Roseanne 10x09

© zene aus dem zehnten Staffelfinale von „Roseanne“ (c) ABC
Nach nur neun Episoden stand diese Woche bereits das zehnte Staffelfinale von Roseanne vor der TV-Tür. Angesichts des großen Erfolgs des Sitcom-Revivals, hat ABC natürlich längst dafür gesorgt, dass es gleich im Herbst mit der elften Staffel weitergeht. Doch während die Auftaktepisoden fast alles richtig machten, stellt sich zum Finale der ersten Revival-Season angesichts der vielen dramatischen sowie humoristischen Abkürzungen Ernüchterung ein.
Roseanne (Roseanne Barr) leidet in Knee Deep noch immer unter ihrem kranken Knie, weshalb Dan (John Goodman) sich dazu entschließt, illegale Einwanderer ohne Arbeitserlaubnis (illegals) für einen Trockenmaurerjob einzustellen, um Geld zu sparen, auch wenn er damit den Rauswurf aus der Gewerkschaft riskiert. Wenig begeistert ist auch sein bester Freund und Arbeitskollege Chuck (James Pickens Jr.), der sich stets auf seine Beteiligung am Geschäft verlassen hatte.
Darlene (Sara Gilbert) hat zwar einen Job, ist aber alles andere als glücklich mit ihrer Position als Getränke-Girl im schmierigen Spielcasino. Dass die Stelle so gar nicht zu ihrer Schwester passt, weiß auch Becky (Lecy Goranson), die ebenfalls Interesse an der Arbeit angemeldet hatte und jede Gelegenheit ergreift, Darlene mit zumindest halb ernst und gut gemeinten Ratschlägen aufzuziehen. Zugegeben, immer, wenn Darlene in ihre düstere Seite abtaucht, wie wir sie als zynischen Teenager kannten („Morticia“, wie Becky sie in Anspielung auf „The Addams Family“ nennt) und sich die Schwestern gegenseitig in die Pfanne hauen (alcoholic tramp ist Darlenes Konter de jour), funktioniert das alles ganz gut.

Unterdessen versuchen Roseanne und Jackie (Laurie Metcalf), eine alternative Geldquelle für die OP aufzutreiben und entdecken im Keller eine alte Sammlerpuppe ihrer Mutter (Estelle Parsons). Dabei finden sie auch die alte Trucker-Mütze der mittlerweile verstorbenen Nana Mary (Shelly Winters). Nur eine von vielen faulen Referenzen in dieser Episode, bei denen lediglich ältere Requisiten in die Kamera gehalten werden, ohne etwas Witziges oder clever Geschriebenes mit ihnen anzustellen. In einer späteren Szene macht Roseanne Darlenes alten Halloween-Joke mit der aus dem Bauch kommenden Handpuppe nach. Entschuldigung, aber ohne Verbindung zum Plot oder irgendetwas Relevantem reicht das einfach nicht aus. Wer etablierte continuity beliebig unter den Teppich kehrt, darf sich nicht einfach auf billige Wiedererkennungswerte stützen. Was faule Abkürzungen angeht, geht es aber noch eine Nummer schlimmer.
Während sich herausstellt, dass Beverlys unheimliche Puppe wertlos ist, ereignet sich ein weiterer Schicksalsschlag, der sich am Ende aber als Segen herausstellt, denn der liebe Gott und Donald Trump eilen zur Rettung der Conners. Nein, wirklich: Zunächst wird der Keller in der Delaware Street durch ein Unwetter geflutet, was das Fundament des Hauses in Gefahr bringt und Dan erlaubt, seinen dramatischen Moment mit Chuck und sich selbst zu bekommen. Kurze Zeit später verhängt der amtierende US-Präsident den Notstand und die Conners realisieren, dass sie das ihnen zustehende Geld von der Bundesagentur für Katastrophenschutz (FEMA) heimlich dazu verwenden können, die Knie-OP zu bezahlen. Wer braucht schon eine allgemeine Krankenversicherung, wenn es göttliche Sitcom-Intervention gibt?
Fazit
Das erste Staffelfinale des Roseanne-Revivals macht noch einmal deutlich, was während der gesamten Season so frustrierte. Elemente wie Laurie Metcalfs Jackie und der Schlagabtausch zwischen Darlene und Becky sind nach wie vor stark, während John Goodman selbst in seinen dramatischen Szenen müde wirkt, D. J. wie eh und je Mühe hat, auch nur eine witzige Dialogzeile abzubekommen, und die Enkelkinder größtenteils als glorifizierte Statisten fungieren. Die verwirrende, selektive continuity hat sich auch noch geradezu magisch um Roseannes vergangene Woche äußerst akute Pillensucht gekümmert und was gibt es stattdessen? Belanglose Requisiten-Referenzen auf die damaligen Episoden.
Nach der letzten Folge, in welcher die Conners ironischerweise gut mit universeller health care bedient gewesen wären, überrascht es beinahe, dass Dan und D. J. nach ihrem Garagengespräch keinen weiteren Motorrad-Shop eröffnen, um sich hart arbeitend und ohne „Almosen vom Staat“ aus der Misere zu schuften. Stattdessen ist die Lösung noch mehr auf den bible belt der USA zugeschnitten und lässt Gott und Trump intervenieren. Ein Glück, dass „America“ wieder „great“ ist und die Gottesfürchtigen keine unamerikanische Kommunisten-Versicherung benötigen.
So endet die Staffel mit einem Gebet von Roseanne und einem letzten Abendmahl vor der Operation. Die Lachmuskeln kitzelt das zwar überhaupt nicht, schmeichelt aber dem konservativen Amerika, welches die Serie seit ihrer Wiederauferstehung zu seinem TV-Messias erklärt hat. Ist es zu spät, ein in Chicago spielendes Spin-off mit Darlene, Becky und Jackie als Mitbewohnerinnen zu bekommen? Ich frage für einen Freund...
Verfasser: Mario Giglio am Mittwoch, 23. Mai 2018Roseanne 10x09 Trailer
(Roseanne 10x09)
Schauspieler in der Episode Roseanne 10x09
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?