Roseanne 10x03

© zene aus der Folge „Roseanne Gets the Chair“ (c) ABC
Der Auftakt des Roseanne-Revivals wurde vergangene Woche mit fliegenden Fahnen bestanden. Heute kann man bereits nostalgisch für letzte Woche werden, denn die dritte Episode der zehnten Staffel mit dem Titel Roseanne Gets the Chair hinterlässt doch den einen oder anderen faulen Geschmack im Mund - und das nicht nur, weil Produzentin und Titelstar Roseanne Barr es einem durch ihre gelinde gesagt fragwürdigen Äußerungen immer schwieriger macht, Kunst und Künstlerin zu trennen. Das Gleiche gilt dafür, dass Präsident Trump die Comedy in der Zwischenzeit zur Serie seines politischen Lagers erklärt hat.
Im Fokus dieser Episode steht Harris (Emma Kenney), die taktlose Teenagertochter von Darlene (Sara Gilbert). Während die jüngste Tochter der Conners ihren Eltern damals am gekonntesten von allen Kindern Paroli bot, hat sie als Mutter enttäuschenderweise ihren Biss verloren und lässt sich von Harris regelrecht auf der Nase herumtanzen. Ein Hieb gegen „moderne“ Erziehungsmethoden, die Roseanne seltsamerweise als Produkt des von Konservativen gern aus der Spukkiste gekramten Political-Correctness-Gespensts anprangert. Die Serie hat die Ansichten und Taten von Mutter Roseanne zwar noch nie als absolut oder unbedingt richtig dargestellt, doch wie dies mit ihrem etablierten Seriencharakter „clasht“, wird mehr als deutlich, wenn Roseanne ihre Enkelin am Ende in die Spüle drückt, um ihr buchstäblich den Kopf zu waschen.
Kombiniert mit lapidar dahingesagten Witzen über physische Erziehungsmaßnahmen passt diese Aktion überhaupt nicht zur Serienfigur Roseanne Conner. Mehrere Episoden wurden in den alten Staffeln der Classic-Serie darauf verwendet, aufzuzeigen, wie wenig Spaß sie in dieser speziellen Angelegenheit versteht, weil ihr eigener Vater sie und ihre Schwester früher regelmäßig geschlagen und gedemütigt hatte. So zum Beispiel in der Folge The Driver's Seat, in welcher sie einen mittleren Zusammenbruch erleidet, weil sie ihren Sohn D. J. (Michael Fishman) während einer heftigen Schelte einen Klapps auf den Hintern gibt. Es scheint, als sei der konstruierte Angriff auf die laschen PC-Eltern aus der Großstadt wichtiger als die ausführlich etablierte Psyche der bekannten Serienmutter.

Mit ihrer rücksichtslosen und trotzigen Art erwischt Harris ihre Großmutter zugegebenermaßen im großen Stil auf dem falschen Fuß, da sie gerade unter einem kaputten Knie leidet und durch den von Dan (John Goodman) installierten Treppenlift mit ihrem fortgeschrittenen Alter konfrontiert wird. Offenbar lässt sie dieser Umstand verhärteter auftreten. Es hilft auch nicht, dass Harris wie Tante Jackie (Laurie Metcalf) einst ungefragt die Waschmaschine okkupiert, um die Vintage-Klamotten für ihren Online-Shop zu waschen. Klamotten, die weniger vintage und vielmehr geklaut sind, wie sich am Ende herausstellt, was endlich zur Konfrontation und Aussprache zwischen ihr und Mutter Darlene führt, die ihr dann klarmacht, dass eine Rückkehr nach Chicago erst einmal ausgeschlossen ist. Viel fragwürdiger erscheint die Maßnahme, die Passwörter der Tochter einzukassieren und gemeinsam mit den Großeltern die Accounts des Mädchens auszuspionieren. Was ist aus den coolen Conners geworden, die das Tagebuch von Becky aus Rücksicht vor ihrer Privatsphäre ungeöffnet ließen?
Im Übrigen besteht Jackie im Gegensatz zu Softie-Mom Darlene, die sich von ihrer Tochter beim Vornamen nennen lässt, auf das formellere „Tante Jackie“, da sie sonst keinen anderen Titel habe. „Mom“ zählt also nicht? Oder streicht das Revival die Existenz ihres mittlerweile erwachsenen Sohnes Andy, den sie in der sechsten Staffel mit One-Night-Stand und späterem Langweiler-Ehemann Fred (Michael O'Keefe) hatte, ebenfalls aus der continuity? Wenn die Figur, wie auf der TCA Press Tour besprochen, keine Rolle in den neuen Folgen spielen soll, ist das in Ordnung. Eine Erwähnung mit einem Satz, wie im Fall von Roseannes jüngstem Kind Jerry, sollte aber drin sein. Ansonsten brauchen wir doch noch eine Sci-Fi-Erklärung zum Übersatteln ins Paralleluniversum...
Fazit
Wäre es nicht nett, wenn man die neuen Roseanne-Folgen ohne den ganzen Ballast der realen Welt genießen könnte? Leider entsteht jedoch nichts in einem Vakuum und so fragt man sich als jemand, der vielleicht nicht ganz d'accord mit der Politik der Produzentin ist, auf leicht paranoide Weise, wie gewisse Jokes zu verstehen sind und ob die Serie nun doch zum Sprachrohr der deplorables wird. Aber lasst uns nach nur drei Folgen nicht gleich die Teufelin an die Wand malen...
Zum Glück macht „Roseanne Gets the Chair“ es einem nicht dadurch schwer, dass es zwar inhaltlich fragwürdig, aber dann doch unglaublich witzig wäre. Die Folge lebt von lahmen Alte-Leute-Gags und dem unangenehm anzusehenden Schlagabtausch zwischen Roseanne und Harris, der erstens gegen ihren etablierten Charakter geht und zweitens nicht besonders schlagfertig geschrieben ist.
Verfasser: Mario Giglio am Samstag, 7. April 2018(Roseanne 10x03)
Schauspieler in der Episode Roseanne 10x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?