Rise 1x01

Rise 1x01

Rise ist die neue Serie von Jason Katims, der einige Serienjunkies bereits mit den Dramaserien Friday Night Lights und Parenthood begeisterte. Seinen Hang für Pathos, Normalos, Sport und Familiengeschichten bringt er auch hier wieder mit. Wie kommt der Auftakt sonst an?

Wie ist der Auftakt der neuen Serie „Rise“ gelungen? (c) NBC
Wie ist der Auftakt der neuen Serie „Rise“ gelungen? (c) NBC
© ie ist der Auftakt der neuen Serie „Rise“ gelungen? (c) NBC

Die neue Serie Rise basiert auf dem Buch „Drama High“ rund um den Schauspiellehrer Lou Volpe, nimmt sich aber von Beginn an einige Freiheiten. Beispielsweise, dass das Original eigentlich homosexuell und kein Familienvater ist... Der Protagonist in dieser fiktionalisierten Version vom US-Sender NBC heißt Lou Mazzuchelli (Josh Radnor) und ist eingangs Englischlehrer an der Stanton High und das schon seit 17 Jahren. Eines Tages beschließt er, dass er die Schauspiel-AG übernehmen möchte, die zuletzt mehrfach „Grease“ aufgeführt hat. Mit seinem Traum wird er beim Schulleiter vorstellig, der ihn überraschend schnell erfüllt. Er möchte nachhaltigen Einfluss auf die Schüler nehmen, sie inspirieren und ihnen ihr Potential entlocken, denn bei seinem normalen Unterricht hört ihm kaum noch einer zu. Schnell erfährt er von seiner Vorgängerin Tracy (Rosie Perez), dass er den Job wahrscheinlich nur bekommen hat, weil er günstiger ist als sie. Denn die Priorität der Schulleitung ist klar: „Football first.“ Die Sportler kriegen mindestens die zehnfachen finanziellen Mittel, die die Schauspieler insgesamt erhalten, während die Schulleitung andernorts sparen muss und auch Lehrerjobs auf dem Spiel stehen.

Trotz dieser Information möchte er alles umkrempeln und stattdessen das deutlich kontroverse „Spring Awakening“ aufführen. Auch die eingerosteten Strukturen des Clubs stellt er auf den Kopf. Die Schüler, die sonst die Hauptrollen abonniert haben, werden zu Nebendarstellern und andersherum. Außerdem bricht er eine goldene Regel der Schule, denn er will unbedingt den Footballstar Robbie Thorne (Damon J. Gillespie) für die Hauptrolle haben, nachdem er ihn bei einer Anfeuerungsveranstaltung für das Footballteam rappen gesehen hat. Damit handelt er sich Ärger mit dem Coach und der Schulleitung ein, denn wenn der Starspieler seine Aufmerksamkeit teilen muss, kann das schlecht für das Team und auch für seine Aussichten aufs College sein. Doch im Laufe der Zeit überzeugt seine Leidenschaft für die Sache und sein Engagement eine Reihe von Schülern, die hinter seinem Einsatz stehen und selbst Leidenschaft für das neue Projekt entwickeln.

Zu Hause brodelt es bei manchen der Schüler: Simon (Ted Sutherland) wohnt in einem konservativen Elternhaus und muss erst um Erlaubnis bitten, ob es okay ist, wenn er als Hänschen eine Liebesszene mit einem anderen Jungen spielt. Lilette Suarez („Moana“-Stimme Auli'i Cravalho) hadert mit der Tatsache, dass ihre Mutter sie wegen einer Affäre anlügt und sie nicht genug unterstützt und Maashous Evers (Rarmian Newton) hat Probleme im heimischen Elternhaus, so dass Mazzuchelli ihn im Endeffekt bei sich aufnimmt, weil der Junge genug von Pflegeeltern hat und sein sonstiges Leben genießt. Lou selbst hat einen Sohn zu Hause, der mit Alkoholproblemen kämpft. Ganz schön viele Krisenherde auf einen Schlag also. Das sind aber nur ein paar Beispiele für die Protagonisten und Probleme, die im Serienpiloten eingeführt werden.

Auf den ersten Eindruck wirkt es so, als bürdet man sich vielleicht etwas zu viel auf, denn gefühlt werden hier viele moderne Themenkomplexe angesprochen, die man später wohl vertiefen will. Positiv bleibt mir zumindest im Piloten in Erinnerung, wie mit dem Transgender-Schüler umgegangen wird. Nach einem leichten Zögern richtet sich Lou nach dem Wunsch von Michael (Ellie Desautels) und der weitere Umgang mit der Figur ist positiv besetzt. High-School-Serien haben aber oftmals eine überdurchschnittliche hohe Zahl an Figuren und Katis hat bei Friday Night Lights und Parenthood schon bewiesen, dass er vieler Figuren auf einmal Herr werden kann.

Friday Night Glee

Fürchterlich innovativ sind manche Storylines allerdings auch nicht. Als alter Glee-Komplettzuschauer glaube ich, dass die Art und Weise, wie Robbie verpflichtet wurde, so auch bei den Footballschülern aus der Musicalserie zum Einsatz kam. Ein Vergleich mit Friday Night Lights und Glee liegt beim Grundthema ohnehin nahe. Nimmt man bei der Musicalserie die Albernheiten und bösen Momente weg und mischt Pathos, Steady-Cam und etwas Mockumentary-Stil hinzu, erhält man Rise. Josh Radnor als Hauptdarsteller könnte noch zum Problem werden. Im Serienpiloten fällt er nicht unbedingt negativ auf, sieht man von der Tatsache ab, dass er seine Kollegin den Job kostet und es relativ selbstsüchtig von ihm scheint, seinen Traum umsetzen zu wollen. Relativ unvorbereitet fällt er mit der Tür ins Haus und stellt seine Partnerin vor vollendete Tatsachen, auch wenn seine Frau ihn unterstützt, als er ihr seinen großen Plan präsentiert. Besonders aktiv darf sie dabei allerdings auch nicht sein.

Wer How I Met Your Mother gesehen hat, wird sich vielleicht an Professor Ted Mosby erinnern. Man kann nur hoffen, dass die Serienmacher hier gegensteuern und die Figur nicht zu selbstbezogen und prätentiös machen. Der schlimmste Fall wäre, wenn er den Schülern seine Träume aufzwingen würde, eine Entwicklung, die die Figur Mr. Shue bei Glee in späteren Staffeln gemacht hatte.

Neben dem Pathos und aus „FNL“ bekannten Kamera-Ideen (Wackler, Zooms, Handkamera - alles anfangs etwas gewöhnungsbedürftig) ist natürlich auch die musikalische Untermalung ein Markenzeichen von Katims-Serien. Hier gelingt es mehrfach, ins Schwarze zu treffen.

Besonders die Endszene bleibt mir positiv in Erinnerung. Denn, nachdem Lou die AG aufgebaut hat, sabotiert der Schulleiter seine Pläne, setzt seine Vorgängerin wieder ein und will ein günstiges Stück aufführen lassen. Es mag vielleicht etwas schnell gehen, aber so ist es in Serienpiloten für das Networkfernsehen eben oft, die Schüler sind bereits eine kleine Einheit und drohen geschlossen mit ihrem Schauspielmentoren mit einem fiesen Streik, bei dem Kostüme und Kulissen verbrannt werden, während Robbie sogar mit dem Fernbleiben beim Football droht, wenn sie Spring Awakening (inklusive Inzest, gleichgeschlechtlicher Liebe und Teen-Suizid) nicht aufführen dürfen.

Don't act, be all natural

Serien mit Musicalbezug stehen und fallen natürlich auch mit dem Talent des Casts und ihren Stimmen. Damit dürfte es hier kein Problem geben, denn Robbie und Lilette scheinen mit entsprechendem Talent gesegnet zu sein, auch wenn interne Streitereien, etwa mit der früheren Dauerhauptdarstellerin Gwen (Amy Forsyth), vorprogrammiert zu sein scheinen. Im Pilot gelingt es, den Umbruch und die Anfangsschwierigkeiten, bis hin zu ersten Verbesserungen glaubhaft darzustellen. Jetzt gilt es, dass man die Entwicklung kontinuierlich mit kleinen Erfolgen steigern kann. Ein Problem, das es bei Glee gab: Die sehenswerten und pompösen Choreografien wurden schnell zu bombastisch und haben irgendwann ihren Reiz verloren, obwohl immer wieder Zwischenziele (Regionals, Sections, Nationals) angepeilt wurden. Smash hat nach einem durchaus guten Piloten darunter gelitten, dass manche Figuren einfach schnell unausstehlich und intrigant wurden.

Allerdings muss man insgesamt abwarten, welchen Stellenwert die Musik und die Performances einnehmen werden oder ob eher die interpersonellen Konflikte und der Zwist mit dem Sportteam im Fokus stehen. Auch wenn mit Jeffrey Seller ein Produzent vom Musicalhit „Hamilton“ an der Serie mitarbeitet, bin ich mir nicht sicher, was den Einbau des bekanntesten Songs „Alexander Hamilton (Just You Wait)“ angeht. Es wirkt auf mich eher wie ein Stunt, der versucht zu zeigen, wie relevant man sein möchte, als dass es ein natürlicher Einschub wäre. Positiv finde ich hingegen, dass die meisten Jungdarsteller noch recht frisch sind und somit voller Potential stecken. Cravalho hat in ihrem großen Debüt bei „Vaiana“ schon bewiesen, was sie stimmlich drauf hat und die kurzen Ausschnitte, die bisher zu hören waren, klangen ebenfalls gut, weswegen ich positiv auf diesen Aspekt der Serie schaue.

Fazit

Ich würde mich als Fan von Highschool- und Coming-of-Age-Serien bezeichnen und habe - wie wahrscheinlich im Review zum Ausdruck kommt - auch ein Herz für Musicalserien. Bisher war Glee eine der wenigen TV-Serien, die beides vermischt hatte und mit der Zeit leider immer mehr eine Parodie von sich selbst wurde. Der Auftakt von Rise ist in meinen Augen keineswegs perfekt, da ein wenig zu vollgestopft und weil Lou als Hauptperson vom Start weg mit einigen fragwürdigen Charaktereigenschaften daherkommt, aber ich sehe Potential. Als Nachfolger auf dem Sendeplatz von This Is Us kann man vielleicht nicht an die beliebte Familienserie herankommen, auch wenn manche Elemente sich überschneiden (Pathos!). In die Fußstapfen von Friday Night Lights tritt man wahrscheinlich auch noch nicht. Dennoch dürfte die zehnteilige erste Staffel bei manchen den richtigen Ton treffen, die sich nach Highschooldrama mit Pathos, Musik und Herzschmerz sehnen.

Trailer zu „Rise“:

Verfasser: Adam Arndt am Mittwoch, 14. März 2018

Rise 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Rise 1x01)
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 13. März 2018 (NBC)
Autoren
Michael Sokolove (inspired by the book "Drama High"), Jason Katims
Regisseur
Mike Cahill

Schauspieler in der Episode Rise 1x01

Darsteller
Rolle
Marley Shelton
Auli'i Cravalho
Damon J. Gillespie
Shirley Rumierk
Joe Tippett
Ted Sutherland
Casey Johnson
Taylor Richardson

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