Kritik der neuen Netflix-Serie Safe

Kritik der neuen Netflix-Serie Safe

Im neuen Netflix-Drama Safe versucht sich Michael C. Hall an einem englischen Akzent. Ihm dabei zuzusehen, ist denn auch schon das Spannendste an dieser Serie. Der Rest besteht aus generischem Mystery-Box-Puzzle-Fernsehen, das man so auch jeden Sonntagabend in Deutschland sehen kann.

Michael C. Hall sucht seine Tochter in „Safe“. (c) Netflix
Michael C. Hall sucht seine Tochter in „Safe“. (c) Netflix
© ichael C. Hall sucht seine Tochter in „Safe“. (c) Netflix

Tom Delaney (Michael C. Hall) hat vordergründig alles, was man sich nur wünschen kann: eine Karriere als Chirurg, ein großes Haus in einem beschaulichen englischen Örtchen und eine ebenso große Familie. Dann aber stirbt seine Ehefrau und sein Leben beginnt auseinanderzufallen. Klingt wie der Plot eines Fernsehfilms am Donnerstagabend? Ist auch so. Die neue Netflix-Dramaserie Safe hat prämissentechnisch wahrlich nichts Besonderes zu bieten. Leider gilt dies auch für die meisten anderen Merkmale, die gutes Fernsehen ausmachen.

Remember fun?

Für den Tod seiner Ehefrau wird Tom zumindest teilweise die Schuld von seiner ältesten Tochter Jenny (Amy James-Kelly) gegeben. Warum das so ist, erfahren wir bis zum Ende der Pilotepisode nicht. Überhaupt wird hier vieles im Unklaren gelassen, was Puzzle-Fans begeistern dürfte, mich aber nur unendlich anödet. Solche Serien scheinen speziell für Netflix gemacht zu sein. Als Zuschauer schaltet man den Dienst dann nicht ab, weil man ja unbedingt wissen will, wie es ausgeht. Es ist die Weiterentwicklung des Tatort-Modells, nur ausgewalzt auf acht Stunden.

Das zentrale Mysterium kreist um Jennys Verschwinden. Sie hat einen Freund, Chris (Freddie Thorp), der drei oder vier Jahre älter ist, was in diesem Städtchen ganz offensichtlich einem Kapitalverbrechen gleichkommt. Mit ihm zusammen hat sie eine Party besucht, von der sie nicht nach Hause zurückkehrt. Also beginnt Tom mit der Suche. Diese führt ihn zu verschiedenen Bekanntschaften seiner Tochter und deren Freund, wobei sich manche auskunftsfreudiger geben als andere. Schnell wird klar: Alle hüten irgendwelche Geheimnisse...

Jenny (Amy James-Kelly) wird von ihrem Vater gesucht in „Safe“.
Jenny (Amy James-Kelly) wird von ihrem Vater gesucht in „Safe“. - © Netflix

Will ich unbedingt wissen, was diese Geheimnisse sind? Nein. Vom Vater der Partyveranstalterin erfahren wir am Ende immerhin, dass er wortwörtlich eine Leiche in der Tiefkühltruhe aufbewahrt. Der zeitliche Ablauf ergibt vor allem bezüglich der Party nicht besonders viel Sinn. Vater und Mutter von Sia (Amy-Leigh Hickman) wollten anlässlich ihres Hochzeitstages eigentlich ein ganzes Ausflugswochenende verbringen, sind aber am Morgen nach der Party schon wieder zu Hause? Und finden keinerlei Spuren der Feier, obwohl diese schon zu Beginn völlig ausgeartet war?

Wie hat es Sia nur geschafft, innerhalb weniger Stunden alles aufzuräumen und blitzblank zu putzen - und das, obwohl sie offensichtlich unter Schock steht, weil im Pool irgendetwas Schreckliches passiert ist? Dieser Fauxpas mag auf den ersten Blick nicht sonderlich schwer wiegen, offenbart aber doch, dass es Serienschöpfer Harlan Coben und Drehbuchautor Danny Brocklehurst einfach nicht sehr wichtig war, auf die Details zu achten. Wichtiger war es ihnen, schöne Menschen verruchte, aber wahnsinnig langweilige Dinge tun zu lassen - saufen, ficken, Drogen nehmen. Wie spannend.

Das Amüsanteste an „Safe“ - sogar der Name ist maximal generisch gewählt - sind wohl Halls Versuche, einen glaubhaften englischen Akzent vorzuführen. Schon als er zum ersten Mal einen zusammenhängenden Satz sagte, dachte ich mir, „Moment, der ist doch kein Brite...“ Auch wenn das nicht beabsichtigt war, hat er es damit doch geschafft, mich kurzzeitig zu unterhalten - im Gegensatz zu all den vermeintlich aufsehenerregenden Verwicklungen im englischen Niemandsland, die reiche Menschen unglaublich traurig machen. Gähn.

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