Royal Pains 7x01

Royal Pains 7x01

Mit Interview with the Vampire beginnt bei AMC ein ganz neues Serienuniversum mit Basis auf den Vampirchroniken von Autorin Anne Rice. Das erste Format versucht sich an einem frischen Ansatz mit unterschiedlichen Settings als in der Vorlage und der berühmten Filmadaption. Hier ist unser Pilotreview dazu.

„Interview with the Vampire“
„Interview with the Vampire“
© „Interview with the Vampire“

Zu behaupten, die neue Interview with the Vampire-Serie hätte ein paar Hürden auf dem Weg zu ihrer Produktion gehabt, wäre ein riesiges Understatement. Die mittlerweile verstorbene Vampirchroniken-Autorin Anne Rice und ihr Sohn Christopher versuchten seit 2016, den blutigen Stoff ins Fernsehen zu bringen, nachdem sie die Adaptions-Rechte zurückerlangt hatten. Doch weder Bryan Fuller (Hannibal) noch Dee Johnson (Nashville) blieben sehr lange als potentielle Showrunner an Bord und dann sprang auch noch der Streamingdienst Hulu vom Vampirzug ab. 2020 erwarb AMC dann schließlich die Rechte an 18 übernatürlichen Romanen der Autorin und kündigte „Interview“ als erste Serie an.

Die Beteiligung von Christopher scheint mittlerweile nicht mehr über einen Credit als Executive Producer hinauszugehen und betrachtet man, wie wenig kompromissbereit sich das Mutter-Sohn-Duo oft zeigte, scheint es unwahrscheinlich, dass der nun vorliegende Neuinterpretations-Ansatz von Showrunner Rolin Jones (Perry Mason) auf große Zustimmung im Hause Rice gestoßen wäre. Auf Twitter antwortet Christopher seinen Fans regelmäßig, leitet Fragen bezüglich der Serie jedoch kommentarlos an AMC weiter. Der Sender wollte nach dem bahnbrechenden Vampirroman aus den 70ern und der berühmten Filmadaption aus den 90ern etwas völlig Neues, das nicht noch einmal denselben Stoff auf die gleiche Weise durchkaut, auch wenn das in Vorbereitung auf eine komplette Umsetzung der Chroniken vielleicht ganz angemessen gewesen wäre...

Reporter Daniel Molloy (Eric Bogosian) wird in der Serienversion im Hier und Heute zu einem zweiten Interview nach Dubai eingeladen, da der Vampir Louis de Pointe du Lac (Jacob Anderson) die Aufzeichnungen ihres damaligen Gesprächs als unzureichend erachtet. Vor allem, weil Daniel damals viel zu high und unerfahren war und er sich selbst in einige Widersprüchen verstrickt hatte. So endete das erste Interview mit einem vampirischen Angriff, von dem der in die Jahre gekommene, kranke Reporter noch immer eine Narbe trägt. Im Gegensatz zu früheren Versionen wurde er nach seiner Berührung mit dem Übernatürlichen jedoch weder von Lestat noch Armand zum Vampir konvertiert und ebenso wenig wurde ihr Gespräch als Roman „Interview with the Vamire“ innerhalb der Erzählung veröffentlicht.

Wir erfahren übrigens auch nicht, ob die erste Version des damaligen Interviews die uns bekanntere Version gewesen wäre. Nahtlos passt die Serie aber sowieso weder an den Roman noch an die Filmadaption, denn man hat aus jeweils beiden Fassungen gewisse Elemente übernommen beziehungsweise abgeändert. So weinen Vampire hier beispielsweise wie im Roman, aber nicht im Film, Tränen aus Blut, können aber wie im Film, und nicht im Roman, tagsüber wach bleiben und überleben, solange sie nicht mit direkter Sonneneinstrahlung in Kontakt kommen. Ein futuristischer UV-Filter in der noblen Dubai-Residenz kommt hier sehr gelegen.

Der Elefant im Raum ist natürlich das neue Setting und die abgeänderte Ethnizität von Louis, der jetzt kein weißer Plantagenbesitzer und Sklavenhalter im 18. Jahrhundert mehr in seiner Erzählung ist, sondern ein afroamerikanischer Bordellbesitzer im New Orleans der 1910er Jahre. Das Vermögen der Familie geht interessanterweise immer noch auf einen ausbeuterischen Plantagenbetrieb zurück, denn sein Großvater war einer der wenigen schwarzen Sklavenhalter. Im Gegensatz zum Film wird Louis hier keine verstorbene Frau angedichtet, er hat aber wie im Roman einen verwirrten, religiösen Bruder (Steven Norfleet), der sich suizidiert, was Louis in seine Schuldspirale treiben lässt und auch für einen Bruch mit seiner Familie sorgt. Ansonsten versucht er, auf den Straßen Storyvilles den harten Hund heraushängen zu lassen, trifft Sexarbeiterinnen aber mehr zum Plausch als alles andere, denn sein Interesse an Frauen hält sich wohl in Grenzen.

Louis erweckt die Aufmerksamkeit des französischen Zugereisten Lestat de Lioncourt, der ihn aber nicht als Vampirsnack ansieht, sondern als potentiellen partner in vampire crime. Nach einem etwas ruppigen Start verblüfft er das Objekt seiner Begierde mit mentalen Kunststücken und freundet sich mit ihm an, offenbart seine Vampirnatur aber erst bei einem gemeinsamen Schäferstündchen mit einer ihnen bekannten Sexarbeiterin, die kurzerhand schlafen gelegt wird, damit die beiden Männer sich ungestört miteinander beschäftigen können - und Lestat einen ersten Testtrunk nippen kann. Sex und Blutsaugen sind bei Anne Rice ja im Grunde dasselbe. Natürlich hält sich aber auch diese Adaption nicht daran, dass die Vampire dabei keinen einzigen Tropfen vergießen, was für ein visuelles Medium vermutlich etwas zu viel verlangt wäre...

Mit Lestat, dem vermutlich charismatischsten Vampir aller Zeiten, steht und fällt natürlich eine Adaption der Vampirchroniken. Es ist die vielleicht beste Performance von Tom Cruise' gesamter Karriere, mit der er sogar die kritische Autorin höchstpersönlich von sich und der 1994er-Filmadaption überzeugen konnte, was dementsprechend große Fußstapfen hinterlässt, die es zu füllen gilt. Der vergleichsweise unbekannte Sam Reid spielt Lestat jedoch nicht wie befürchtet cool und langweilig wie Stuart Townsend aus der katastrophalen „Queen of the Damned“-Verfilmung, sondern ausgesprochen emotional, französisch, lebemännisch, leidenschaftlich und exzentrisch. Auch wenn das meiste davon erst in Episode zwei zum Vorschein kommt, die für Abonennt:innen von AMC+ gleichzeitig mit der Auftaktfolge erschien.

Jacob Anderson, den man vor allem als Grey Worm aus Game of Thrones kennt, hat hingegen einen ganz anderen Job, denn sein Louis ist dementsprechend anders gestrickt als vorige Fassungen. Er stellt einen mit sich im Konflikt stehenden Mann mit maskenartiger Fassade dar, der gelernt hat, den pragmatischen Pimp darzustellen und sich aufgrund seiner Hautfarbe mit dem zu begnügen, was ihm seine weißen Geschäftspartner im Bordellviertel zugestehen mögen. Etwas, das Lestat ganz unerträglich findet, denn er sieht Louis' wahre Natur und sein schlummerndes Potential in diesem „wilden Garten“. In einer überraschend gore-lastigen Szene, die sehr ungut für zwei Priester ausgeht, macht er ihm schließlich das Angebot seiner dunklen Gabe, zu der Lestat ihn schließlich verführt - natürlich in einer Kirche, um das Ganze noch blasphemischer zu gestalten. Doch wer könnte Lestat schon widerstehen?

Inszeniert wurde der zweiteilige Auftakt angemessen blutrünstig und stilsicher von Regisseur Alan Taylor, den man für zahlreiche Prestigeserien wie The Sopranos, Boardwalk Empire, Deadwood oder Mad Men kennt. Dabei schwelgt er nicht nur in der (Nek-)Romantik eines psychosexuellen, neogotischen Vampirdramas, sondern gleichermaßen in der aufwändig nachgestellten Ästhetik der Jazz-Hochzeit von New Orleans.

Fazit

Interview with the Vampire wird auf den ersten Blick eine schwer zu schluckende Pille für Vampirchronik-Purist:innen sein, vor allem, was das neue Setting im Jazz-Zeitalter und die unterschiedliche Charakterisierung des mit sich hadernden Vampirs Louis angeht, dessen interner Konflikt ein ganz anderer ist. Jacob Anderson beweist aber schnell, dass seine relativ eintönige Rolle in „Game of Thrones“ eine Verschwendung seines Talents gewesen ist, wenn man seine beiden Louis-Darstellungen mit 110 Jahren Abstand betrachtet. Auch die leicht antagonistische Dynamik mit dem alternden Reporter Daniel ist eine interessante Abwandlung mit Potential.

Die im Roman vorhandene Queerness, die in der populären Filmadaption fast mehr Subtext als Text war, wird hier hingegen absolut in den Vordergrund geholt, so dass die Verführung durch Lestat eine sehr buchstäbliche wird. Die exzentrische und humorvolle Performance von Sam Reid kommt aber vor allem erst in Episode zwei zum Vorschein, ebenso wie die neue Dynamik zwischen den frischgebackenen Vampirpartnern. Etwas mehr davon hätte auch der ersten Episode gutgetan, denn der Kontrast zwischen der finsteren Auftaktfolge und der weitaus witzigeren Nachfolgeepisode ist ein ganz schönes Wechselbad der Gefühle...

Für die erste Episode „In Throes of Increasing Wonder...“ allein würden wir deshalb dreieinhalb aufgewärmte Blutkonserven vergeben, für den zweiteiligen Auftakt inklusive „...After the Phantoms of Your Former Self“, den man auf AMC+ schon im Doppelpack streamen konnte, vier von fünf Konserven.

Hier abschließend noch mal der „Interview-with-the-Vampire“-Serientrailer von der Comic-Con:

Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 5. Oktober 2022

Royal Pains 7x01 Trailer

Episode
Staffel 7, Episode 1
(Royal Pains 7x01)
Deutscher Titel der Episode
Rückschlag
Titel der Episode im Original
Rebound
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 2. Juni 2015 (USA Network)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. April 2016
Autor
Andrew Lenchewski
Regisseur
Constantine Makris

Schauspieler in der Episode Royal Pains 7x01

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?