehen -, nichts zu tun. Hauptdarstellerin Jennifer Lopez kann man da schon viel eher einen Vorwurf machen, lässt sie doch jegliche Nuancen in ihrem Schauspiel und ihrer Darstellung der auf dem Papier ambivalenten, im Interessenkonflikt mit sich selbst stehenden Harlee Santos vermissen.

Die Figurenzeichnung dieser ist eine Aneinanderreihung an ermüdenden Klischees, hinzu kommt, dass Lopez' Charakter dermaßen auf Gedeih und Verderb als unglaublich harte Nuss und Alleskönnerin etabliert wird, so dass man den Machern der Serie nahezu zurufen möchte, dass sie sich bitte etwas zügeln sollen, wirkt die gesamte Geschichte so doch bisweilen maßlos übertrieben und unglaubwürdig. Szenen wie das Box-Sparring Harlees, inklusive Beischlaf im Ring, setzen dem Ganzen dann noch die Krone auf und rauben einem beinahe die Worte. Momentaufnahmen von diesem Schlag lassen sich so einige in der Episode finden (so zum Beispiel auch das Bild von ein paar gelben Sneakern eines Kleinkriminellen, die an einer Laterne hängen und sehr subtil darauf hinweisen, dass dieser gerade das Zeitliche gesegnet hat). So etwas wirft immer wieder die Frage auf, was sich die Verantwortlichen und Regisseur Barry Levinson (Oz, Copper) bei dieser Inszenierung gedacht haben.

The only one I trust

Am meisten kann ich hier noch Ray Liotta etwas abgewinnen, den man eigentlich eher aus Rollen von der anderen Seite des Gesetzes kennt. Als korrupter Oberbulle braucht er ein wenig, um mir zu gefallen, im Verlauf der Episode zeigt sich aber, dass er doch gut in diese Rolle passt und seinen Charakter sehenswert zum Besten gibt. Das Material, welches er zur Verfügung gestellt bekommt, ist zwar recht flach und trivial, er selbst haucht diesem aber mit seiner Präsenz und eigenwilligen Art (kaum einer kann so manisch wie Liotta dreinschauen, wenn er gerade erfahren hat, dass er hintergangen wird) etwas Leben ein.

So gut Liotta hier aufspielt, so sehr fällt auf, wie unterdurchschnittlich sich seine „Leinwandpartnerin“ Jennifer Lopez präsentiert. Der innere Konflikt ihrer Figur, die Tragweite ihrer Entscheidung, für ihre Tochter ihre Kollegen zu verraten, all das kommt nicht besonders überzeugend rüber. Mit ein paar Tränen und angesagten Chartsongs, die uns die Emotionalität einer Szene verdeutlichen sollen, ist es da einfach nicht getan.

Ray Liotta und Jennifer Lopez in %26bdquo;Shades of Blue%26ldquo; © NBC
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In or out?

Am Ende der Folge stellt man uns nicht nur einen großen Coup der Polizisten in Aussicht, sondern auch ein gefährliches Katz-und-Maus-Spiel à la „Infernal Affairs“ oder „The Departed“. Weder das eine noch das andere lockt mich persönlich hinterm Ofen hervor. Grund dafür ist nicht, dass ich mich für derartige Geschichten, in denen man sich nie sicher sein kann, ob der Hintergegangene vom Verrat seines Nächsten bereits im Bilde ist, nicht begeistern könnte. So, wie man uns eine ebensolche Geschichte jedoch in „Shades of Blue“ auftischt, muss es dann aber auch nicht sein. Nicht nur, dass die Identifikation mit der Hauptfigur extrem schwer fällt, weil diese und die Welt um sie herum extrem überzeichnet sind - auch der inszenatorische Stil der neuen Serie lässt zu wünschen übrig. Weder atmosphärisch dicht noch besonders aufregend und packend auf Film gebannt bietet „Shades of Blue“ wenig bis gar nichts an, was mich zum Wiedereinschalten bewegen würde.

Meiner Meinung nach spricht wahrlich nicht viel für Shades of Blue, abgesehen von einem ordentlichen Ray Liotta und einer Grundthematik, aus der man so einiges rausholen könnte. Ob Serienschöpfer Adi Hasak, sein Kreativteam und das Schauspielerensemble dies auf wundersame Art bewerkstelligen können, darf jedoch stark bezweifelt werden. Die Hoffnungen der Verantwortlichen sollten eher auf einer starken Zuschauerschaft mit lateinamerikanischem Hintergrund und der Strahlkraft von Jennifer Lopez' Namen liegen. Inhaltlich, visuell und überhaupt qualitativ liefert man nämlich kaum gute Argumente, „Shades of Blue“ eine weitere Chance zu geben.

Trailer zu „Shades of Blue“:

Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 8. Januar 2016

Shades of Blue 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Shades of Blue 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Det. Santos und die Gefahr der Gerechtigkeit
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 7. Januar 2016 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 18. Oktober 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 24. Oktober 2016
Regisseur
Barry Levinson

Schauspieler in der Episode Shades of Blue 1x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?