Sacred Games 1x01

© artaj (Saif Ali Khan) in der Serie „Sacred Games - Der Pate von Bombay“ (c) Netflix
Mit Sacred Games, dessen deutscher Titel „Der Pate von Bombay“ ist, legt Netflix die erste indische Eigenproduktion vor. Die Serie um einen Cop, der in den düsteren Ecken der Millionenstadt Mumbai gegen die Korruption und das Verbrechen kämpft. Story und Name sind der Romanreihe von Vikram Chandra entnommen.
Worum geht es?
Sartaj (Saif Ali Khan) ist ein Straßenpolizist, vorrangig damit beschäftigt, Taschendiebe zu jagen. Doch immer wieder wird er auch in andere Fälle gezogen, wo er zu seinem Entsetzen feststellen muss, dass alle anderen Polizisten korrupt sind. Sie erschießen junge Männer, die sich ergeben wollen, und nehmen Geld von den kriminellen Paten der Nachbarschaft. Sartaj, Sohn eines Ermittlers, will aufrichtig bleiben und das gefällt seinen Kollegen und seinem Chef Parulkar (Neeraj Kabi) gar nicht. Übergriffe und Drohungen sind die Folge. Und sein Partner, der ihm sagt, er solle doch das Spiel mitspielen, es mache ohnehin keinen Unterschied, ob er vor einem Ausschuss die Wahrheit sage oder nicht. Sartaj ist kein geborener Revolutionär, sein Widerstand ist stiller Natur, wie eine Mauer, die einfach nicht nachgeben will.
Dann jedoch bekommt er seltsame Anrufe von einem Mann, der seinen Namen nicht nennen will, aber eindeutig einen Gottkomplex hat. Es handelt sich um den Gangsterboss Gaitonde (Nawazuddin Siddiqui), der seit mehr als einer Dekade von der Bildfläche verschwunden ist. Er hat Sartaj ausgewählt, um ihm seine Geschichte zu erzählen und ihn zu warnen, dass in 25 Tagen ein großes Unglück über die Stadt hereinbricht. Wieso ausgerechnet Sartaj kontaktiert wird, erfahren wir zunächst nicht, nur dass die beiden eine durch Gaitonde angedeutete Verbindung über Sartajs verstorbenen Vater haben.
Noch am Ende der Pilotepisode treffen die beiden das erste Mal aufeinander, in einem Bunker, in dem auch eine tote Frau liegt. Gaitonde erschießt sich vor den Augen des Cops, jedoch nicht ohne ihm zu sagen, dass er nicht gehen werde, bevor das Spiel zu Ende ist. Über die folgenden Episoden ist Gaitonde dann auch durch die Erzählung seiner Vergangenheit allgegenwärtig. Wir erfahren, wie er vom Sohn eines Bettlers zu einem der gefürchtesten Paten Indiens aufgestiegen ist.
Wie kommt es rüber?
„Do you believe in God? Well, God doesn't give a shit.“ Das sind die ersten Worte, die in der Pilotepisode Ashwatthama gesprochen werden. Aus dem Off, von dem mehrfachen Mörder und Gangsterboss Gaitonde, wie wir später erfahren. Die Serie Sacred Games nimmt uns mit in die dunklen Ecken der Millionenstadt Mumbai, mit Bollywood hat diese Hindi-Produktion nichts zu tun. Es ist ein idealer Einstieg für alle Hollywood-Gewöhnten, die mal was anderes erleben wollen, ohne auf das gewohnt hohe Produktionsniveau verzichten zu müssen.
Die Charaktere bringen ihre oft düsteren und grausamen Geschichten mit, wie sie in der Unterwelt gelandet sind, und sie verwickeln uns in eine größere Story, in deren Verlauf man in einen Sog gezogen wird, der schnell süchtig machen kann. Es dauert nicht lange, noch vor dem Ende der Pilotepisode und man will wissen, wohin die Reise geht, für den aufrichtigen Sartaj, aber auch für den undurchsichtigen Kriminellen Gaitonde.
Doch es geht nicht nur um die Unterwelt. In Indien vermengt sich alles mit Religion, dem Glauben an das Übernatürliche und den Kämpfen zwischen den Religionen und Weltsichten. Es geht auch darum, was mit Menschen passiert, wenn man ihnen keine Chance gibt, in der Welt des Tages ein Leben für sich aufzubauen und wie die Grenzen zwischen den Unterwelt und den Gesetzeshütern verwischen, wenn Millionen Menschen in einer Stadt zusammengepfercht leben, deren Machthaber die Kontrolle verloren oder abgegeben haben.
Immer wieder werden politische Ereignisse in die über mehrere Jahrzehnte spannende Geschichte eingebunden, von denen manche einem bekannt vorkommen, andere nicht. Doch auch darin liegt die Schönheit der Serie: Mit Liebe zum Detail wird uns eine Stadt und die Geschichte einer Nation nahegebracht, die sich fremd anfühlt und deren Charaktere doch so menschliche Schwächen und Probleme haben, dass man diese Hürde schnell überspringen kann.
Fazit
Die spannende Story und die starken Charaktere nehmen die Zuschauer schnell mit auf eine düstere, aber sehr interessante Reise in die Unterwelt Mumbais. Mit einem Auge fürs Detail erzählt die Serie gleichzeitig von universellen, menschlichen Tragödien und den Besonderheiten einer Nation, in der die Religion über das Leben entscheiden kann.
Verfasser: am Freitag, 6. Juli 2018Sacred Games 1x01 Trailer
(Sacred Games 1x01)
Schauspieler in der Episode Sacred Games 1x01
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