Sex/Life: The Wives Are in Connecticut - Review der Pilotepisode

Sex/Life: The Wives Are in Connecticut - Review der Pilotepisode

Das perfekte Familienleben in der Vorstadt fühlt sich für Sarah Shahi in der neuen Netflix-Serie Sex/Life wie ein beengter Vogelkäfig an. Ihr Alter Ego trauert in dem Erotikdrama der heißesten Zeit ihres Lebens nach...

Mike Vogel und Sarah Shahi in Sex/Life (c) Netflix
Mike Vogel und Sarah Shahi in Sex/Life (c) Netflix
© ike Vogel und Sarah Shahi in Sex/Life (c) Netflix

Nach The L Word, Life, Fairly Legal, Person of Interest und Reverie hat die iranisch-amerikanische Schauspielerin Sarah Shahi mit Sex/Life bei Netflix nun schon ihre sechste Serienhauptrolle an Land gezogen, obwohl sie „erst“ seit 20 Jahren vor der Kamera steht. In dem zunächst achtteiligen Erotikdrama von der UnREAL-Produzentin Stacy Rukeyser spielt Shahi eine Hausfrau und Mutter, die sich vom perfekten Familienleben eingeengt fühlt.

Die Serie basiert lose auf dem Roman „44 Chapters About 4 Men“ von der Autorin B. B. Easton. Die Regisseurin Patricia Rozema (Mozart in the Jungle) hat sich bei der Pilotepisode mit dem Titel The Wives Are in Connecticut für eine Hochglanzinszenierung entschieden. Sex/Life ist ohne Zweifel sehr ästhetisch, aber eben auch recht oberflächlich. Neben Sarah Shahi spielen unter anderem Mike Vogel (Under the Dome), Adam Demos (UnREAL) und Margaret Odette („Sleeping with Other People“) mit.

Worum geht's in Sex/Life?

Die Geschichte folgt Billie Connelly (Shahi), Mutter zweier Kleinkinder und Ehefrau des idealen Vorzeigemannes Cooper (Vogel). Die Familie lebt im Bundesstaat Connecticut, ziemlich weit entfernt von New York City, wo sich Billie und Cooper einst kennenlernten. Während Cooper mit seinem Charme die Karriereleiter hochklettert und auch daheim stets das Handy am Ohr hat, hat Billie mit dem Nachwuchs voll zu tun. Eines Tages nimmt ihr Sohn sie in den Garten und zeigt ihr seinen stolzesten Besitz: ein wunderschöner Schmetterling, eingesperrt in einem Glas.

Billie weiß genau, wie sich der Falter fühlt. Damit es auch ja nicht zu subtil bleibt, macht die Serie mehr als deutlich, dass sich die Protagonistin mit dem bemitleidenswerten Insekt identifiziert. Folglich setzt sie sich vehement für seine Befreiung ein - und damit wird auch in ihr der Wunsch wieder größer, frei zu sein. Frei zu sein wovon? Von einem Leben voller Verantwortung und Pflichten, in dem sie alle eigenen Ambitionen aufgeben musste. Von einem Leben der sexuellen Frustration, voller Verlangen nach mehr.

Tatsächlich würdigt ihr Mann Cooper, der ja sonst so perfekt ist, sie kaum noch eines Blickes. Als sie ihn verführt, schaut er mit einem Auge weiter auf das Football-Spiel. Auch das ein sehr plattes Klischee, was eher an einen Comedy-Sketch erinnert. Man merkt also früh, dass Sex/Life nicht besonders gut geschrieben ist. Besonders eklatant ist dabei, dass die Serienschöpferin Rukeyser es nicht schafft, Billies innere Beweggründe wirklich nachvollziehbar zu erklären (außer man projiziert eigene Gefühle auf die Figur). Dabei setzt sie schon auf ein Voiceover, welches ihr die Charakterisierung eigentlich sehr leicht machen müsste.

Adam Demos in Sex/Life
Adam Demos in Sex/Life - © Netflix

Auf der anderen Seite sollte es vielleicht sogar egal sein, warum Billie das Verlangen spürt, mit anderen Männern zu schlafen und ihre sexuelle Hochzeit als jüngere Frau in New York wieder aufleben zu lassen. Immerhin werden männliche Serienhelden oder -antihelden mit ähnlichen Bedürfnissen nur selten hinterfragt. Tony Soprano, Don Draper, Derek Shepherd: Sie alle waren untreu, was ihnen aber nie groß angekreidet wurde. Erst kürzlich hatten wir bei der Apple-Serie Physical eine ganz ähnliche Diskussion, warum weibliche Figuren sich das Recht, A****loch sein zu dürfen, noch immer erkämpfen müssen?

Als Billie in dem teuflisch heißen Musikproduzenten Brad (Demos) schließlich das perfekte Objekt ihrer Begierde findet und es scheinbar auch zum Sex kommt - oder war es nur ein Traum? -, bleibt ihr kaum Zeit, die Sünde zu genießen. Gegen Ende der ersten Episode überschlagen sich die Ereignisse, auch mit ihrer besten Freundin Sasha (Odette) und ihrem Gatten Cooper (Vogel), der nun eine ganz andere Seite von sich zeigt. Die Lust schlägt um in Schmerz und Scham..

Fazit

Alles in allem liefert Sex/Life einen verblüffend schnelllebigen Serienstart bei Netflix. Man hätte erwarten können, dass Showrunner Stacy Rukeyser den sexuellen Durst der Protagonistin, gespielt von Sarah Shahi, erst langsam aufbaut, um den Genuss dann umso mehr auszukosten. Stattdessen wirkt die erste Klimax fast schon überstürzt. Vielleicht hätte man sich noch etwas mehr Zeit nehmen müssen, um die Charaktere überhaupt erstmal zu etablieren, bevor der Konflikt gleich eskaliert.

Die wichtigste Frage bei der Bewertung eines Erotikdramas lautet wahrscheinlich: Ist die Serie heiß? Und hier gibt es ein Ja mit Einschränkung. Dass vor allem bei Shahi und Adam Demos die Funken fliegen, bleibt unbestritten (die beiden Schauspieler daten sich inzwischen auch im echten Leben). Außerdem inszeniert die Regisseurin Patricia Rozema die Sexszenen sehr ästhetisch mit dunkelbunten Farben und elektrisierender Musik. Auch die Kulissen laden zum Träumen ein, denn hier geht es fast so dekadent zu wie bei „Fifty Shades of Grey“.

Trotzdem fehlt es Sex/Life irgendwie an Sinnlichkeit, was daran liegen könnte, dass die Serie sehr glatt aussieht. Hochglanzsex wie in einer Parfümwerbung fühlt sich einfach etwas künstlich an. Selbst Billies schmuddeligste Abenteuer auf Clubtoiletten sehen aalglatt und poliert aus. Vielleicht sorgt aber auch die Oberflächlichkeit ihrer Charakterisierung dafür, dass man die Physis ihrer Fantasien nicht richtig greifen kann. Mal sehen, ob das mit der Zeit dann besser wird...

Hier abschließend der Trailer zur Netflix-Serie Sex/Life:

Hier kannst Du „Person of Interest - Staffel 1-5 (Limited Edition) (exklusiv bei Amazon.de)“ bei Amazon.de kaufen

Du kannst Person of Interest - Staffel 1-5 (Limited Edition) (exklusiv bei Amazon.de) jetzt sofort bei Amazon Prime Video erwerben

Diese Serie passen auch zu «Sex/Life»