Servant: Review der Pilotepisode

Servant: Review der Pilotepisode

Apple präsentiert heute M. Night Shyamalans Serienprojekt Servant auf seinem noch jungen Streamingdienst. Damit gesellt sich ein stimmungsvoller Psychothriller zu den bisherigen Eigenproduktionen in der Handschrift des Twist-affinen Regisseurs.

Lauren Ambrose in Servant (c) Apple TV+
Lauren Ambrose in Servant (c) Apple TV+
© auren Ambrose in Servant (c) Apple TV+

Zu den Serien von Apple TV+ gesellt sich heute der Psychothriller Servant. Geschaffen wurde die Serie zwar von Tony Basgallop („Hotel Bablyon“), mit produziert wird sie aber von viel bekannterer Genre-Prominenz: Twist-Tycoon M. Night Shyamalan („The Sixth Sense“, „Glass“), der den Piloten inszenierte und allem Anschein nach nicht wenig seiner Handschrift (inklusive obligatorischen Cameos) einbringen konnte. Uns lagen im Vorfeld vier Episoden zur Besprechung vor.

Servant“ ist die Geschichte von Dorothy (Lauren Ambrose) und Sean Turner (Toby Kebbell), die eine junge Nanny, Leanne (Nell Tiger Free), bei sich aufnehmen, welche sich um den neugeborenen Sohn kümmern soll. Wer das Promomaterial zur Serie gesehen hat, dürfte bemerkt haben, dass mit dem Baby etwas nicht ganz stimmt oder eine furchtbar aussehende prop verwendet wurde. Keine Sorge, die Requisite hat hier nicht geschludert: Es soll wirklich eine Puppe sein, denn der eigentliche Sohn ist bereits kurz nach der Geburt gestorben, wodurch Dorothy einen psychischen Zusammenbruch erlitten hat. Nur die Puppe brachte sie wieder zu Sinnen, weshalb Sean eine Nanny eingestellt hat, die sich an der Scharade beteiligt, bis es seiner Frau besser geht. Das ist aber nicht das Seltsame beziehungsweise Unheimliche an der Angelegenheit. Das Seltsame ist, dass die fromme Leanne auch ohne Dorothy im Raum mit der Puppe umgeht, als wäre sie ein echter Mensch. Als eines Morgens dann tatsächlich ein echtes Baby in der Krippe liegt, muss Sean langsam an seinem eigenen Verstand zweifeln.

Mit Shyamalan vertraute Filmfreunde werden nach der ersten Folge mit dem Titel Reborn gleich mehrere Theorien im Kopf herumschwirren, was hier eigentlich vor sich geht. Ist das Baby schon immer echt gewesen und Sean derjenige mit der Psychose? Ist der von Rupert Grint gespielte Bruder Dorothys überhaupt echt oder kann nur Sean ihn sehen - und wer ist, ohne es zu wissen, ein Geist? Schade nur, dass die Serie schon kurz darauf das Interesse am plötzlich materialisierten Baby verliert, um sich anderem Spuk im Haus, wie etwa Seans Geschmacksverlust und Splitter im Essen, zu widmen. Schließlich müssen irgendwie zehn Folgen mit Mystery gefüllt werden und nicht nur 90 Minuten...

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Apple TV+ - © Apple TV+

Der überschaubare Cast ist durch die Bank weg passend besetzt. Lauren Ambrose gibt als überambitionierte Mutter und Karrierefrau mit aufgesetztem Grinsen ein regelrechtes Stepford Wife ab, das an Bryce Dallas Howards Performance in der hervorragenden Black Mirror-Folge Nosedive erinnert, Toby Kebbell gibt erneut den unsympathischen Gatten zum Besten (was man auch schon in einer „Black Mirror“-Episode miterleben konnte) und Game of Thrones-Prinzessin Nell Tiger Free wirkt, ohne viel tun zu müssen, wie ein nicht ins klaustrophobische Nobelhaus passender Fremdkörper mit beunruhigender Ausstrahlung und eigener Agenda.

Besonders in der ersten von Shyamalan inszenierten Episode wird stark auf Nahaufnahmen gesetzt, in denen die Charaktere direkt in die Kamera sprechen, so dass ein intimer, einem auf die Pelle rückender, geradezu unangenehmer „PoV“-Effekt wie in Peep Show entsteht. Insgesamt ist alles sehr stimmungsvoll und creepy in Szene gesetzt, was erneut beweist, dass Shyamalan sein Regiehandwerk in den Bereichen Mystery und Horror durchaus versteht und unsere Verrisse zu seinen letzten Filmen The Visit und Glass zum Großteil auf seine teilweise unsäglichen Storys zurückgingen.

Fazit

Servant postuliert in seiner ersten Episode ein fesselndes Mysterium, welches kurz darauf jedoch zugunsten weiteren Spuks links liegen gelassen wird. Das größte Rätsel bleibt bisher, ob die Serie zehn (beziehungsweise 20) Folgen lang die Spannung aufrechterhalten und ob die Auflösung mit dem Mysterium mithalten kann oder ob sie - wie es nicht nur bei Stephen King sondern oft auch bei Shyamalan der Fall ist - ernüchternd ausfällt. Schauspielerisch und stilistisch macht die Serie von Apple TV+ immerhin schon mal einiges her.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Apple-TV+-Serie „Servant“:

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