Sex&Drugs&Rock&Roll 1x01

Der amerikanische Kabelsender FX hat mit der Comedy Sex&Drugs&Rock&Roll ein neues Pferd ins Rennen geschickt, hinter dem ein bekannter Name aus dem Seriengeschäft steht. Denis Leary, vielen sicherlich durch die langjährige Dramaserie Rescue Me ein Begriff, in der er die Hauptrolle innehatte. In den letzten Jahren hielt sich der Darsteller mit neuen Engagements eher bedeckt und tauchte maximal in einigen Spielfilmen auf. So zum Beispiel in einer wiederkehrenden Sprechrolle in der „Ice Age“-Filmreihe oder auch in der filmischen Neuauflage der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft, „The Amazing Spider-Man“. „Sex&Drugs&Rock&Roll“ markiert nun die kleine Rückkehr Learys ins Fernsehgeschäft. Hier spielt er nicht nur die Hauptfigur, er selbst hat sich auch das Konzept zum Format einfallen lassen und fungiert als Drehbuchautor für die Serie.
Der Blick auf die Pilotepisode der Comedy wirft jetzt jedoch die Frage auf, ob Leary sich nicht vielleicht jemand mit ins Boot hätte holen sollen, der ihm beim Serienentwurf ein wenig zur Hand hätte gehen können. Die Auftaktepisode von „Sex&Drugs&Rock&Roll“ ist zwar bei weitem kein absoluter Reinfall, jedoch ebenso auch keine großartig positive Überraschung. Sie pendelt sich irgendwo in der Mitte dieser beiden Pole ein, mit Ausreißern in beide Richtungen. Einige humoristische Einlagen sind schlichtweg zu flach, um einen wirklich zum Lachen zu bringen, andererseits punktet das Format durch seine musikalische Komponente, bei der Fans von Rock'n'Roll-Klängen auf ihre Kosten kommen könnten. Den Eindruck, hier unbedingt wieder einschalten zu müssen, hinterlässt das Format jedoch im Großen und Ganzen nicht wirklich.
The past
„Sex&Drugs&Rock&Roll“ erzählt die Geschichte des abgehalfterten Rockstars Johnny Rock (Leary), der vor mehr als zwanzig Jahren mit seiner Band The Heathens die Rock'n'Roll-Welt aufmischte und von den Massen gefeiert wurde. Bis es dann zum Bruch unter den Musikern kam, was vor allem an dem egozentrischen Johnny und seinen zahlreichen Eskapaden lag.
Die Band, ohne die es laut Dave Grohl wahrscheinlich nie Nirvana gegeben hätte, löste sich auf und Johnny Rock tingelt nun abgebrannt durchs Leben, auf der Suche nach irgendeinem großen Gig, der ihm unter anderem seine nach wie vor anhaltende Drogensucht finanziert. Als dann plötzlich seine Tochter (Elizabeth Gillies) auftaucht, um die er sich nie wirklich gekümmert hatte und selbst Ambitionen im Musikgeschäft hegt, wofür sie der Unterstützung ihres Vaters bedarf, wird Johnny hellhörig. Vor allem wegen der ordentlichen Summe an Startkapital, die sein Sprössling mit sich bringt...

The dream
Die ersten Minuten der Comedy sind in einer Art dokumentarischem Stil gehalten, der mit einem zwinkernden Auge an die gute alte Zeit im Musikgeschäft erinnert, als der Rock'n'Roll tatsächlich noch von Sex und Drogen geprägt war. Schnell wird klar, dass Johnny Rock ein Relikt einer längst vergangenen Zeit ist, es jedoch nicht wahrhaben will, dass sein Talent einfach nichts mehr wert ist und er nie zu der Musiklegende wurde, als die er sich selbst sieht. Leary versucht als Drehbuchautor, durch ein paar simple Gags das Ganze etwas aufzulockern und schreibt sich im Zuge dessen ein paar flotte Dialogzeilen. Von diesen sitzt aber zumeist nur jede zweite - und so wartet man oft geduldig auf eine Momentaufnahme, die einen tatsächlich zum Lachen beziehungsweise Schmunzeln bringt.
Denis Leary schlägt sich gar nicht einmal so schlecht als alte Rockröhre, deren Opportunismus sie irgendwie über Wasser hält. Seine Abrechnung mit den Stars von heute hat man jedoch in dieser oder so ähnlicher Form schon tausend Mal gehört. So vermisst man gelegentlich etwas Neues, was einem „Sex&Drugs&Rock&Roll“ anbieten kann. Der Einblick ins Rock'n'Roll-Geschäft und die damit verbundenen Besonderheiten ist hier wohl noch mit am vielversprechendsten. Vor allem musikalisch hinterlässt das Format einen guten Eindruck, so zum Beispiel am Ende, als noch einmal richtig in die Tasten gehauen wird.
Not famous
Letztlich folgt Sex&Drugs&Rock&Roll aber - wie so viele andere Serien - einem sehr einfachen Muster, was man zum Beispiel sehr deutlich bei der Vater-Tochter-Geschichte erkennen kann. So richtig erschließt es sich einem nicht, warum die junge Gigi ihren Vater für ihre Karriere braucht, sagt sie doch selbst, dass nicht viel von ihm hält. Angeblich soll er aber gemeinsam mit seinem alten Bandkollegen tolle Songs schreiben können, was Grund genug für Gigi ist, ihren entfremdeten Vater haufenweise Geld in den Rachen zu werfen.
Eine eigenartige Entscheidung der talentierten Dame, die ihre ersten Schritte als angehende Sängerin sicherlich auch unter der Anleitung eines wesentlich vertrauenswürdigeren Menschen machen könnte. Aber das „Drama“ verlangt es nun einmal, dass Vater und Tochter nach Jahren wieder zusammengeführt werden müssen, damit man uns in späteren Episoden noch einen dramatischen Konflikt zwischen den beiden präsentieren kann. Der erfahrene Zuschauer weiß, aus welcher Richtung der Wind weht.
Dirty soul
Bei den Gags hält es sich wiederum die Waage. Der kleine Seitenhieb in Richtung Lady GaGa (eine wandelnde Pyramide) funktioniert zum Beispiel ausgesprochen gut. Auf der anderen Seite reizt man die Frotzeleien von Johnnys alten Bandkollegen gegenüber seiner Tochter am Ende der Episode etwas zu sehr aus, so dass der Witz ein wenig im Sand verläuft. Die Darsteller zeigen, dass sie den bisweilen sehr dynamischen Dialogen des Drehbuchs gewachsen sind, dieses trifft den Nagel jedoch nicht immer auf den Kopf. Dadurch verpuffen einige Szenen, die zweifellos amüsant gemeint sind, letzten Endes einfach.

Zwischen John Corbett, der Johnnys alten Mitstreiter Flash spielt und gar nicht gut auf den ehemaligen Bandleader zu sprechen ist, und Leary entspinnt sich eine recht ordentliche Dynamik, wobei es auch hier etwas seltsam ist, dass Flash aus sehr niederen Beweggründen Johnny aus der Patsche helfen will. Der Bassist der Band, mit dessen Frau Johnny einst geschlafen hatte, kehrt derweil zur Band zurück, weil... Ja, warum eigentlich? Es würde darüber hinaus nicht verwundern, wenn einige Zuschauer ihre Probleme mit Elizabeth Gillies haben, deren Darbietung stellenweise etwas zu gewollt erscheint. Das macht sie wiederum durch ihre Performance am Ende der Folge wieder etwas wett.
Ironischerweise bekommt man bei diesen letzten Szenen den Eindruck, dass die Pilotepisode jetzt erst richtig losgeht, weil die Handlung zuvor größtenteils vor sich hinplätscherte. Was folgt, ist jedoch der Abspann - schade drum.
Fazit
Sex&Drugs&Rock&Roll könnte mit seinem Setting im Rock'n'Roll-Geschäft zweifelsohne eine Nische finden, denn vor allem dieser Aspekt der neuen FX-Comedy weiß zu gefallen. Die wenigen musikalischen Einlagen machen Spaß, während der restliche Teil der Handlung noch das eine oder andere zu wünschen übrig lässt. Learys Drehbuch ist bemüht, flotte Dialoge mit knackigen Pointen zu verbinden, was jedoch nicht ganz aufgeht. Die Handlung selbst gestaltet sich eher vorhersehbar, weshalb sich schnell auch etwas Langeweile breitmachen kann - kein gutes Zeichen für eine Pilotfolge, die eine Laufzeit von etwas über 20 Minuten hat. Für die Zukunft wäre es wünschenswert, wenn man uns ein paar originelle Ideen präsentieren würde, die „Sex&Drugs&Rock&Roll“ seinen eigenen Ton geben.
Offizieller Trailer zu „Sex&Drugs&Rock&Roll“:
Verfasser: Felix Böhme am Freitag, 17. Juli 2015Sex&Drugs&Rock&Roll 1x01 Trailer
(Sex&Drugs&Rock&Roll 1x01)
Schauspieler in der Episode Sex&Drugs&Rock&Roll 1x01
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