Resident Alien: Review der Pilotepisode

© oster zur neuen US-Serie Resident Alien (c) Syfy
Syfy hat die Dark Horse-Comicreihe Resident Alien von Autor Peter Hogan und Illustrator Steve Parkhouse als einstündige Science-Fiction-Dramedy adaptiert. Für die außerirdische Hauptrolle konnte Genreliebling Alan Tudyk gewonnen werden, was schon mal Vorschusslorbeeren von alten Firefly-Fans garantiert, die nach 20 Jahren immer noch nicht über die frühzeitige Absetzung der Weltraum-Kopfgeldjäger hinweg sind. Seine Comedy- und Comic-Erfahrung durch Serien wie Doom Patrol und Harley Quinn schaden sicher nicht, um einen guten Draht zu Serienschöpfer Chris Sheridan aufzubauen, der hauptsächlich als Autor für Family Guy tätig war. Ob eine spannende Vorlage und gute Vorzeichen ausreichen, um den Stoff erfolgreich in Serienform unterzubringen, schauen wir uns heute in dem Review zum Serien-Auftakt an, der diese Woche im US-Fernsehen vonstattengegangen ist.
„Resident Alien“ ist eine typische Geschichte der Marke Fish-out-of-Water, oder vielmehr Alien-out-of-Space, in der ein Außerirdischer nach der Crashlandung mit seinem Raumschiff im verschlafenen Örtchen Patience in Colorado strandet. Er nimmt die Identität des Mediziners Dr. Harry Vanderspeigle an, dem er als Erstes begegnet und im Eifer des Gefechts den Garaus macht. Vier Monate später sucht er noch immer eifrig nach einem Teil seines Equipments und hat sich via TV-Serienkonsum der menschlichen Kultur angenähert. Als ein örtlicher Arzt dann unter mysteriösen Umständen tot aufgefunden wird, wird „Harry“ kurzerhand hinzugerufen und sein erster Test als Möchtegernmensch unter Menschen beginnt. Dank seines exzessiven Law & Order-Konsums und generell hohen Alien-IQs hat er tatsächlich einiges zur Untersuchung beizutragen, nur fehlt es ihm vorne und hinten an Feinheiten sozialer Interaktionen.
Komplett ironieresistent und mit Pragmatismus-Scheuklappen versehen macht er sich wie eine Mischung aus Drax aus „Guardians of the Galaxy“ und Neurosen-Detektiv Monk ans Werk, den kniffligen Mordfall aufzuklären, der zunächst nach einem unwahrscheinlichen Suizid aussieht. Dabei greift ihm die sarkastische medizinische Assistentin Asta Twelvetrees (Sara Tomko) aus der Klinik des Ermordeten unter die Arme, die ihn seltsam charmant findet, während der hartgesottene Sheriff Mike Thompson (Corey Reynolds), sein duckmäuserischer Deputy Liv (Elizabeth Bowen) und der überforderte, junge Bürgermeister Hawthorne (Levi Fiehler) Harry nur schräg angucken und sich über sein verdächtiges Verhalten wundern.

Nach einem gehörigen Trinkgelage und der Entdeckung des lokalen Whiskeys, die sehr offensichtliche Suff- und Kater-Gags mit sich bringt, wird Harry schließlich in die tragische Hintergrundgeschichte von Asta verwickelt, die für eine Auftaktepisode etwas zu viel Platz einnimmt und sich um ihren gewalttätigen Exfreund und ihr vermeintliches Außenseitertum dreht, durch das sie sich mit dem kaum in die Gesellschaft passenden Alienmann verbunden fühlt. Gleichzeitig muss er sich um einen kleinen Jungen kümmern, der durch einen genetischen Zufall durch die menschliche Tarnung des Gestrandeten hindurchsehen kann und allein in dieser Folge mehrfach zu unserem Vergnügen traumatisiert wird.
Harry klärt den Mordfall in bester Procedural-Manier, aber ohne jegliches Gespür für Pietät während der Beerdigung des Mordopfers auf und wird kurz darauf zum neuen Onkel Doc von Patience ernannt. Die dramatische Ironie seiner neuen Heilerrolle wird am Ende der Episode angenehm verschärft, wenn enthüllt wird, dass sein verschollenes Equipment ein Doomsday-Gerät ist, das die Menschheit im Rahmen seiner Mission auslöschen soll. Aber noch ist wohl Zeit, uns alle, aber vor allem die Menschen aus dem Nirgendwo in Colorado, ins Herz zu schließen... sofern er denn eins hat. Hoffentlich guckt er zwischendurch auch mal etwas anderes als irdische Mördersendungen.
Fazit
Ein Außerirdischer auf geheimer Mission, der sich mehr schlecht als recht als Mensch ausgibt und dabei allerlei Dinge über die Menschheit erfährt, was dem Publikum wiederum den Spiegel vorhält? Kein Wunder, dass man zwangsläufig an „3rd Rock from the Sun“ („Hinterm Mond gleich links“) denken muss. Alan Tudyk gelingt eine unterhaltsame Balance zwischen John Lithgows Serienfigur aus der alten Alien-Sitcom, der ungelenken Scharbe im Edgar-Kostüm aus „Men in Black“ und dem exzentrischen Krimi-Ermittler Monk, denn an Comedy-Timing mangelt es ihm bekanntlich keinesfalls. Was seinem Können und Resident Alien als Serie jedoch auf den ersten Blick besser getan hätte, wäre ein halbstündiges Dramedy-Format, das sich knackiger anfühlt, nicht jedem nicht komplett landendem Gag so viel Zeit zum Atmen einräumt und von weniger ablenkendem Plot-Ballast erschwert wird. Der erste Eindruck bleibt aber insgesamt positiv. Hoffen wir auf das Beste für den Rest der Staffel und darauf, dass ALF nie als einstündiges gritty Reboot oder Prequel über die Melmacanischen Weltraumkriege zurückkehrt.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Syfy-Serie „Resident Alien“:
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