Rush 1x01

Rush 1x01

Mit Rush braust USA Network in seinen neuen Donnerstagabend. Die etwas verschrobenere Arztserie dreht sich um den Mediziner Dr. William Rush und seine unkonventionellen Methoden. Wird die Pilotepisode zum Höhenflug oder rast sie einfach am Zuschauer vorbei?

Tom Ellis als Dr. William Rush in dem Piloten zu „Rush“ / (c) USA Network
Tom Ellis als Dr. William Rush in dem Piloten zu „Rush“ / (c) USA Network

Die neue Medizinerdramedyserie Rush von USA Network startet mit einem kleinen Ratespiel zur IdentitĂ€t des Protagonisten Dr. William P. Rush (Tom Ellis): WĂ€hrend dieser seine Nacht mit einer jungen, attraktiven Frau, einem Glas Whiskey und mehreren Linien Kokain verbringt, versucht sie, seinen Beruf zu erraten. Erst, als sie einem Herzinfakt nahe an einer Überdosis zusammenbricht und Rush zu seinem immer paraten Defibrilator greift, geht ihr ein Licht auf: „I got it! You're a doctor!“ („Ich hab's! Du bist Arzt!“)

We don't scream, we don't discriminate, we don't judge

Wir sehen also den Ă€ußerst attraktiven und souverĂ€nen Rush, wie er mit seiner nicht weiter erwĂ€hnten, aber natĂŒrlich ebenfalls Ă€ußerst attraktiven Nachtbekanntschaft im Krankenhaus aufschlĂ€gt und diese seinem dort beschĂ€ftigten, besten Freund Dr. Alex Burke (Larenz Tate) ĂŒbergibt. Nebenbei erfahren wir, dass Rush der Patenonkel von Alex' Sohn Elliott ist und dieser am nĂ€chsten Tag seinen Geburtstag feiert. Es wird dabei bereits vermittelt, dass Rush neben seinem angedeuteten Drogenproblem als ziemlich unzuverlĂ€ssig gilt.

Am nĂ€chsten Tag sehen wir Rush in einem an Hank Moodys (David Duchovny) Porsche erinnernden Mercedes Cabriolet auf dem Weg zu seiner Assistentin Eve (Sarah Habel) in ein Hotel. Warum sich die beiden ausgerechnet dort treffen, ob dies einem weiteren Aspekt seiner anscheinend vor allem schwarz ablaufenden Arbeit entspricht oder lediglich seinen Reichtum weiter verdeutlichen soll, bleibt unerklĂ€rt. Nach einem kurzen Dialog, in dem Rush seine Nichtmoral einfĂŒhrt, da er seine Patienten nach der GrĂ¶ĂŸe der Geldbörse wĂ€hlt und dabei nicht nach den HintergrĂŒnden der einzelnen FĂ€lle fragt, rast er auch schon weiter zu dem Profisportler Ted Cummings (Gino Anthony Pesi).

Dieser bittet Rush um medizinische Hilfe in Bezug auf seine Freundin, bei der er aus banalsten GrĂŒnden handgreiflich wurde. Rush kassiert seine 15.000 Dollar, fragt nicht weiter und ist wieder unterwegs. Der anscheinend massive Drogenkonsum paart sich in der Charakterzeichnung dabei mit vordergrĂŒndiger GleichgĂŒltigkeit, die uns dabei an Charaktere wie Dr. Perry Cox (John C. McGinley) aus Scrubs oder Dr. Gregory House (Hugh Laurie) aus House erinnert. Im Anschluss daran wird uns mit dem aus Reaper bekannten Rick Gonzalez Rushs Stammdealer Manny vorgestellt.

Als sich Rush dann auf dem Kindergeburtstag von Elliott blicken lĂ€sst, scheinen alle sehr ĂŒberrascht, allen voran seine Exfreundin Sarah (Odette Annable), mit der er vier Jahre lang zusammen war. In einem spĂ€teren GesprĂ€ch der beiden erfahren wir, dass sie einst Kollegen waren, Rush jedoch durch einen fatalen Zusammenbruch aufgrund eines Drogenexzesses seine Position und seine Freundin verlor. Somit scheint es auch nicht verwunderlich, dass sie sich vor allem nach seiner Rehabilitation erkundigt. Im nĂ€chsten Moment raucht er allerdings einen Spliff mit seinem eher spießig wirkenden Freund Alex, was somit die moralischen Grenzen dessen verschwimmen lĂ€sst.

Not a shrink, not a lawyer, not a priest, not a cop.

Bei seinem nĂ€chsten Patienten, dem Filmemacher Billy Bloom (Brian Markinson), trifft Rush nicht nur auf einen vor allem fĂŒr den Zuschauer unterhaltenden Fall, sondern zeigt auch die Grenzen seiner „Cash Only“-Regel auf. WĂ€hrend Bloom mit einem broken cock auf der Couch liegt, schwört er Rush, das Geld sofort nach der Behandlung zu ĂŒberweisen und verdoppelt auf 40.000 Dollar. Warum Rush nicht darauf besteht, direkt nach der Behandlung in bar bezahlt zu werden, bleibt dabei fraglich und scheint wohl eher der spĂ€teren Plotentwicklung geschuldet zu sein, die im Übrigen auf sehr unterhaltende und amĂŒsante Art und Weise die einzelnen ErzĂ€hlstrĂ€nge miteinander verwebt.

WĂ€hrend sich Eve am Abend mit der von Ted geschlagenen Freundin trifft, hat Rush schließlich sein Date mit Sarah. Aufgrund ihrer gemeinsamen Vergangenheit fĂ€hrt er nĂŒchtern zu diesem. Er erfĂ€hrt, dass bei ihr anscheinend Verdacht auf Krebs besteht, muss allerdings rasch das Date verlassen, als ihn Manny in einem Notfall zu sich bittet. Im Laufe der Rettungsaktion des angeschossenen Julio (Cesar Ventura), einem Bekannten von Manny, und dessen wesentlich gefĂ€hrlicher wirkenden Boss Roul (Rolando Molina), begibt sich Alex durch eine illegale Blutspende noch weiter auf illegale Pfade, wĂ€hrend Rush somit einen gut bei Roul hat.

Als er schließlich Sarah bei gleißend hellem Tageslicht am FrĂŒhstĂŒckstisch des Hotels auffindet, sieht diese Rush in alte Muster zurĂŒckfallen: „The moment anything gets real, you get out.“ („Ab dem Moment, in dem es ernst wird, bist du weg.“) Wieder rast die Story weiter, diesmal zurĂŒck zu Ted Cummings Haus. Dieser hat seine Freundin diesmal mehr als bewusstlos geschlagen und verlĂ€sst sich wieder auf die Hilfe des parteilosen Dr. Rush. Dieser weist die Freundin in ein Krankenhaus ein, versichert Ted allerdings komplette ImmunitĂ€t. Als dieser sich ĂŒber die VerlĂ€sslichkeit seines Lieblingsarztes freut, scheint sich die Moral, ob aus Reue oder der NĂŒchternheit geschuldet, bei Rush durchzusetzen, woraufhin er Ted ebenfalls zusammenschlĂ€gt.

Im Krankenhaus von Teds Freundin hĂ€lt Rush Eve eine kleine Standpauke wegen ihrer moralischen Interaktion mit der Verletzten, jedoch stellt sich dabei heraus, dass sich die beiden nur kennen, weil Rush anscheinend genau diese Regeln zuvor einmal verletzte. Eve erzĂ€hlt ihm wĂ€hrenddessen, dass die versprochenen 40.000 Dollar von Billy Bloom nie ankamen, was Rush mit einem kleinen Anruf löst. Er löst den Gutschein fĂŒr einen Gefallen bei Roul und seinen MĂ€nnern ein, die sich daraufhin in Blooms Wohnung an so mancher Habseligkeit bedienen. SchlussresĂŒmee: Jetzt steht Rush wiederum in Rouls Schuld.

WĂ€hrend die Freundin von Ted aufwacht und der Moment in eine fĂŒr Arztserien typische Dramatik abdriftet, zeigt Rush seine StĂ€rken und mein persönliches, humoristisches Highlight der Serie auf. Der an sich zweifelnde Rush verlĂ€sst das Krankenhaus und spendet einem anscheinend obdachlosen Mann etwas Geld, nur um festzustellen, dass dieser gar kein Obdachloser ist. GekrĂ€nkt zieht er seinen Schein wieder zurĂŒck. Er steigt in sein Auto, der Running Gag des veralteten, springenden CD-Players taucht wieder auf und lĂ€sst Rush ins Ende des Serienpiloten rasen.

Fazit

USA Network bringt mit Rush eine Serie hervor, deren Elemente man bereits kennt. Der Plot des Mediziners, der sich nach seinem Jobverlust auf eine private Behandlung der Upperclass spezialisiert, klingt nach Royal Pains. Der Umgang mit seinen Problemen und seinen Drogen nach Californication und die Rolle des abgekĂŒhlten, distanzierten, aber fachlich ĂŒberlegenen Arztes nach House. Allerdings schafft es Rush dabei, vor allem durch drei Elemente seinen eigenen Weg zu finden.

So stellt die Verbindungsperson des Manny hier ein wichtiges Kernelement dar, welches den Protagonisten Rush nicht nur in den höchsten Höhen des sozialen Umfelds, sondern auch in den tiefsten Tiefen agieren lĂ€sst. Was bereits im Piloten mit den Gefallen, die er und Roul sich gegenseitig schulden, angedeutet wird, könnte sich im Verlauf der Serie zu einem ernsthaften Problem herauskristallieren. Auch die angedeutete, dĂŒstere Vergangenheit Rushs wirft noch so manche Frage auf, auf deren Antwort man Lust bekommt.

So gehören die Schattenseiten seines Drogenkonsums ebenfalls zu einem der Pluspunkte der Serie. Wenn man in RĂŒckblenden sieht, wie er die Kontrolle ĂŒber seinen exzessiven Lebensstil verloren hat oder ihm sein gesamtes Umfeld sagt, wie schrecklich er aussehe, bekommt der Zuschauer einen thematischen Happen vorgeworfen, deren AuswĂŒchse er nur erahnen kann. Als weitere positive Seiten wĂ€ren zuletzt noch der teils derbe Humor und die Kurzweiligkeit des Plots aufzuzeigen. Wenn Rush aus Versehen einem normalen Mann Geld spendet oder in bester Steve-Zissou-Manier aus einem unangenehmen GesprĂ€ch rennt, dann lockert das die ganze Thematik auf nicht ĂŒbertriebene Art und Weise auf.

Auch die Verstrickung der einzelnen Plots wird zum Ende hin geschickt gelöst. Die verschiedenen sozialen Milieus, in denen sich der mobile Doktor umgibt, geben viel Potential fĂŒr spannende, aber auch humoristische Überschneidungen her. Als einziger Kritikpunkt wĂ€re zu erwĂ€hnen, dass uns vor allem zu Beginn der Episode ein etwas sexistisches Bild der weiblichen Rollen gemalt wird. Keine der Frauen könnte auch nur ansatzweise als unattraktiv bezeichnet werden und Rush lĂ€sst auch keinen Versuch aus, diese anzugraben. Allerdings zeigen ihm auch Rollen wie Eve und Sarah die Grenzen dieses oberflĂ€chlichen Denkens auf.

Verfasser: Henning Harder am Freitag, 18. Juli 2014

Rush 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Rush 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Mit harten Bandagen
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. Juli 2014 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 26. September 2017
Regisseur
Jonathan Levine

Schauspieler in der Episode Rush 1x01

Darsteller
Rolle
Larenz Tate
Sarah Habel
Eve

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?