Schlafschafe 1x01

© erienposter zur Serie Schlafschafe (c) ZDF und Raymond Roemke
Die neue Serie Schlafschafe wurde vom ZDF als eine der ersten Instant-Serien angekündigt. Diese werden in einem schnelleren Verfahren produziert, um tagesaktuelle Themen aufgreifen zu können. Lohnt sich das oder geht das auf Kosten der Qualität?
Wovon handelt die Serie Schlafschafe?
Die Küche ist petrolfarben gestrichen, an der Wand hängen überdimensionale, bunte Leinwände, im Wohnzimmer sorgen moderne Holzmöbel und Ledersofas für Gemütlichkeit und Coolness. Melanie (Lisa Bitter) und Lars (Daniel Donskoy) sind mit ihrem Sohn Janosch (Emil Brosch) der Inbegriff einer modernen Familie. Abends vertreiben Melanie und Lars in einer liebenswerten Show die blauen Monster aus dem Zimmer von Janosch und dass der Sex mit Termin ist, finden sie selbst nicht gerade super, geht aber halt nicht anders.
Leider ist nicht alles eitel Sonnenschein, denn Melanie hat ihren Job an die Corona-Krise verloren. Sie ist eine ehemalige Kite-Profisurferin, die unter der Schließung des Fitness-Sektors leidet. Zum Schreiben von Bewerbungen hat sie dann auch nicht viel Elan, denn die Studios sind ja schließlich ohnehin immer wieder geschlossen. Lars versucht, ihr unter die Arme zu greifen, finanziell ist die Lage knapp, aber zu stemmen. Zwischen den Zeilen sieht Lars immer wieder seltsame Vorzeichen, wie die Tatsache, dass Melanie alle Rauchmelder abgenommen hat. Auch, als Melanie Janosch Abführmittel ins Essen mischen will, was sie dann als Versehen abtut, schwant Lars Böses. Doch wie er selbst sagt: Sie sind beide die Art von Mensch, die nicht gut im Streiten ist - sie sitzen die Sache aus.
Das funktioniert aber auch nur noch bis Sonntag, denn da kommt eine befreundete Familie zu Besuch. Franzi arbeitet in der Klinik und erzählt, wie anstrengend und zermürbend die Situation dort ist, besonders wenn man im Fernsehen die Maskenhasser sieht. Melanie wirft ein, dass sie es nicht gut findet, dass ihr Sohn in der Grundschule sechs Stunden Maske tragen soll, weil sie gelesen hat, dass die Lungen der Kinder sich nicht richtig entwickeln können. Freundin Franzi hat dafür keine Geduld und das schöne Beisammensein wird abrupt beendet.
Nun kann auch Lars nicht mehr wegschauen und erfährt, dass Melanie Janosch nicht zur Schule schicken wollte, weil sie die Masken noch nicht bekommen hat, die nicht so schädlich sind...
Wie kommt es rüber?
Was die Serienmacher auf jeden Fall geschafft haben, ist, die Aktualität in einer so wechselhaften Zeit auf die Mattscheibe zu bringen. Auch die Ausgangssituation ist clever gewählt. Lars und Melanie fühlen sich vertraut an, man könnte mit ihnen befreundet sein, sie aus dem Verein oder vom Spielplatz kennen. Sie sehen aus, reden und wohnen wie viele von uns auch. Dann bricht der Wahnsinn in das Leben der Familie. Gemeinsam mit Lars erkennen wir das erst, als Melanie schon hochgradig obskure Videoportale konsumiert, die kleinen Schritte von der Fitnesstrainerin zur Verschwörungstheoretikerin müssen wir selbst zusammenpuzzeln. Dafür bieten die Drehbuchautoren eine gute Grundlage. Melanie ist mit ihrer erzwungenen Beschäftigungslosigkeit unzufrieden und hat nun zu viel Zeit, um sich Gedanken zu machen. Unter ihren ehemaligen Kollegen finden sich offenbar welche, die sie mit den Theorien in Berührung bringen. Dazu kommt die Sorge um Janosch...
Beide Partner wenden sich regelmäßig aus dem Geschehen heraus an die Kamera, um sich uns gegenüber zu rechtfertigen (siehe vierte Wand). Dabei bleibt Lars unser Anker in der Story. Sein Entsetzen und die Hilflosigkeit kann man gut teilen. Bei Melanie, die ja schon zu Beginn tief drinsteckt, wirken die Erklärungsversuche eher stumpf. Die Diskrepanz zwischen dem, wie sie sich sonst verhält und den Verschwörungstheorien ist groß. Es ist nahezu unmöglich, das mit einer Person zusammenzubringen. So, wie es auch vielen geht, die in den letzten Monaten im Freundeskreis überraschende Meinungen oder seltsames Verhalten erleben mussten... So, wie es auch Lars geht, der sich lange für den Weg der Ignoranz entscheidet. Wenn er nicht so genau hinguckt, dann geht es vielleicht von alleine wieder weg.
Die Drehbuchautoren liefern einen guten Job ab bei dem Versuch, uns Melanies Denkweise nahezubringen. Dabei geben sie uns nicht die Erklärung an die Hand, wie ein schwarzer Satellit die Menschheit zerstören kann, sondern die, wieso jemand wie Melanie tut, was sie tut. Die Sorge um den Sohn, die Hoffnungslosigkeit angesichts der eigenen Situation - das kann man nachvollziehen. Das kennt jeder. Dass man dann anfällig für Humbug ist, auch. Nur hat Melanie nicht zu viele Dreiradrefletkoren bestellt, sondern ist in eine andere Art von Loch gefallen.
Neben einem gelungenen Drehbuch sorgen auch die Darsteller für die nötige Überzeugungsarbeit in der Serie Schlafschafe. Sowohl Lisa Bitter als auch Daniel Donskoy sind so charismatisch, dass man sich mit Melanie und Lars am liebsten anfreunden würde. Sie schaffen es, dass man sich mit ihnen identifizieren kann, auch als sie auf den Weg gehen, der den meisten Zuschauern hoffentlich erspart bleibt: hautnaher Kontakt mit ausgekochten Verschwörungstheorien. Selbst, als Melanie ihrem Kind Abführmittel ins Getränk mischt und seine Maske zerschneidet, muss man nicht so rausstürzen wie Franzi. Die Sympathie, die Melanie an anderen Stellen sammelt, helfen dabei, an Erklärungsversuchen der Autoren interessiert zu bleiben. Sie lässt das Drama hervortreten, dass Lars nicht nur seinen Sohn und seine eigene seelische Gesundheit durch die Situation retten muss, sondern dass er auch um die Liebe seines Lebens kämpft. Warum er sich nicht einfach entsetzt abwenden kann, wie die meisten es tun, wenn sie mit absurden Meinungen konfrontiert werden.
Das Maß an Vertrautheit, das Cast und Crew aus der Story holen, setzt sich gut ab gegen die außergewöhnlichen Situationen, in denen Lars sich wiederfindet; darunter das Lagerhaus einer Frau, die True Masks für über 100 Euro das Stück verkauft... Die Serie schafft, was sie angetreten ist zu tun: uns zu zeigen, was passiert, wenn der Wahnsinn in die eigene Familie einbricht. Am Ende steht eine künstlerisch verarbeitete Angst, die den Nerv trifft und zudem noch ganz solide unterhält. Auch optisch sieht man der Serie das verkürzte Produktionsverfahren nicht an.
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Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Mittwoch, 12. Mai 2021(Schlafschafe 1x01)
Schauspieler in der Episode Schlafschafe 1x01
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