Secret Level 1x01

© Amazon Prime Video
Das passiert in der Animationsanthologieserie „Secret Level“
Secret Level ist der neuste Streich der Love, Death & Robots-Macher und befasst sich in fünfzehn Teilen in Form einer Animationsserie mit einigen beliebten Gaming-Franchises. In den ersten drei Folgen erleben wir Kurzgeschichten zu „Warhammer 40,000“, „Unreal Tournament“ sowie „Concord“).
Ein Traum für Zocker
Eine 15-teilige Anthologieserie, die in jeweils einem unserer Lieblings-Gaming-Franchises spielt - das klingt wie ein wahrgewordener Zockertraum, und ist es in gewisser Weise auch. Zumindest, wenn man das Ganze von der rein audiovisuellen Seite angeht. Was die Machart des aktuellen Projekts von Blur Studio nämlich angeht, lassen die von uns begutachteten ersten drei Teile wahrlich keine Wünsche offen.
Da sehen wir Charakteranimationen, die sich kaum noch von realen Personen unterscheiden lassen, „Warhammer“-Marines schnetzeln sich in Strömen aus realistisch animierten Blut durch Gegnermassen, die Beleuchtung ist ein sprichwörtlicher Hammer und sowohl Raumanzüge als auch Raumschiffe rauben einem den Atem. An jeder Ecke knallt und ballert es und überhaupt sind die ersten knapp 17 Minuten mit überbordender Action gefüllt.
Dasselbe trifft auf die nächsten beiden Teile zu, die sich mit dem „Unreal-Tournament“- und dem „Concord“-Franchise befassen. In Ersterem erheben sich Bergbauroboter gegen die Menschheit und im zweiten flieht eine Rebellenführerin vor ihren Häschern nach einer spektakulären Befreiungsaktion - coole Wow-Momente inklusive. Überhaupt sind die letztlich doch sehr kurzen Geschichtchen angefüllt mit jeder Menge Spektakel, wobei ich mir beim Schauen des Öfteren die Frage stellte, warum ausgerechnet diese Gaming-Universen ausgewählt wurden.
Da thematisieren die Macher neben den genannten Shooterhochkarätern nämlich auch Indiespiele wie den Pixel-Plattformer „Spelunky“, andere, wie zum Beispiel „Horizon“, „S.T.A.L.K.E.R.“ oder „Guild Wars“, vermisse ich dagegen schmerzlich. Doch Geschmack ist bekanntlich Nebensache, also Schwamm drüber und ran an die Minikost.
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Viel Optik, wenig Inhalt
Das oben gewählte Wort „Minikost“ trifft es denn auch recht gut, vor allem, wenn man sich der Illusion hingibt, die einzelnen Storys könnten in irgendeiner Form Tiefe generieren. Die Folgen fassen sich inhaltlich so kurz, dass man das Gefühl nicht ganz loswird, die Serienmacher würden dem anvisierten Zielpublikum keine größere Aufmerksamkeitsspanne als zehn bis 15 Minuten zutrauen.
Eine Idee wie weniger Franchises und mehr Inhalt hätte dem Format insofern richtig gutgetan, zumal positive Ansätze durchaus spürbar sind. Im „Warhammer-40,000“-Plot dreht sich beispielsweise alles um das große Thema Kameradschaft, im „Unreal-Tournament“-Teil geht es um Freiheit und so weiter. Am Ende des Tages ist das aber alles viel zu dünn, um eine Quintessenz darüber ziehen zu können, ob man uns hier wirklich etwas erzählen möchte, oder nur auf starke Bilder setzt.
Der Verdacht, dass Letzteres der Fall ist, liegt allerdings insgesamt jedoch recht nah, ansonsten hätte man sich nämlich entweder auf längere Geschichten bei weniger Episoden oder einfach auf Doppelfolgen festgelegt, um dem Publikum auch auf narrativer Ebene etwas bieten zu können.
Nicht für jede Person geeignet

Damit zeigt sich „Secret Level“ von einer Seite, die vielleicht nicht jedem Zuschauenden gefallen dürfte, zumal einige Episoden auch noch ausnehmend brutal sind. Sicherlich: Der Streamingdienst Amazon Prime Video hat klar angekündigt, dass wir es hier mit einer Animationsserie für Erwachsene zu tun haben. Doch warum dann andererseits der inhaltliche Sparkurs? Das hätte man fraglos besser regeln können...
Wer also nur nach einer filmischen Hommage für dieses oder jenes Game Ausschau hält ohne weitere Bedingungen zu stellen, fährt aufgrund der kinoreifen Inszenierung, des Knallsounds und der beeindruckenden Visualisierung gut, wer aber daraufsetzt, eine neue Geschichte innerhalb des Lieblingsfranchises zu sehen, dürfte bitter enttäuscht werden.
Mit anderen Worten ist die Frage, wer denn nun diese Serie braucht, absolut gerechtfertigt. Gamer zocken sich in der Regel mindestens zehn, oft aber auch hunderte Stunden („Dungeons & Dragons“, „New World: Aeternum“) durch ihre virtuelle Lieblingswelt, da darf man den Verdacht äußern, dass sich nicht alle Zuschauenden mit zehn bis 15 Minuten abspeisen lassen. Hinzu kommt, dass ein Spiel wie das vorsätzlich in Klammern genannte „New World: Aeternum“ eher der Wahl von Amazon geschuldet ist als der Gunst der Spielecommunity, da es sich eben um ein hauseigenes Produkt handelt.
Ansonsten hätte man möglicherweise vielleicht das wesentlich beliebtere „Final Fantasy XIV“ oder auch „The Elder Scrolls Online“ gewählt, um den MMORPG-Fans gerecht zu werden. Doch auch das mag eine Frage des Geschmacks sein und soll daher in die abschließende Benotung der Animationsanthologie nicht einfließen.
Fazit
„Secret Level“ fair zu bewerten, ist unter dem Strich gar nicht mal so einfach. Aufgrund der Bildgewaltigkeit fühle ich mich wirklich gut unterhalten und werde die Serie auf jeden Fall bis zur letzten Folge durchschauen. Auch mein Zockerherz führt in den ersten drei Teilen den ein oder anderen Freudentanz auf, wobei mich die „Warhammer-40,000“-Folge bisher am stärksten anspricht. Das liegt zum einen an dem Nerd in mir, der vor allem den Dark-Fantasy-Ableger mit „Mark of Chaos“ und dem leider längst abgeschalteten MMORPG „Warhammer Online: Age of Reckoning“ liebt.
Andererseits springt aber auch der Shooterfan voll auf das Actiongewumme an und erfreut sich an den Hektolitern Pixelblut, die sich auf den Rüstungen der Space Marines ergießen. Leider nimmt die Begeisterung aber von da an mit jedem Teil ab und die Frage, ob das für einen Platz ganz oben auf dem Bewertungstreppchen reicht, muss ich zudem auch aufgrund der inhaltlich platten Vorträge verneinen... Dem Erfolg der Serie tut dies aber ohnehin mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit keinen Abbruch.
Wir verteilen dreieinhalb von fünf Pixeln.
Verfasser: Reinhard Prahl am Dienstag, 10. Dezember 2024Secret Level 1x01 Trailer
(Secret Level 1x01)
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