SEAL Team 1x01

SEAL Team 1x01

Der CBS-Neustart SEAL Team ist zwar solide gemacht und zeigt Ansätze von Komplexität, tischt uns letzten Endes aber eine extrem ausgelutschte Prämisse auf, die wenig reizvoll ist. Fans von Bones-Ikone David Boreanaz dürfte es dennoch freuen, dreht sich doch alles nur um ihn.

„SEAL Team“ / (c) CBS
„SEAL Team“ / (c) CBS
© ??SEAL Team“ / (c) CBS

Bühne frei für die nächste neue Militärserie der gerade begonnen Fall Season im US-amerikanischen Network-Fernsehen! Dieses Mal probiert sich Broadcasting-Gigant CBS (in der TV-Saison 2016/2017 immerhin das Network mit den insgesamt meisten Zuschauern, auch wenn Konkurrent NBC in der Zielgruppe der 18- bis 49-Jährigen triumphierte) an einem Projekt, das sich einem militärischen Thema widmet, was wiederum ganz gut zum „Serienkader“ des Senders passt, siehe Formate wie NCIS und die beiden dazugehörigen Ableger NCIS: Los Angeles und NCIS: New Orleans.

Mit SEAL Team, erdacht von Benjamin Cavell und produziert von Hauptdarsteller David Boreanaz, den meisten Serienkenner wahrscheinlich aus dem langlebigen Crime Procedural Bones bekannt, trägt man zum aktuellen Trend der Branche bei. Angesichts der CBS-Zuschauerschaft trifft man dabei womöglich den Nagel auf dem Kopf, eine heroische Militärserie mit einem markanten TV-Gesicht, wie Boreanaz es nun einmal ist, hat auf dem Papier Potential. Zumindest an der Quotenfront. Rein handwerklich gesehen kann man dem Regisseur der Pilotfolge, Christopher Chulack (Shameless, Emergency Room), ebenfalls nicht all zu viel vorwerfen. Jedoch ist es der platte Plot und die Ansammlung an langweiligen Archetypen, die hier für eine Enttäuschung sorgen.

War on terror

Wie der Titel verrät, befasst sich der Serienneustart mit den Besten der Besten der Besten des amerikanischen Militärs, den Navy SEALs, einer herausragend ausgebildeten Sondereinheit, für die keine Mission zu schwer und kein Auftrag unmöglich ist. Angeführt wird das hier gezeigte Team von Jason Hayes (Boreanaz), der den tragischen Verlust eines guten Freundes und Kamerads verarbeiten muss, sogleich aber mit seinen Leuten in einen neuen Einsatz geschickt wird, um einem gefährlichen Terroristen hinterherzujagen. Dies scheint im Grunde genommen auch die gesamte Prämisse von „SEAL Team“ zu sein: Die Navy SEALs bekommen eine Aufgabe, erfüllen diese, lassen kurz durchscheinen, dass sie persönliche Probleme haben, die sie überwinden müssen, und wiederholen das Ganze.

Combat stress

Die ersten Minuten der Auftaktfolge erstaunen mich in zweierlei Hinsicht: Zum einem kommt mir das alles wahnsinnig vertraut vor, was womöglich daran liegt, dass die History-Serie SIX bereits früher in diesem Jahr eins zu eins all dies durchexerziert hat, was wir nun in „SEAL Team“ sehen. Es ist fast schon erschreckend, wie nah sich der Neustart an der Militärserie mit Walton Goggins aus dem Frühjahr bewegt, die sich ebenfalls um ein Team der Navy SEALs dreht. Charaktere, innere Konflikte, Motive - die Parallelen sind extrem auffällig. Aber gut, wer „SIX“ nicht kennt, dem wird dies nicht auffallen. Und wie frisch ist das Thema überhaupt im Allgemeinen? Die Spezialeinheit der Navy steht ja immer wieder im Fokus von Filmen und Serien.

Die zweite Sache, die mich etwas überrascht ist, dass man anfangs tatsächlich versucht, ein paar Nuancen sowie charakterliche Tiefe in die Geschichte einzuweben. Wahnsinnig originell sind die Probleme unserer Hauptfigur, die sich die Schuld für den Tod seines besten Kumpels gibt und obendrein von seiner Frau und Familie getrennt ist, nicht. Aber man wagt zumindest einen kurzen Blick über den Tellerrand, auch wenn sich dieser nur auf das psychologische Profil von Boreanaz' Charakter beschränkt. Für den Versuch gibt es aber ein Fleißpünktchen, ist man damit doch schon mal der Konkurrenz einen kleinen Schritt voraus.

CBS
CBS - © CBS

Snatch 'n' Grab

Bei dem Versuch bleibt es letzten Endes aber leider, denn so sehr David Boreanaz diese Bühne auch nutzen möchte, SEAL Team wird recht schnell von öden Klischees eingeholt, die ermüdend sind und in der Welt von Film und Fernsehen bereits etliche Male durchgekaut wurden. Dabei geht es sehr heroisch sowie pathetisch zu, rückt doch die geradlinig erzählte Terroristenhatz mitsamt Geiselbefreiung minütlich immer mehr in den Vordergrund. Auch ein paar Grabenkämpfe unter den SEALs dürfen nicht fehlen, genauer zwischen Hayes und einem neunmalklugen Frischling (Max Thieriot), dessen Vater ebenfalls mal ein Elitesoldat gewesen ist, welcher wiederum die Gunst seiner ehemaligen Kollegen verspielt hat. Der junge Bengel erinnert Anführer Hayes übrigens natürlich auch an seinen guten Freund, den er im Einsatz verloren hat. Was für ein Drama.

Tatsächlich macht „SEAL Team“ einen durchaus akkuraten Eindruck, was größtenteils an der soliden Inszenierung liegt, die anfangs etwas hastig, unübersichtlich und überstürzt wirkt, sich im weiteren Verlauf aber einigermaßen findet und den Einsatz der Sondereinheit überzeugend einfängt. Warum man hier und da an der Linse dreht, um einen verschwommenen Bildeffekt zu erzeugen, erschließt sich mir zwar nicht wirklich, auf audiovisueller Ebene kann man aber mit ein paar Kniffen etwas Spannung generieren. Gleichzeitig ist es aber auch so, dass man uns in den Aufnahmen nicht wirklich etwas Besonderes anbietet. Es verdient sich simpel gesagt das Prädikat „okay“, nicht mehr und nicht weniger.

Compromised

Es sind vielmehr die uninspirierten Charaktere sowie die langweilige Prämisse, die für mich nicht funktionieren und Langeweile in mir hervorrufen. Zwar hat man einen interessanten Cast versammeln können (in Nebenrollen sind zum Beispiel Jessica Paré aus Mad Men oder auch Michael Rooker aus The Walking Dead zu sehen), aber das reicht nun einmal nicht aus. Es ist ja noch nicht mal so, dass die auftretenden Figuren wahnsinning schlecht (eher ungenügend) gezeichnet wären. Sie sind einem schlichtweg egal. Der einzige Charakter, der hier von Bedeutung ist, stellt jener von David Boreanaz dar. Die Nebenfiguren um Hayes herum kann man ratzfatz in die jeweiligen Schubladen einordnen, aus denen sie anscheinend herausgenommen wurden.

Clean kill

Während derweil andere Serien sehr offensichtlich damit hausieren, wie besonders doch die USA und ihre Streitkräfte sind, möchte man in „SEAL Team“ indes anscheinend etwas subtiler aufzeigen, dass die Helden und Heldinnen dieser Serie tagtäglich Opfer bringen, um die Werte ihrer heimischen Gesellschaft weltweit zu verteidigen und zu repräsentieren. Ich persönlich kann es nicht wirklich leiden, wenn man mir den amerikanischen Pathos mitten ins Gesicht drückt, ebenso wenig mag ich es, wenn man es versteckter und manipulativer macht, so wie in diesem Fall. Aber sehen wir den Tatsachen ins Gesicht, eine Zielgruppe dafür existiert, und genau diese hat man sich als sein Publikum auserkoren.

Am Ende der Episode erscheint es mir dann auch etwas billig, wie man uns über unsere Empathie für die Hauptfigur ins Boot holen möchte, denn Hayes muss nicht nur schwierige Entscheidungen im Einsatz treffen, er ist auch ein ganz normaler Familienvater, der diese beiden Pole in seinem Leben irgendwie balancieren muss. Vielleicht ist man mittlerweile zu abgebrüht, vielleicht ist es die Masse an vorangegangen Formaten, die genau das Gleiche versucht haben, diese Idee zündet bei mir als Zuschauer einfach nicht mehr. Die Machart von SEAL Team geht für Network-Verhältnisse vollkommen in Ordnung, inhaltlich ist jedoch extrem schnell die Luft raus.

Trailer zu „SEAL Team“:

Verfasser: Felix Böhme am Donnerstag, 28. September 2017

SEAL Team 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(SEAL Team 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Ein schlagkräftiges Team
Titel der Episode im Original
Tip of the Spear
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 27. September 2017 (Paramount+)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 15. März 2018
Autor
Benjamin Cavell
Regisseur
Christopher Chulack

Schauspieler in der Episode SEAL Team 1x01

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