A Lovely Nowhere - Review der Pilotepisode der Disney+-Serie

A Lovely Nowhere - Review der Pilotepisode der Disney+-Serie

Disney+ schickt in der Kategorie STAR die US-amerikanische Thrillerserie mit dramatischen Elementen, „Saint X“, ins Rennen. Die Pilotfolge startet dabei aufmerksamkeiterregend, geht aber anschließend verhalten weiter und steuert in den letzten Minuten auf eine dramatische Entwicklung zu, die zu einem spannenden Höhepunkt führen könnte, wie wir finden.

Szenenfoto aus der Serie „Saint X“
Szenenfoto aus der Serie „Saint X“
© Hulu/Disney+

Heute ist die US-amerikanische Thrillerserie Saint X beim Streaminganbieter Disney+ in dessen STAR-Kategorie gestartet. Los geht es mit der Episode A Lovely Nowhere, die wir in unserem Pilotreview genauer unter die Lupe genommen haben.

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Das passiert

Die Familie Thomas entflieht ihrem stressigen Alltag und macht Urlaub auf der idyllischen Trauminsel Saint X. Emily (Alycia Debnam-Carey) und Alison (West Duchovny) verbringen mit ihren Eltern eine wunderschöne Zeit, bis etwas Schreckliches geschieht. Eines Nachts wird Alison vergewaltigt und ermordet. In Verdacht geraten Gogo (Josh Bonzie) und Edwin (Jyden Elijah), Mitarbeiter des Ressorts, die seit ihrer Kindheit befreundet sind. Jahre später lebt Emily mit ihrem Partner in Brooklyn und trifft plötzlich auf einen der Männer, der sich seinen Lebensunterhalt als Taxifahrer verdient. Nun kochen alle schrecklichen Erinnerungen in der jungen Frau hoch und sie entschließt, herauszufinden, was damals wirklich geschah.

Die Prämisse

Saint X“ ist der neuste Streich von Leila Gerstein, die sich in der TV-Landschaft einen Namen als Autorin und Produzent mit Serien wie Gossip Girl und Hart of Dixie gemacht hat. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alexis Schaitkin, der 2021 auch in deutscher Übersetzung beim Ullstein Verlag erschien. Der Story liegt eine durchaus interessante Prämisse zugrunde, die die Pilotfolge auch einleitet. In einem Ferienparadies wird eine junge Frau ermordet. Ihre jüngere Schwester ist seitdem traumatisiert und trifft Jahre später auf einen der Verdächtigen.

Da der Mord ungeklärt blieb, nimmt sie selbst Ermittlungen auf und heftet sich an einen der einzigen zwei Menschen, die wirklich wissen, was geschah. Bei so einer Thematik sind Verwicklungen und psychologische Abgründe vorprogrammiert, die den Spannungsbogen hochhalten. Entsprechend gehen die ersten Minuten in die Vollen und präsentieren uns die nächtliche Jagd auf Gogo, der auf Saint X geboren wurde und zumindest etwas gesehen haben muss. Warum er gesucht und verdächtigt wird, verrät uns der ansprechend inszenierte Einstieg nicht, was für Interesse sorgt.

Die Erzählebenen

Nach dem Cold Open wechseln sowohl die Erzählerperspektive als auch die Zeitebene und wir erleben, wie die Familie Thomas im idyllischen Saint X ankommt und sofort vom Animateur Eddie umgarnt wird. Es ist sofort klar, dass er auf die hübsche Alison steht und auch sonst jede Chance für ein Stelldichein mit den jungen Ressortgästen nutzt, die sich ihm bietet. Sein Freund Gogo ist aus anderem Holz geschnitzt. Im Verlauf der Folge erfahren wird, dass er als Kind ein Stotterer war und deshalb immer noch zurückhaltend ist. Er hat Frau und Kind und sorgt sich um sie, auch wenn er seiner Rolle als Mann und Vater nicht wirklich gerecht werden kann. Dem gegenüber stehen zwei Studenten, die ebenfalls im Paradies Urlaub machen und auf Alison abfahren sowie ein Mann, der Alison aufgrund eines Zwischenfalls bei einem Volleyballspiel nicht ausstehen kann.

Damit ist die Figurenkonstellation der zweiten Ebene weitestgehend abgedeckt und ein dritter Zeitstrang wird eröffnet, der in die Gegenwart überleitet. Emily, Alisons Schwester, lebt in Brooklyn mit ihrem Partner - einem Anwalt für Menschenrechtsangelegenheiten - zusammen. Eines Tages besteigt sie ein Taxi und trifft auf einen der beiden Hauptverdächtigen. Hier beginnt die eigentliche Geschichte, die durch die Rückblenden lediglich erklärend unterstützt wird.

Da im Piloten ebenfalls die Beziehung von Gogo und Edwin näher beleuchtet wird, ist diese Art des Perspektivwechsels wichtig, da ansonsten der Kontext fehlen würde und dieser auch nicht mittels Dialoge oder kurzen Flashbacks vermittelt werden könnte. Insofern geht die Dramaturgie vollkommen in Ordnung und erzeugt, entgegen manch anderer, ähnlich strukturierter Serien, sogar Spannung. Andererseits erfordert dies aber auch ein aufmerksames Zuschauen, um die Zusammenhänge richtig einordnen zu können, womit Saint X sicherlich kein Stoff für Zwischendurch ist.

Das macht sich auch an der Dramatik bemerkbar, die vornehmlich im dritten Abschnitt immer stärker aufflammt und erste Einblicke in Emilys traumatisiertes Seelenleben gewährt. Als Kind war sie so zurückhaltend und schüchtern, dass sie sich manchmal nicht einmal traute, zu sprechen. Ihre Schwester war ihr Vorbild und ihre beste Freundin, und der Verlust hinterließ eine tiefe, nicht zu schließende Wunde in ihr. Nun ist sie etwa in dem Alter, in dem Alison zum Zeitpunkt ihres Todes war und durchlebt das Trauma noch einmal, nur, wie das Debüt andeutet, ungleich intensiver.

Sie kann gar nicht anders, als sich ihrem Schicksal zu stellen und herauszufinden, was damals geschah. Und das ist bei weitem nicht klar, denn als Mörder kommen nicht nur Edwin und Gogo infrage. Auch einer der Studenten oder der Urlauber, der sie beschimpfte könnten ihre Hände mit Blut besudelt haben. Alles sieht also nach einem ebenso dramatischen, wie verwickelten und psychologisch ausgefeilten Thriller-Drama aus.

Fazit

Wäre der Mittelteil nicht so verhalten im Pacing, fiele die Bewertung für die Pilotfolge von „Saint X“ sicherlich noch einen halben Punkt höher aus. Doch nach dem starken Einstieg folgt erst einmal die zwar wichtige, aber eben doch tempoarme Vorstellung der Protagonisten und der drei sinnvoll konstruierten Zeitebenen, auf der sich die Story bewegt. Allerdings entschädigen die interessante Prämisse, der psychologische Aspekt und die dramatischen Ansätze auf ganzer Linie, so dass man davon ausgehen darf, dass es noch richtig spannend wird.

Saint X - Deutscher Serientrailer

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur Serie „Saint X“:

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