Sense8 2x11

© zenenbild zu der „Sense8“-Episode „Amore Vincit Omnia“ (c) Netflix
In letzter Zeit wird uns immer öfter vor Augen geführt, was für eine Macht Fans haben (können). Sie sind nun mal diejenigen, auf die es letzten Endes ankommt. Das führte zuletzt auch zu der Bestellung von neuen Staffeln von The Expanse und Brooklyn Nine-Nine, nachdem diese bereits abgesetzt wurden. Was dabei herauskommen kann, wenn sich mehrere Menschen mit einem gemeinsamen Ziel zusammenschließen, konnte man auch letztes Jahr beobachten.
Sense8 hat durch die Unterstützung der Fans ein zweistündiges Finale erhalten, in welchem die Netflix-Serie zu einem zufriedenstellenden Abschluss kommen kann. Hierbei ist der Spruch „art imitates life“ bzw. „life imitates art“ durchaus passend. Denn das Drama legte stets großen Wert auf Zusammenhalt, dass man füreinander einsteht und füreinander kämpft. Und wenn man das tut, würde man erfolgreich sein. Diese Lektion haben die Fans mitgenommen und verinnerlicht. Das zeigte vor circa einem Jahr die entsprechende Wirkung.
Schwierige Aufgabe
Den Wachowski-Schwestern wurde keine einfache Aufgabe aufgeladen. Innerhalb von zwei Stunden müssen sie eine Serie beenden, die eigentlich fünf Staffeln hätte haben sollen. In diesem müssen die Cliffhanger des Finales der zweiten Staffel aufgelöst werden. Doch nicht nur das, auch die Handlungsstränge der einzelnen Figuren müssen zu einem zufriedenstellenden und vor allem passenden Endergebnis geführt werden. Das wichtigste hierbei ist aber, dass die Atmosphäre und die Stimmung der Serie nicht verloren geht. Das war stets das, was das Drama ausgezeichnet hat.
Um ins Detail zu gehen: Wolfgang (Max Riemelt) wurde von der BPO entführt und auf Blocker gesetzt, sodass er nicht mehr mit seinem Cluster kommunizieren kann. Im Gegenzug dazu haben Lito (Miguel Ángel Silvestre), Sun (Doona Bae) und Co „Whispers“ (Terrence Mann) gefangen genommen. Abgesehen davon möchte man natürlich wissen, wie es mit dem Cluster und ihren Beziehungen weiter (und zu Ende) geht.
Was passiert?
Das (restliche) Cluster befindet sich nun gemeinsam an einem Ort - in der Stadt der Liebe, Paris. Dort wohnen sie zusammen. Sie sind also zum ersten Mal alle an einem Ort und lernen sich nun auf eine andere Art kennen. Während sie zwar bereits vorher stets miteinander verbunden waren und die Verbindung aber auch mal trennen konnten, ist das nun nicht so einfach möglich. Die verschiedenen Temperamente prallen hier aufeinander. Insbesondere Litos lateinamerikanisches Schauspielerblut sorgt für etwas Furore. In der Zwischenzeit versucht die Truppe einen Plan aufzustellen, um für einen sicheren Austausch von Wolfgang und Whsipers zu sorgen.
Dabei werden sie von Nomis (Jamie Clayton) Freundin und Technik-Geek Amanita (Freema Agyeman), Bug (Michael X. Sommers), Litos Freund Hernando (Alfonso Herrera), Daniela (Eréndira Ibarra) und Kalas (Tina Desai) Mann Rajan (Purab Kohli) unterstützt. Hierbei ist es schön zu beobachten, dass auch die Nebenfiguren in die Handlung integriert und dabei größtenteils gut eingesetzt werden. Diese können außerdem zum ersten Mal andere Sensates selber hören und sehen. Das wurde ihnen vorher vergönnt. Stattdessen mussten jeweils andere Sensates, die gerade zur Verfügung standen, als Augen und Ohren dienen.
Während der Übergabe geht etwas schief, sodass das Cluster zwar Wolfgang in die Hände bekommt, sich aber an die Versen von Whispers heften muss. Schließlich folgen sie ihm bis nach Florenz und müssen dort die schwierige Aufgabe bewältigen, die Festung von Lila Facchini (Valeria Bilello) einzunehmen. Mit einem durchdachten Plan, bei dem jeder die auf ihn zugeschnittene Aufgabe übernimmt gelingt ihnen dies auch.
Zum krönenden Abschluss heiraten Amanita und Nomi auf dem Pariser Eiffelturm - zusammen mit all ihren Geliebten, um ihre Liebe zu zelebrieren. Auch Nomis Eltern sind überraschenderweise mit von der Partie und mit Hilfe der Eltern von Amanita - bestehend aus zwei Vätern und einer Mutter - und ein paar Drogen erkennen auch sie das Schöne in ihrer Tochter und in ihrer Liebe zu Amanita. Hierbei ist es außerdem schön zu beobachten, dass Nomi von Bug zum Altar geführt wird. Er hat sie und ihre Liebe zu Amanita stets unterstützt.
Together Until The End
So viel zu der Handlung. Diese war nie das Wichtigste bzw. das Beste an der Serie. Stattdessen haben die Figuren, deren besondere Verbindung zueinander, die tolle Chemie der Schauspieler zueinander, die daraus entstehende außergewöhnliche Atmosphäre und die damit einhergehende Message, die das Drama vermitteln wollen, stets das Herzstück der Serie gebildet.
Wie ich bereits vorher angesprochen habe, ging es den Wachowskis in Sense8 stets um Integration, Toleranz und Zusammenhalt in ihrer reinsten Form. Diese Message wurde uns sowohl in den vorherigen Staffeln als auch während der Absetzung und Wiederbelebung der Netflix-Serie vor Augen geführt. Diesem Motiv bleiben die Macher auch in dem Finale treu, sodass sich alle Mitglieder des Clusters samt Anhang zusammenschließen, um Wolfgang aus den Klauen der BPO zu retten. Eine Promo für das Finale wirbt mit ebendiesem Motto: „Together until the end.“ Uns wird auch vermittelt, dass man (so gut wie) alles erreichen kann, wenn man gemeinsam an einem Strang zieht. Zudem ist man zusammen stärker als alleine, wodurch es stets sinnvoll ist, andere um Hilfe zu bitten und anderen zu helfen. Denn so kann man auf einfacherem Wege mehr erreichen.

Aus diesem Grund gelingt dem Cluster in dem Finale auch scheinbar alles. Das mag manch einer als Kritikpunkt des Finales sehen, da sie alles relativ einfach, vielleicht auch zu einfach, schaffen. Dieser Umstand geht jedoch damit einher, dass sie gemeinsam stark bzw. stärker sind und alles schaffen können. Das soll uns hiermit vermittelt werden.
Passend hierzu ist auch der Titel der Episode gewählt: „Amore Vincit Omnia“, was so viel bedeutet wie „Liebe besiegt alles.“ Die Erleuchteten kämpfen nicht nur füreinander, weil sie zu einem Cluster gehören, sondern viel mehr, weil sie einander lieben. Durch die Liebe, die sie miteinander vereint, werden sie zu einem Ganzen - einer unschlagbar starken Community. Die Nachricht, dass Liebe alles besiegen kann, wollen die Wachowski-Schwestern durch ihre Serie hinaus in die Welt tragen und mit dem Finale ist ihnen dies überaus gut gelungen.
Diversität
Ein weiterer Aspekt, der Sense8 stets definiert hat, war die Darstellung von Diversität in jeglicher nur erdenklicher Form. Egal ob es sich hierbei um Vielfältigkeit in der Liebe, des Geschlechts oder der Sexualität im Sinne der LGBTQ-Community geht oder um Rasse, Identität, Kultur und Status.
Diese wundervolle Diversität, die uns unsere Welt zu bieten hat, eröffnet (wie immer) die Folge der Serie. So stimmt uns eines der schönsten Intros, das ich je gesehen habe, auf eines der außergewöhnlichsten Dramen der heutigen Zeit ein.
Die Diversität in Rasse und Kultur spiegelt sich schon darin wieder, dass die acht Sensates aus acht verschiedenen Teilen der Welt mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kommen. Durch die Inkludierung von Homosexuellen, Polyamorie - Wolfgang, Kala und Rajan heben das Wort Dreiecksbeziehung auf eine neue Ebene - und einer Transfrau sowie der fokussierte Umgang mit diesen Figuren und ihren Beziehungen zueinander wird die Serie zu einer der bedeutendsten LGBTQ-Serien der heutigen Zeit. Hierbei sollte erwähnt werden, dass es immer Dramen gab, die sich diesem Themengebiet gewidmet haben. Während früher es früher Queer as Folk, The L Word oder Hit and Miss waren, befassen sich heute Serien wie die Amazon-produktion Transparent oder die neu gestartete Ryan Murphy-Serie Pose mit dieser Thematik.

Wenn man sich mit dem Thema Vielfältigkeit beschäftigt, kommt schnell der Gedanke der Andersartigkeit auf, welche viele nicht akzeptieren wollen. Daher stoßen Menschen, die von der Norm abweichen, schnell auf Ablehnung. Anstatt Menschen auszuschließen, wäre Akzeptanz, Toleranz und Integration der richtige Weg, um mit sowas umzugehen. Dies ist ein weiterer Gedanke, der in dem Drama stets eine wichtige Rolle gespielt hat. Auf gewisse Art und Weise lebt uns die Serie bzw. das Cluster vor, wie eine ideale Welt oder Gemeinde aussieht. In einer idealen Welt würden wir alle füreinander einstehen und kämpfen, einander akzeptieren und tolerieren, und auf eine gewisse Art auch einander lieben.
Daher ist die Serie etwas für die Idealisten, Optimisten und Träumer dieser Welt, denn sie zeigt weniger eine realistische, sondern viel mehr eine idealistische Welt. Diese schenkt uns jedoch auch Hoffnung, Hoffnung, dass wenn die in der Serie vermittelnden Motive tagtäglich übernommen werden, wir uns Schritt für Schritt dieser idealen Welt annähern. „Sense8“ versprüht pure Lebensfreude und steckt andere damit an - wenn sie es denn zulassen.
Diese Vielfältigkeit kann man auch während der Hochzeit von Amanita und Nomi, was die Schlusssequenz des Finales darstellt, beobachten. Dort kommen verschiedene Kulturen, Identitäten, Sexualitäten und Weltansichten zusammen. Als visuelle Repräsentation dieser Diversität dient schließlich ein buntes Feuerwerk. Manch einer mag darin auch die Farben der LGBTQ-Gemeinde erkennen können. Szenen wie diese verdeutlichen, dass die Macher in fast jeder Szene eine Message vermitteln wollen und das auf allen möglichen Ebenen realisieren. So kommt des Öfteren auch ein visueller Augenschmaus wie dieser heraus.
Insgesamt lässt sich sagen, dass die Merkmale, die „Sense8“ ausgemacht haben, auch im Finale stets mitschwingen. Die Atmosphäre der Serie ist genauso spürbar wie zuvor.
Sonstiges
In dem vollgepackten Finale werden zwar die Leitmotive stimmungsvoll herübergebracht und alle Handlungsstränge beendet, jedoch muss man an der Episode auch etwas Kritik üben. So kommt manch ein Charakter zu kurz. Capheus (Toby Onwumere) hat nur wenige Auftritte und wenn er schon mal auftritt, sind diese Momente eher weniger bedeutungsvoll. Er darf nicht viel sagen oder machen. Hauptsächlich ist er dafür da, um Autos, Busse oder andere Verkehrsmittel zu fahren. Das ist zwar die Fähigkeit, die ihn auszeichnet, jedoch dürfen die anderen auch mal andere Aufgaben übernehmen oder sind in Dialogen beteiligt. Außerdem wird die Entscheidung, dass er seinen Wahlkampf in seinem Heimatsort gewonnen hat, nur am Rande abgetan.
Hierbei darf man jedoch nicht aus den Augen verlieren, was für einer enormen Aufgabe sich die Wachowskis stellen mussten und wie grandios sie diese gemeistert haben. Es war wahrlich keine einfache Aufgabe innerhalb von 2,5 Stunden so viele Punkte abzuhaken. Dabei mussten natürlich Abstriche gemacht werden und da Capheus nie eine der bedeutendsten Figuren der Serie war, fiel die Entscheidung wohl auf ihn.
Was wäre eine Folge und insbesondere das Finale von „Sense8“ ohne eine Sex-Orgie? Es wäre nicht „Sense8“. Das steht wohl fest. Daher darf diese auch in Amore Vincit Omnia nicht fehlen. Diese bildet den krönenden Abschluss der Serie.
„For our fans“ sind die abschließenden Worte der Showrunner von „Sense8“ an ihre Zuschauer und vor allem auch Fans. Diese Nachricht wird uns in dem Finale deutlich vermittelt. Im Grunde kann man die ganze Episode als reinen Fan-Service betrachten. Da wir, die Fans, so sehr für eine Fortsetzung bzw. ein gerechtes Ende der Serie gekämpft haben, wollen die Wachowskis und Co uns mit ebendiesem belohnen. Sie erfüllen nicht nur in jedweder Hinsicht unsere Hoffnungen, Wünsche und Träume, sondern gehen sogar darüber hinaus. Allen Figuren wird ein „Happy End“ beschert.
Fazit
Aus dem Finale von Sense8, wurde alles herausgeholt, was möglich war. Die Zeit, das Budget und die Figuren wurden optimal genutzt. Man kann sich als Fan der Serie glücklich schätzen, diesen der Serie würdigen Abschluss erhalten zu haben.
Die Episode erfüllt auf handlungstechnischer Hinsicht alle Anforderungen, indem sie den Cliffhanger auflöst und alle Handlungsstränge zufriedenstellend beendet. Das Wichtigste ist jedoch, dass neben all der Handlung die Message und die besondere Stimmung der Serie nicht verloren geht. Darüber habe ich mir als Fan am meisten Gedanken gemacht. Nach dem Finale wird einem jedoch bewusst, dass dafür nie ein Zweifel bestanden hat. Das, was das Drama so außergewöhnlich macht, steht in dem Finale so sehr im Fokus wie noch nie. Die Einstellung, dass Diversität etwas Tolles ist, dass man einander mehr tolerieren und lieben sollte, ist in jeder Szene spürbar. „Together Until The End“ und „Amore Vincit Omnia/Liebe besiegt alles“ sind die wichtigsten Messages der finalen Episode
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Verfasser: Maike Karr am Freitag, 8. Juni 2018Sense8 2x11 Trailer
(Sense8 2x11)
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