Run the World: Kritik zum schwarzen Sex and the City

Run the World: Kritik zum schwarzen Sex and the City

Bei Starz und Starzplay startet heute die neue halbstündige Serie Run the World. Vier starke schwarze Frauen jenseits der 30 stehen im Mittelpunkt. Könnte das ein schwarzes Sex and the City werden? Viele Zeichen deuten darauf hin...

Run the World
Run the World
© Starz

Starz versteht sich gerne als Alternative zu HBO und Showtime, da sie sich stärker an das weibliche Publikum richtet. Serien wie Outlander, Sweetbitter, Vida und die zahlreichen Formate rund um Königinnen und Prinzessinnen würden dies unterstreichen, wobei natürlich auch das Power-Universum das männliche Publikum anspricht. Die Run The World von Yvette Lee Bowser und Leigh Davenport, ihres Zeichens Showrunnerin und Autorin von Dear White People, probiert nun, eine schwarze Alternative zu Sex and the City zu bieten, wobei die Hauptfiguren teilweise ein wenig älter sind und vermehrt auch in festen Beziehungen stecken.

Who runs the world?

Die vier lebensfrohen Freundinnen kommen aus dem New Yorker Stadtteil Harlem und suchen allesamt mit Anfang 30 ihren Platz in der Welt. Dabei stoßen sie aber an ihre Grenzen und wollen sich nicht mit dem bisher Erreichten zufriedengeben. Amber Stevens West ist die perfektionistische Whitney, die sich fast immer an die Regeln hält, aber im Piloten natürlich nicht; Andrea Bordeaux ist Ella, eine verwegene Romantikerin, die auf der Suche nach ihrer wahren persönlichen und beruflichen Bestimmung ist; Bresha Webb ist Renee, eine temperamentvolle, vor der Scheidung stehende Diva mit einer scheinbar erfolgreichen Karriere und Corbin Reid ist Sondi, eine Karrierefrau, die ihre beruflichen und privaten Prioritäten neu überdenkt.

Direkt in den ersten Minuten wird verdeutlicht, was für eine Art Serie Run The World sein möchte. Das Figurenquartett geht in den Club und muss am nächsten Morgen wieder den Alltag meistern. Was in den Zwanzigern gut ging, gelingt mancher in den Dreißigern nicht mehr so locker. So hat Ella ein Vorstellungsgespräch bei einer Freundin und muss nach einer gescheiterten Karriere als Autorin wieder in den Entertainmentbereich, wo es gilt, den Rapper Soulja Boy zu interviewen. Der macht es ihr allerdings schwer, was genau zum Thema ihres Artikels wird, der kurz nach der Veröffentlichung trendet. Nebenbei trifft sie auf mehrere Männer, die sie einst mal gedatet hat. Mit einem gewissen Anderson, den sie als ihren Big (Chris Noth aus Sex and the City) identifiziert, knutscht sie kurz, nachdem seine Anwesenheit im Land sie überrascht. Danach fährt sie jedoch mit einem Kollegen nach Hause, der Performanceprobleme und nur eine Matratze statt einem richtigen Bett hat.

Whitney steht kurz vor der Heirat mit ihrem Partner, einem Doktor. Sie geht mit Ella und Renee auf die Soulja-Boy-Party, auf der sie mit einem Mann flirtet, mit dem zwei der drei anderen Frauen schon geschlafen haben. Das mahnt Ella auch an. Am Ende der Folge landet sie trotzdem mit ihm in der Kiste und muss sich fragen, wie ihre eigene Zukunft aussehen soll.

Renee ist diejenige mit einer gehörigen Portion Attitüde, die sich von weißen Personen nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Im Club lässt sie die Sau raus, zu Hause probiert sie im Schlafzimmer einige Experimente.

Sondy scheint ihren Doktortitel anzustreben und ist mit ihrem Doktorvater Matthew (Stephen Bishop) seit einiger Zeit liiert. Der hat eine kleine Tochter, die sie zu ihren Ballettstunden begleitet, aber gleichzeitig auch versucht, sie etwa durch das Schenken von braunen Ballerinas für ihre eigene Identität als schwarze Frau zu sensibilisieren. Als ihr von den Lehrern der Ballettschule ein Ernährungsplan für die Sechsjährige mitgegeben wird, platzt ihr jedoch der Kragen. So hat jede Frau ihr Päckchen zu tragen und muss schauen, wo sie im Leben hinmöchte. Reicht der Status quo oder will man mehr?

Die Starz-Formel

Früher hatte HBO oft den Ruf, der Sender zu sein, der viel nackte Haut und attraktive Menschen zeigt - allerdings steht Starz dem seit einiger Zeit kaum nach. Schon Vida hat demonstriert, wie freizügig es hier zur Sache gehen kann. Run The World schlägt in eine ähnliche Kerbe. Die attraktiven Damen dürfen oft zeigen, was sie haben. Besonders Ella ist von den vier Protagonistinnen in den ersten beiden Episoden am wenigsten gebunden und kann entsprechend ihren Bedürfnissen folgen. Aber auch der Rest der Crew tobt sich aus - ob nun mit dem jeweiligen Partner oder beim Seitensprung. Daran ist - bis auf die moralische Komponente, wenn ein Betrug im Spiel ist - sicherlich auch nichts verwerflich und so läuft das in Großstädten nun einmal durchaus auch ab. Manchmal hat man ein bisschen das Gefühl, einen Softporno zu schauen, was aber sicherlich auch für einige Zuschauer den Reiz von Starz-Formaten ausmacht. Die Frauen sprechen oft und offen über ihre Bedürfnisse und ihre Sexualität und so drängt sich der Vergleich mit Sex and the City auf. War die HBO-Serie ein Extrem mit hauptsächlich weißen Figuren, so ist „Run the World“ nun das andere Extrem. Wobei auch in den ersten beiden Folgen thematisiert wird, wie die Partnerwahl bei manchen von ihnen wohl aussieht.

Auch das „N-Wort“ wird in der Serie nicht ausgespart, kann dabei aber entweder als stolze Selbstbezeichnung eingesetzt werden oder eben als Schimpfwort, worüber aber noch gelacht wird. Sicherlich wird das in weiteren Folgen noch problematisiert oder thematisiert.

Die Dialoge sind meiner Meinung nach recht dynamisch, passend und oft genug witzig, so dass ich geschmunzelt oder gelacht habe. Besonders die freche Renee sticht hier hervor. Unter Freundinnen kann es zudem verständlicherweise derber und eher ungefiltert zugehen, was eine weitere Normalität von Pay-TV-Serien ist.

Dazu kommt ein Hip-Hop-Klangteppich und die dazugehörige Ästhetik, die ebenfalls ansprechend rüberkommt und die Problematisierung von zahlreichen Alltagsproblemen, mit denen schwarze Frauen ständig konfrontiert werden, die aber gerne sonst übersehen werden.

Nachschub für Fans von Sex and the City

Starz
Starz - © Starz

Wahrscheinlich gab es zwischenzeitlich ein paar Formate, die die „Sex and the City“-Formel seit dem Serienstart 1998 auf andere Gruppen übertragen wollten, doch wenige, in denen es so offensichtlich ist wie in „Run the World“. Allerdings habe ich persönlich überhaupt kein Problem damit, weil die Zielgruppe lange genug vernachlässigt wurde und somit nun eine Serie erhält, die vielleicht ihre Lebensrealität besser abbildet als das bekannte Vorbild.

Es ist wegen des fragmentierten Serienmarktes und der begrenzten Verbreitung von Starz und Starzplay unwahrscheinlich, dass „Run the World“ ein gewaltiger Hit in den Quoten wird, weil das mittlerweile einfach Seltenheitswert hat, wenn es über 500 verschiedene Serien zur Auswahl gibt... Dennoch denke ich, dass man mühelos sein Publikum finden wird, denn die vier Ladys im Zentrum spielen verdammt charmant auf und ich wollte sofort weitergucken, obwohl ich weiß, dass ich hier nicht den nächsten Kritikerliebling vor mir habe. Zudem hat Starz ganz andere Quotenansprüche an seine Formate (siehe die von mir sehr gemochten Vida und Sweetbitter), so dass eine zweite Staffel recht wahrscheinlich erscheint. Immerhin kann man via Starzplay in vielen Märkten der Welt zeitgleich starten, was nur von Vorteil sein kann, wenn die Serie denn entdeckt wird.

Fazit

Run The World gibt einen modernen und glaubhaften Einblick in die Lebenswelt von vier Frauen aus Harlem und scheut dabei nicht davor zurück, derbe Sprache an den Tag zu legen und nackte Haut zu zeigen. Wem Sex and the City etwas zu WASP-y war und wer lieber mal eine neue Perspektive aufs Dating- und Großstadtleben von New York sehen will, sollte einen Blick ins Starz-Format riskieren.

Run the World: Offizieller Originaltrailer

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Run the World“ auf dem US-Pay-TV-Sender Starz:

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