Ringer 1x01

Ringer 1x01

Sarah Michelle Gellar ist zurück im Fernsehen. Und das gleich doppelt: In Ringer spielt die ehemalige Buffy-Darstellerin zwei höchst unterschiedliche Zwillingsschwestern. Die Zeit wird lehren, ob die Serie dem vielversprechenden Auftakt gerecht werden kann.

Sarah Michelle Gellar spielt eine Doppelrolle in „Ringer“ / (c) The CW
Sarah Michelle Gellar spielt eine Doppelrolle in „Ringer“ / (c) The CW

Bridget Kelly (Sarah Michelle Gellar) ist eine Ex-Stripperin, die in der Vergangenheit auch schon wegen Drogenbesitzes und Prostitution mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist. In einem Mordprozess soll sie als Hauptbelastungszeugin der Anklage gegen den mächtigen Gangsterboss Bodaway Macawi (Zahn McClarnon) aussagen. Deshalb wird sie von FBI-Agent Victor Machado (Nestor Carbonell, Lost) beschützt. Doch sie glaubt nicht, dass irgendjemand sie vor dem Zorn Macawis bewahren kann. Deshalb entwischt sie dem FBI - und flüchtet zu ihrer Zwillingsschwester Siobhan.

Diese führt ein gänzlich anderes Leben als Bridget: Siobhan ist eine erfolgreiche Geschäftsfrau, verheiratet - und in der besseren Gesellschaft zu Hause. Die beiden Zwillingsschwestern haben sich seit Jahren nicht gesehen, was offenbar auf einen Vorfall vor sechs Jahren zurückgeht, bei dem Siobhans Sohn Sean (wie es scheint durch Bridgets Schuld) ums Leben kam. Siobhan erklärt, ihrer Schwester verziehen zu haben. Bei einem gemeinsamen Bootsausflug verschwindet sie jedoch plötzlich. Bridget findet nur noch ein leeres Tablettendöschen - und muss deshalb davon ausgehen, dass sich ihre Schwester das Leben genommen hat.

Bridget begreift die Tragödie als Chance - und nimmt die Identität ihrer Zwillingsschwester an. Dabei muss sie jedoch sehr schnell feststellen, dass Siobhan selbst einige dunkle und keineswegs ungefährliche Geheimnisse hat...

Sarah Michelle Gellar hat das Projekt für ihr TV-Comeback gut gewählt. Von Genre und Machart her ist Ringer weit genug von Buffy the Vampire Slayer entfernt, um nicht fortlaufend Vergleiche mit ihrer früheren Erfolgsserie auf sich zu ziehen. Gleichzeitig enthält ihre neue Serie genug Spannungsmomente, um auch für die „Buffy“-Fangemeinde interessant zu sein. Dazu trägt natürlich nicht zuletzt auch die Grundidee bei, welche - wie ein Kritiker vorab schon bemerkt hat - einen an die Buffy-/Faith-Körpertausch-Episode erinnert.

Die Pilotfolge von Ringer lässt es langsam angehen. Sorgfältig werden Figuren und Konflikte vorgestellt. Um durch den stark expositionellen Charakter des ersten Drittels keine Zuschauer zu verlieren, greifen die Autoren zum Kunstgriff, einen Teil des actionbetonten Höhepunkts an den Anfang zu ziehen - und die übrige Folge dann als Rückblende („Neun Tage vorher“) zu erzählen.

Wirklich spannend wird die Folge ab dem Moment, als Bridget die Rolle ihrer Schwester übernimmt - und durch die Fallstricke manövrieren muss, die sich durch Siobhans Geheimnisse für sie auftun. Die vielen Wendungen, die sich dadurch ergeben, erzeugen ein Gefühl der konstanten Unsicherheit, was eine subtile Form der Spannung zu Folge hat - wie am Anfang eines richtig guten Psychothrillers.

Dadurch, dass der Zuschauer die Handlung weitestgehend aus Bridgets Perspektive verfolgt, wird er dazu angeregt, gemeinsam mit ihr das Puzzle von Siobhans Leben zusammenzusetzen - ebenso wie die Hintergrundgeschichte, welche die beiden miteinander verbindet. Der Pilot von Ringer setzt damit auf die Intelligenz der Zuschauer - auch das ein Charakteristikum, welches „Buffy“-Fans zu schätzen wissen werden.

Ebenfalls sehr gelungen ist die dramatische Ironie: Mit der Übernahme der Identität ihrer Schwester kommt Bridget sprichwörtlich vom Regen in die Traufe. Denn nun hat sie nicht nur ihre eigenen Probleme, schließlich sind ihr sowohl Macawi als auch das FBI auf den Fersen, sondern auch noch die ihrer Schwester mit dazu. Gerade, weil die meisten Zuschauer dies aus ihrem eigenen Alltag kennen dürften - ein Plan, den wir verfolgen, ruft genau die gegenteilige Wirkung unserer Absicht hervor -, ist dies ein dramaturgisch sehr effektiver Kniff.

Kritisieren kann man an Ringer allenfalls stellenweise die visuelle Umsetzung: Dazu zählen einige wenig überzeugende Blue-Screen-Aufnahmen und die Ausreizung der klassischen Spiegelmetapher. Hier gilt: Weniger wäre mehr gewesen.

Fazit

Ein vielversprechender Auftakt, der Lust auf weitere Folgen macht. Offen bleibt allerdings, wie dies fortgesetzt erzählte Thriller so an sich haben, was die Serie aus dieser guten Vorlage machen wird: Wie tragfähig werden die Geheimnisse und Verwicklungen sein, mit denen sich Bridget jetzt auseinandersetzen muss? Wie überzeugend wird deren Auflösung sein? Wieviel dramatisches Potential steckt in den Figuren und Konflikten über die erste Staffel hinaus?

Die eigentliche Bewährungsprobe für Ringer - sie steht noch bevor.

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 14. September 2011
Episode
Staffel 1, Episode 1
(Ringer 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Bridget und Siobhan
Titel der Episode im Original
Pilot
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 13. September 2011 (The CW)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Donnerstag, 29. November 2012
Autor
Laura Greenwood
Regisseur
Richard Shepard

Schauspieler in der Episode Ringer 1x01

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