Second Jen 1x01

Der Titel der neuen kanadischen Comedyserie Second Jen funktioniert auf mehreren Ebenen. Zum einen spielt er auf den Status der beiden Hauptfiguren als second genners, als Angehörige der zweiten Einwanderergeneration Kanadas, an. Zum anderen heißen beide Protagonistinnen mit Vornamen Jen, wobei eine von ihnen Mo (Amanda Joy) genannt wird. Wer von ihnen nun die erste Jen ist, wird im Verlaufe der Pilotepisode Couch Surfing nicht geklärt - vielleicht ja die, die auch Jen (Samantha Wan) genannt wird.
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Sie beide stammen von philippinischen Einwanderern ab, sind Nachbarn und beste Freundinnen, seit sie denken können. Mit 16 haben sie sich geschworen - wir erfahren davon via Rückblende -, dass sie einmal zusammenziehen werden, sobald der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Dieser wird nun durch die überraschende Ankündigung von Mos Eltern erzwungen, auf die Philippinen zurückzukehren, weil es dort Verwandte gibt, die gepflegt werden müssen. Allzu traurig scheint Mo darüber aber nicht zu sein, schließlich besteht nun die Möglichkeit, mit Jen in die Freiheit aufzubrechen.
Jen allerdings ist zunächst skeptisch. Ihr langfristiger Plan sieht vor, bis 40 zu Hause wohnen zu bleiben, weil sie nach ihren Berechnungen dann erst genug Geld für die Anzahlung einer Hypothek gespart hat. Das würde auch ihre Mutter befrieden, die ihre Tochter unter keinen Umständen ziehen lassen möchte - es sei denn, sie fände einen Ehemann. Ein Eklat am Küchentisch führt dann aber doch dazu, dass sich Jen auf das Wagnis mit ihrer besten Freundin einlässt. Hernach entspinnt sich der Rest der Auftaktepisode, der sich vor allem den Umzugsproblemen und dem Kennenlernen der neuen Nachbarn Nate (Munro Chambers) und Lewis (Al Mukadam) widmet.
Dabei versuchen Joy und Wan, die nicht nur die Hauptrollen spielen, sondern das Format auch ersonnen und geschrieben haben, soviele Witze wie möglich unterzubringen. Diese reichen von Slapstick bis zur Offenlegung kultureller Unterschiede („We can talk about our feelings, like a white family.“), zünden aber leider nicht so oft, wie es die Serienschöpferinnen wohl gerne hätten. Zu oft verharren die Figuren im Klischee: Jen ist schüchtern, Mo draufgängerisch. Ebenso verhält es sich bei Nate und Lewis. Wir sehen hier nichts, was wir nicht schon unzählige Male gesehen hätten.
Natürlich ist es zu begrüßen, dass mit Serien wie Second Jen weitere Formate geschaffen werden, die die Vielfalt im Fernsehen fördern. Hier spielen nicht nur zwei Frauen die Hauptrolle, sondern auch zwei asiatischstämmige. Das ist so, als würden in Broad City zwei schwarze Protagonistinnen auftreten. Glücklicherweise gibt es diese Serie schon, sie heißt Insecure. Bei einer solchen Bandbreite ist es dann schnell erforderlich, dass der Inhalt nicht allzu gewöhnlich daherkommt. Auf technischer Seite ist das hier schon gelungen - sowohl die Aufnahmen des urbanen Toronto als auch der Soundtrack überzeugen. Den Macherinnen bleibt also Zeit, sich um die Verfeinerung des Drehbuchs zu kümmern. Das Talent dafür haben sie.
Verfasser: Axel Schmitt am Sonntag, 6. November 2016(Second Jen 1x01)
Schauspieler in der Episode Second Jen 1x01
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