Sailor Moon Crystal 4x02

Sailor Moon Crystal 4x02

Sailor Moon und ihre verbündeten Sailor-Kriegerinnen melden sich auf Netflix mit dem Animefilm-Zweiteiler Sailor Moon Eternal zurück. Wie schlagen sie sich im Kampf gegen Nehelenia und ihren Dead Moon Circus? Und wie unterscheidet sich die Neuadaption vom 90er Anime?

Poster zum Film Sailor Moon Eternal (c) Toei Animation
Poster zum Film Sailor Moon Eternal (c) Toei Animation
© oster zum Film Sailor Moon Eternal (c) Toei Animation

Mit dem Einkauf der beiden „Sailor Moon Eternal“-Filme landete Netflix nach der internationalen Neuveröffentlichung von Neon Genesis Evangelion den nächsten gigantischen Animestreich. Beide Teile, die erst Anfang dieses Jahres in den japanischen Kinos liefen, sind seit heute online und wurden anstelle einer vierten Staffel von Sailor Moon Crystal produziert. Die Vorfreude unter Sailor-Senshi-Sympathisanten jenseits von Japan war groß, doch leider führt die zweiteilige Filmreihe auch die Grundprobleme der wenig überzeugenden Sailor Moon-Neuauflage fort.

Was bisher geschah: 17 Jahre nach dem Serienende der 90er Animeserie „Sailor Moon“ fing Toei Animation an, eine neue Adaption des Magical-Girl-Hits herzustellen, die sich diesmal sklavisch an die Mangavorlage von Naoko Takeuchi hält. Für Fans und Puristen klang das erst einmal himmlisch, zumindest bis das eigentliche Produkt herauskam. Die ersten beiden Arcs von „Sailor Moon Crystal“, die den Kampf gegen das Dark Kingdom und den Black Moon abdecken, wurden in einem Rutsch produziert und präsentieren sich als weitaus dramatischere Mond-Epen, ließen aber den Humor und die liebenswürdigen Charakterzeichnungen vermissen, die größtenteils erst durch die erste Animeversion hinzukamen. Zudem verwendete man eher unansehnliche 3D-Modelle für die Verwandlungssequenzen und die Animation ließ auch abseits davon einiges zu wünschen übrig, was Konsistenz und Qualität angeht.

Toei nahm sich die Kritik zu Herzen und engagierte für Staffel III Regisseurin Chiaki Kon („Higurashi When They Cry“, „Naruto Shippuden“), die sich auch hinter dem aktuellen Zweiteiler „Sailor Moon Eternal“ verbirgt. Sie adaptierte den Death Busters Arc (damals besser bekannt als „Sailor Moon S“), ließ wieder mehr Humor einfließen und brachte die Ästhetik näher an die alte Serie heran, was zugunsten Nostalgiepunkten eine vielleicht schon zu große Kurskorrektur war. Die Verwandlungen und Attacken muteten wieder vertraut an, auch wenn sie nach wie vor den Schwung, Rhythmus und die überlegene Musik der handgezeichneten Vorlage vermissen ließen. Nicht auf dem Level weiterzumachen, sondern den ohnehin weniger beliebten Dead Moon Arc (damals die vierte Staffel „Sailor Moon SuperS“) mit einem größeren Kinobudget auszustatten, klang deshalb wiederum wie keine schlechte Idee. So würde man mit aufpolierter Animation zumindest optisch etwas reißen und Anime-eye candy mit den Sailor-Kriegerinnen abliefern können. Zumindest in der Theorie...

Toei Animation/Netflix
Toei Animation/Netflix - © Toei Animation/Netflix

Part 1 beginnt mit einer unerwarteten Mondfinsternis und den in Japan auftauchenden Schergen des Dead Moon Circus. Nachwuchs-Sailor-Kriegerin Chibi-Usa erscheint im Traum des Pegasus Helios, der nach dem Goldkristall sucht - dem Gegenstück zu Sailor Moons Silberkristall. Doch ist die kleine Lady wirklich die auserwählte Maid, die ihm helfen kann, die Welt zu retten, oder ist es wieder die magische Kraft ihrer zukünftigen Mutter Usagi aka Neo Queen Serenity in spe, die gebraucht wird? Das aus der Zukunft gereiste Mädchen hat auch immer noch nicht durchblickt, dass ihre Verknalltheit in Mamoru, der mal ihr Vater sein wird, eigentlich nicht okay ist und ihre Sabotage der elterlichen Beziehung ihre Auslöschung bedeuten könnte. Über dieses Detail wird aber gekonnt hinweggeschaut. Viel gravierender wirkt die Tatsache, dass Usagi und der mysteriös erkrankte Mamoru in ihrer Anwesenheit über eine Trennung nachdenken, was Chibi-Usa ebenfalls aus der Zeit tilgen würde. An dermaßen handfesten Sci-Fi-Konsequenzen war das Franchise aber noch nie sonderlich interessiert und im Zweifelsfall kann ohnehin immer gesagt werden: Der magische Silberkristall hat es geregelt.

Gleichzeitig müssen sich die inneren Sailor-Kriegerinnen Merkur, Mars, Jupiter und Venus ihren eigenen Unsicherheiten stellen, als das schurkische Amazon Trio sie mit auf sie zugeschnittenen Albträumen angreift. Hier kommt wieder die Kardinalsünde von „Sailor Moon Crystal“ zum Vorschein, denn egal, wie uninteressant die Staffel oder Folge von „Sailor Moon“ damals wurde, auf die charmante Schurkenmenagerie war immer Verlass. Da man sich aber wieder an die reduzierte Mangavorlage hält, fällt sämtlicher Schlagabtausch zwischen Fish Eye, Tiger's Eye und Hawk's weg - dabei waren die drei damals in SuperS sogar mehr fabulous als der fliegende Fantasy-Gaul. Das sie ablösende Amazoness Quartett hat immerhin etwas mehr zu tun und wird am Ende auch als das enthüllt, was das Team in der Original-Mythologie eigentlich geheimerweise ist. Die Traumspiegel aus der alten Serie waren hingegen lediglich ein Mittel zum Zweck, um für die vielen Episoden ein „Monster of the Week“ erscheinen zu lassen und kommen hier nicht vor.

Die Kritik am knapp skizzierten Storytelling von „Sailor Moon Crystal“ und „Sailor Moon Eternal“ richtet sich übrigens nicht gegen Naoko Takeuchis klassische Mangavorlage, aus der die direkt übernommene Geschichte stammt. Sie soll nur deutlich machen, dass man nicht ohne Justierung von einem Medium ins andere adaptieren kann, ohne sich dem neuen Medium anzupassen. Der „Sailor Moon“-Manga besitzt eine impressionistische Qualität und ein unwirkliches Märchenflair. Proportionen werden oft außer Acht gelassen, Linien sind fließend und aberwitzig lang und Hintergründe existieren wie so oft im Shojo-Manga kaum, um sich auf die Emotionen, die fantasievollen Designs und die Charaktere konzentrieren zu können.

In einer Anime-Adaption muss man diese dann in sehr konkreten Orten und Räumen lokalisieren, was in diesem Fall leider sehr generische Anime-Hintergründe sind, die letztlich sogar in einer TV-Produktion als uninspiriert auffallen würden. Die oft nur herumstehenden Charaktere wirken darüber hinaus unglaublich steif, schnörkellos und Gesichter sowie Augen sitzen nicht immer ganz korrekt im Kopf, was schon bei „Crystal“ ein Problem war. Die einzige interessante Art, auf die man den Manga eins zu eins hätte umsetzen können, wie es hier der ungünstige Fall ist, wäre eine kunstvolle, stilisierte, beinahe schon experimentelle Animation, wie man sie aus Projekten wie „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ und „Lupin the Third: The Woman Called Fujiko Mine“ oder zum Teil von den Magical-Girl-Kolleginnen aus „Puella Magi Madoka Magica“ kennt. Als 08/15-Anime wirkt der ohne Änderungen übernommene Stoff einfach nur holprig, gehetzt und frei von Leben oder Charme.

Toei Animation/Netflix
Toei Animation/Netflix - © Toei Animation/Netflix

Besonders Part 2, in dem die Sailor-Kriegerinnen ihre Eternal-Power-ups erhalten, um gegen Endboss Nehelenia anzutreten, ist fast nur noch ein 90-minütiges Herunterbeten schwunglos animierter Attacken und Kombiangriffe. Die Vorfreude, endlich auch die anderen Senshi neben Eternal Sailor Moon in ihren leicht abgeänderten Kostümen mit weißen Elementen und aberwitzigen Schulterpolstern zu sehen, verpufft fast vollkommen angesichts dieser uninspirierten Inszenierung. Chiaki Kon tut, was sie kann, in diesen fast unguckbaren drei Stunden, aber die Hausaufgabe, den Manga direkt zu übertragen, wäre für fast jede und jeden eine absolut undankbare Aufgabe mit vorhersehbar fragwürdigem Ergebnis.

Positiv fällt lediglich der Anfang des zweiten Films auf, in dem im Gegensatz zu den meisten Szenen tatsächlich etwas verlängert und aufgepolstert wurde. Hier sehen wir das Familienleben der äußeren Sailor-Kriegerinnen vom Rand des Sonnensystems. Nach den Ereignissen der letzten Season ziehen das lesbische Traumpaar Sailor Uranus und Neptun zusammen mit Zeithüterin Sailor Pluto die gefährlich mächtige Sailor Saturn als kleines Mädchen auf und erwarten das Erwachen ihrer Macht, während sie selbst nach Erfüllung ihrer Mission keine Verwandlungskräfte mehr zu besitzen scheinen. Nett ist auch, wie die inneren Sailors im ersten Teil mithilfe ihrer feenhaften Sailor Power Guardians (kleine Versionen ihrer selbst) ihre Unsicherheiten überwinden, auch wenn ähnliche Szenen viel knackiger und effektvoller im Animefilm „Sailor Moon R: The Movie“ dargestellt wurden, der nur knapp eine Stunde lang geht.

Für die deutsche Synchronfassung konnte erneut Sabine Bohlmann als Usagi Tsukino alias Sailor Moon gewonnen werden, die man sonst auch als Stimme von Lisa aus The Simpsons kennt. Sie hatte damals in der allerersten Staffel der Originalserie die Hauptrolle inne und kehrte bereits für „Crystal“ zurück, wo ihre Sailor-Kriegerinnen mittlerweile andere Stimmen haben. Interessant ist dabei vor allem, dass die deutsche Version mittlerweile sämtliche Namenssuffixe der japanischen Höflichkeitssprache (wie -san und -chan) mitnimmt. Ein Beweis dafür, wie sehr die japanische Kultur in den letzten 20 Jahren über die Otaku-Nerdnische in den hiesigen Mainstream geflossen ist.

Fazit


Mit „Sailor Moon Eternal“ wurde erneut der Manga von Naoko Takeuchi abgekupfert, ohne adäquate Adaptionsarbeit beim Übertragen ins Animemedium zu leisten. Das Ergebnis ist ein stocksteifes, langweiliges Magical-Girl-Schlamassel, das vieles vom Shojo-Märchenflair der Vorlage vermissen lässt und schon gar nicht an den Charme der Animeserie aus den 90ern herankommt. Wer sich von einer Kino-Produktion wenigstens optisch mehr als von Sailor Moon Crystal erwartet hat, wird durch generische Hintergründe, erschreckend viele Standbilder auf TV-Niveau und fragwürdige Charakteranimation enttäuscht, auch wenn insgesamt eine Verbesserung zu verzeichnen ist. Fans, die nur mit der alten Animeversion vertraut sind, könnten zumindest von der zusätzlichen Sailor-Moon-Mythologie fasziniert werden, die bisher nur im Manga vorkam.

Insgesamt entpuppt sich „Sailor Moon Eternal“ leider als viel zu langer Zweiteiler mit gleichzeitig zu viel und zu wenig Inhalt, der im Gegensatz zur 90er Serie und zum Manga kaum eine eigene Identität besitzt, sondern vielmehr ein humpelndes Frankensteinmonster aus beiden Versionen darstellt. „Crystal“ hatte wenigstens den Anstand, das Elend in 20-minütigen Häppchen zu servieren. Zweimal 90 fast freudlose Minuten davon fühlen sich an, als wäre man im Namen des Mondes bestraft worden. Mehr als zwei von fünf fliegende Traumgäule gibt es deshalb nicht von uns.

Hier abschließend noch der deutsche Trailer zum Film „Sailor Moon Eternal“ auf Netflix:

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Verfasser: Mario Giglio am Donnerstag, 3. Juni 2021
Episode
Staffel 4, Episode 2
(Sailor Moon Crystal 4x02)
Deutscher Titel der Episode
Pretty Guardian Sailor Moon Eternal: Der Film (2)
Titel der Episode im Original
Sailor Moon Eternal - Part 2
Erstausstrahlung der Episode in Japan
unbekannt
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 3. Juni 2021

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