Schooled: Review zum Goldbergs-Spin-off

© zenenfoto aus der „Schooled“-Episode „Be Like Mike“ (c) ABC
Schon zu Beginn der Serie Schooled wird klar, dass sich die Macher durchaus dessen bewusst sind, dass in den 90ern viele Spin-offs erschienen. Aus Hercules wurde Xena: Warrior Princess ausgekoppelt, aus Golden Girls der „Golden Palace“ und Buffy the Vampire Slayer wurde durch Angel ergänzt. 2019 folgt nun der Retro-Ableger einer Retrocomedy. Man kann nur hoffen, dass es nicht so ein Fehlschlag wie That '70s Show und das kurzlebige That '80s Show wird.
Die Vorzeichen sind jedoch besser, denn Adam F. Goldberg und seine Autoren lassen im Serienpiloten Be Like Mike nicht nur Beverly Goldberg (Wendi McLendon-Covey) auftauchen und Adam per Patton Oswalt das einleitende Voice-over sprechen, sondern bringen auch zahlreiche bekannte Lehrer (und andere Cameo-Gäste) aus der Ursprungsserie mit, so dass sich ein wohlbehütetes Gefühl einstellt. Insgesamt fühlt sich die Serie fast wie eine nahtlose Fortsetzung von The Goldbergs an - nur eben ohne die titelgebende Familie im Zentrum.
Worum geht es in „Schooled"?
In Schooled begleiten wir Barry Goldbergs (Troy Gentile) Langzeitfreundin und sogar Verlobte Lainey Lewis (AJ Michalka) bei ihrem beruflichen Einstieg. Ihr Traum von einer Musikkarriere ist geplatzt und nun benötigt sie eine verlässliche Einnahmequelle. Glücklicherweise wird an der William Penn Academy eine Stelle als Musiklehrerin frei und Lainey kann diese besetzen. Zunächst dauert es ein wenig, bis sie ihr Schülerverhalten ablegen kann und Teil des Kollegiums wird, doch recht schnell wird klar, dass Veränderungen nötig sind - sowohl an der Schule als auch unter den Lehrern. Mr. Glascott (Tim Meadows) leitet inzwischen die Schule, während Coach Mellor (Bryan Callen) weiterhin den Sportunterricht betreut.
Der Coach hat es in der Folge mit einem talentierten jungen Basketballer zu tun, der jedoch wenig von Teamwork hält. Der Lehrer möchte ihm beibringen, dass Alleingänge wenig Erfolg versprechen, dennoch demütigt er auch den Rest des Basketballteams. Es kommt zum Streit, der Androhung eines Schulwechsels und einer Partie „Horse" sowie schließlich zur Versöhnung und dem Beginn einer großen Karriere. Denn der Coach sieht ein, dass das Talent des Jungen der Schule noch nützen könnte, was auch im Interview am Ende der Folge unterstrichen wird. Wie schon bei The Goldbergs gibt es nämlich die jeweilige Inspiration für die letztendliche Handlung zu sehen.
Lainey trifft derweil auf eine Schülerin, die sie an sie selbst erinnert. Sie verweigert die Arbeit beziehungsweise das Singen für eine Schulaufführung, schwänzt mit Alkopops die Schule und will eigentlich nur zeitgemäßeren Musikunterricht. Denn wir sind 1990-something und das ist die Hochzeit des Grunge und von Nirvana. Entsprechend soll die Musikveranstaltung den Wünschen der Schüler entsprechend gestaltet werden - inklusive Grunge-Cover von „Yakety yak“, was nach etwas Widerstand durch die Schulleitung zu Laineys erster Bewährungsprobe und einem großen Erfolg wird.
Smells like Spin-off-Spirit

Der große Charme von The Goldbergs liegt wohl zu gleichen Teilen an der warmen und liebevollen Nostalgie für die 80er Jahre als auch an der Familienkomponente, die für Lacher sowie emotionale Momente sorgt, weil die Dynamik rund um die überfürsorgliche Mutter, ihren etwas faulen, aber liebenswerten Mann und die drei Kinder klassisches Sitcom-Material bietet, das die Autoren aber stets aufs Neue sehenswert aufarbeiten.
Schooled dürfte sich, wie der Name schon sagt, mehr auf den Schulalltag und die Lehrerschaft konzentrieren, die wir teilweise schon kennen. Es wird interessant zu sehen, ob es zu Doppelbelastungen kommen wird, denn wir wissen ja, dass sich zwar ein wenig ändert, aber im Prinzip doch vieles an der Schule gleich bleibt.
Lainey als Hauptfigur wirkt ab und zu etwas bemüht und das gegenseitige Voneinanderlernen scheint wie ein notwendiges Element eines solchen Spin-off-Piloten zu sein, der das Vertraute wiederholen und das Neue davon abgrenzen muss. Gleichzeitig fühlt sich die Serie eben dementsprechend vertraut an, was für die Zuschauerbindung sicherlich nicht verkehrt ist. Frei nach dem Motto: Wem „The Goldbergs“ gefällt, dem könnte auch Schooled gefallen. Im Piloten bleiben die Lehrer bis auf Lainey und den Coach noch etwas blass, aber das kann man in den restlichen Folgen sicherlich noch ausbauen und erweitern. Natürlich dürfen auch 90er-Anspielungen wie lahmes Internet, Michael Jordan, Grunge, der Discman und der entsprechende Soundtrack nicht fehlen, wobei man das in Zukunft vielleicht auch etwas subtiler einbauen kann.
Insgesamt fühlt sich der Auftakt wie eine passende Ergänzung an, die weder sonderlich abstinkt noch das Genre neu erfindet. Es ist zwar nebensächlich und wird als einer der ersten Jokes präsentiert, aber Anfang der 90er, zur Zeit von Nirvana und Jordan, hat das Internet wahrscheinlich noch nicht so funktioniert, wie hier beschrieben... Das Nicht-so-genau-Nehmen von Jahren und entsprechenden Ereignissen und Phänomenen, gab es auch schon bei The Goldbergs und war mir etwa in einer Folge rund um Tim Burtons „Batman“-Film aufgefallen, wird dem Großteil der Zuschauer aber wohl egal sein.
Obwohl die Mutterserie weiterhin recht beliebt ist, müssen sich die ABC-Chefs sicherlich auch fragen, wie lange sie die Serie noch laufen lassen können. Ein oder zwei Staffeln sind sicherlich noch drin, mehr als zehn Staffeln wären aber sehr wahrscheinlich schwierig, weil die Kinder irgendwann auch ihre eigenen Leben als Erwachsene führen müssen. Allerdings läuft Modern Family auch gerade schon in Staffel zehn und The Middle hat es immerhin auf neun Staffeln gebracht. Es ist also keine schlechte Entscheidung, Schooled in eine Evergreen-Richtung zu drücken, denn neue Schüler gibt es immer wieder, auch wenn das Retrosetting der 90er irgendwann höchstwahrscheinlich auch an seine Grenzen kommen wird.
Fazit
Schooled ist The Goldbergs in den 90ern ohne die Goldbergs und fühlt sich an wie eine verschollene Folge der Mutterserie, was aber positiv zu verstehen ist. Die folgenden Wochen und Monate müssen zeigen, ob man sich nah an dem Original hält oder irgendwann auch eine eigenständigere Identität aufbaut. Der Auftakt macht es den Fans der Ursprungsserie leicht dranzubleiben und dürfte kaum jemanden erschrecken, außer man hat eine generelle Abneigung gegen die 90er und Serien, die an Schulen spielen...
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie Schooled: