Überraschend gut hat sich die neue Sitcom Rob am vergangenen Donnerstag in die bisherige Quotenlücke zwischen The Big Bang Theory und Person of Interest eingepasst. Qualitativ hat Rob Schneiders neue Comedyserie hingegen noch einen weiten Weg vor sich.

Rob (Rob Schneider) lernt seine neue Familie kennen... - „Rob“ / (c) CBS / Foto: Sonja Flemming
Rob (Rob Schneider) lernt seine neue Familie kennen... - „Rob“ / (c) CBS / Foto: Sonja Flemming

US-Sender CBS hat schon seit zwei Jahren ein Problem, wenn es um seine Comedy-Stunde am Donnerstagabend geht. Denn mit der will man die Zuschauer am wichtigen Abend - donnerstags läuft wöchentlich neu die Kinowerbung und bringt bei guten Zuschauerzahlen ordentlich Geld in die Kassen - gleich am Eingang gefangennehmen und bis 23 Uhr nicht mehr loslassen. Seit The Big Bang Theory um 20 Uhr läuft, klafft aber nach 20.30 Uhr wöchentlich ein Abgrund, der den restlichen Abend herunterzieht. Die Comedyserie Rob mit Hauptdarsteller Rob Schneider soll diese Lücke füllen.

Handlung

Rob (Rob Schneider) ist ein komischer Kauz, der einen merkwürdigen Laufstil hat, in seinem Leben alles schön geordnet haben muss und seinen Mitmenschen im Allgemeinen nicht zu nahe kommen will. Natürlich konnte er eine deutlich jüngere und deutlich hübschere Latina (Claudia Bassols) für sich gewinnen, die ihn spontan nach sechs Wochen heiratet.

Doch schon der Anfang der Ehe läuft nicht so, wie Rob es sich erwartet hat: Er muss seine Schwiegereltern kennenlernen, und deren lebensfrohe Familie, die so gar nicht den Gepflogenheiten von Robs gewohntem Umfeld folgt, gleich dazu. Der nervöse Rob tappt in allerlei Fettnäpfchen und muss nach einem katastrophal verlaufenden ersten Versuch einen weiteren Anlauf nehmen, sich der Familie als Schwiegersohn zu präsentieren. Dabei findet er zumindest mit dem Vater seiner Braut eine gemeinsame Basis.

Kritik

Rob wurde für einen Sender entwickelt, dessen erfolgreichste Comedy Two And A Half Men ist, der im Serienpiloten zu The Big Bang Theory Leonard und Sheldon die Hosen abhanden kommen lies, wo 2 Broke Girls der erfolgreichste Comedy-Neustart der Season ist und wo seit Jahren Rules Of Engagement mit David Spade als Underdog überlebt.

Trotz diverser Fehler im Serienpiloten sollte man - wenn man grundsätzlich für das etwas lautere und knalligere Multi-Kamera-Format offen ist - die Serie nicht abschreiben. Denn immerhin zeigt sie einige gute Ansätze.

Wo die Liebe hinfällt
Allerdings liegen die Stärken von Rob noch im Hintergrund, die Schwächen stehen im Vordergrund. Während die meisten nachvollziehen werden können, warum sich Rob in eine jüngere, attraktive und lebensfrohe Latina verliebt, bleibt die Serie die Begründung im umgekehrten Fall noch schuldig.

Was bringt eine Frau dazu, einen nervösen älteren Mann zu heiraten? Nicht, dass es ein Ding der Unmöglichkeit wäre, solche eine Geschichte glaubhaft zu erzählen - nur sollte sie erzählt werden. Grundproblem Nummer eins mit Rob ist also, dass die Prämisse noch etwas hinkt, weswegen die beiden Hauptfiguren noch nicht die Sympathien erregen, die sie wohl erregen sollten.

Problem Nummer zwei ist der übernervös dargestellte Rob. Denn das ist einer der Faktoren, von dem viel Komik ausgeht, den man aber nicht ewig durchhalten kann. Die Comedyserie Worst Week hat bereits gezeigt, dass solche Peinlichkeiten am laufenden Band sich doch schnell abnutzen - auch wenn sie sich im Multi-Kamera-Format mit den Studiolachern vermutlich länger halten. Aber physischer Humor ist im Allgemeinen etwas, das die Nebencharaktere einstreuen können, bei den Hauptfiguren wird es schnell alt.

Positiv hervorzuheben ist Comedyveteran Cheech Marin, der seine Figur gleich in der ersten Episode getroffen hat. Und auch Eugenio Derbez als schräger Onkel Hector zeigt, warum er als Sidekick das Ausmisten nach dem ersten Versuch des Serienpiloten überlebt hat. Aber beide sind eben nur Ergänzungsspieler.

Eher gut gelungen ist die Einführung der mexikanischen Familie. Eine Gruppe einzuführen, die einer der Bevölkerungsminderheiten der USA entspringt funktioniert meist leichter, wenn der Blickwinkel „aus der Familie hinaus auf die Umgebung“ ist und nicht durch die Augen einer Hauptfigur auf die Mitglieder der Minderheit - denn dann stehen meist die Klischees über die Minderheit im Vordergrund. Obwohl Rob hier die Titelfigur ist, ist er in der Handlung doch der eher platt gezeichnete Außenseiter, während bei der Familie bereits durch die Klischees die interessanten Eigenheiten der Figuren durchschimmern, sie Kontur erhalten und dadurch sympathischer werden.

Generell ist zu sagen, dass sich das Ensemble von Rob - wie bei fast allen Pilotepisoden von vor Publikum aufgezeichneten Mult-Kamera-Sitcoms - noch finden muss. Da hilft es wohl auch kaum, dass erst die zweite Version des Serienpiloten zur Ausstrahlung kam - nach der ersten Version wurde ja die Hälfte des Casts ausgewchselt.

Fazit

Der Serienpilot zu Rob ist besser als befürchtet. Allerdings liegen die Qualitäten weitestgehend in den leiseren Szenen, etwa dem Episodenschluss. Dem gegenüber stehen einige wirklich unlustige „Comedyszenen“, etwa die „Schlafzimmerszene mit Oma“ und die Sangria-Zubereitung sowie die unbeholfenen und teilweise beleidigenden Sprüche von Rob.

Wer offen für den aktuellen - nennen wir es mal CBS-Sitcom-Humor - ist, der kann sich vermutlich auch von Rob in den kommenden Wochen berieseln lassen und der Serie eine Chance geben. Feinschmecker-Comedy für den feingeistigen Serienjunkie findet man aber dann doch eher bei NBCs Single-Kamera-Comedys.

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