Reset - Wie weit willst du gehen?: Review der ersten beiden Episoden der Sci-Fi-Dramaserie im ZDF

Reset - Wie weit willst du gehen?: Review der ersten beiden Episoden der Sci-Fi-Dramaserie im ZDF

Die Dramaserie mit Science-Fiction-Elementen, „Reset - Wie weit willst du gehen?“, glänzt im ZDF mit einer stark aufspielenden Katja Riemann in der Hauptrolle und einer berührenden Geschichte, die das emotional schwergewichtige Thema Suizid in den Fokus rückt. Mehr dazu in unserem Review zu den ersten beiden Episoden.

Wie ist der Auftakt der Serie „Reset - Wie weit willst du gehen?“ gelungen?
Wie ist der Auftakt der Serie „Reset - Wie weit willst du gehen?“ gelungen?
© ZDF und Tina Krohn

Das passiert in der Serie „Reset - Wie weit willst du gehen?“

Floriane Bohringer (Katja Riemann) ist in Reset - Wie weit willst du gehen? eine erfolgreiche Fernsehmoderatorin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Das bedeutet allerdings, dass nicht sehr viel Zeit für die Familie bleibt. Dies wirkt sich auch auf ihre pubertierende Tochter Luna (Hannah Schiller) aus, über die sie so gut wie nichts weiß. Eines Tages geschieht dann das Unfassbare. Als Flo abends heimkommt, liegt Luna bewusstlos in ihrem Zimmer und ein kurzer, dramatischer Abschiedsbrief liegt auf dem Tisch.

Der Notarzt trifft ein und kann nur noch den Tod des Mädchens feststellen. In diesem Moment bricht Flos Leben wie ein Kartenhaus zusammen. Doch in der größten Trauer stößt sie plötzlich auf eine mysteriöse Firma namens Plan B, die Zeitreisen anbietet. Zunächst skeptisch, merkt die trauernde Mutter sehr schnell, dass Plan B keineswegs blufft, denn eines Morgens wacht sie einige Tage vor Lunas Suizid auf. Für Floriane erfüllt sich der Traum, eine zweite Chance zu erhalten und das Leben ihrer Tochter zu retten. Doch schon bald muss sie feststellen, dass man das Schicksal nicht betrügen kann...

Jetzt das Angebot der ZDF Mediathek kostenlos entdecken

Remake eines Remakes

Plötzlich lebt die Tochter wieder in „Reset“
Plötzlich lebt die Tochter wieder in „Reset“ - © ZDF und Tina Krohn

Remakes ausländischer Produktionen sind eine Unsitte, die eigentlich niemand braucht. Es sei denn, sie entnehmen dem Vorbild lediglich die grundlegende Prämisse und fügen ihr einen neuen, sinnvollen Kontext hinzu. So geschehen in der deutschen Adaption zur frankokanadischen Sci-Fi-Serie/Dramaserie Plan B von 2017, die im Jahr 2023 durch das Serienerfinder-Gespann Jean-François Asselin und Jacques Drolet eine Übertragung ins Englische mit neuen Schauspielern erhielt. Da jede Staffel der Show in Anthologie-Form eine neue Geschichte erzählt, machte es für Ingrid Kaltenegger und Mika Kallwass offensichtlich Sinn, das Grundgerüst um eine mysteriöse Firma, die Menschen per Zeitreise in die Vergangenheit schicken kann, zu übernehmen. Warum sollte das Unternehmen Plan schließlich nicht in auch in Deutschland aktiv sein?

Familiendrama

Gesagt getan. Heraus kam mit „Reset - wie weit willst du gehen?“ eine tiefsinnige, hochemotionale und dramatische Geschichte um eine erfolgreiche Frau, deren Tochter Suizid begeht und die nun verzweifelt nach einer zweiten Chance im Leben sucht. Das Zeitreisethema dient dabei nur als übergestülptes Element, das es den Protagonisten der Miniserie ermöglicht, die Möglichkeiten nicht nur im Geiste durchzuspielen, sondern innerhalb der Handlung tatsächlich durchzuexerzieren. Denn die Rettung ihrer Tochter gestaltet sich für Flo schwieriger als gedacht, denn egal was sie versucht, findet sie zunächst keinen Zugang zu Luna, weil sich die beiden zu weit voneinander entfernt haben.

Doch wie soll Floriane das ändern? Wie kann es ihr gelingen, Verständnis aufzubauen? Das ist eine Frage, die sich viele Eltern stellen und die Katja Riemann, Hannah Schiller und das sie umgebende Ensemble eindringlich aufarbeiten. Zu diesem gehören übrigens auch Alessandro Schuster und Paul Ahrens, die schon in der erfolgreichen Mysteryserie Was wir fürchten eine hervorragende Leistung abgeliefert haben. Das Herzstück bildet aber sicherlich die starke emotionale Verbindung zwischen Serienmutter und -tochter, mittels der das komplizierte Eltern-Kind-Beziehungsgeflecht intensiv beleuchtet wird.

Als zweiten großen Komplex, der allerdings in den ersten beiden Episoden insgesamt etwas zu kurz kommt, etablieren die Serienmacher das Thema Frauenrechte beziehungsweise Feminismus. Flo moderiert seit zehn Jahren eine feministische Talkshow, die sie zum Star gemacht hat und die ihr eine gewisse Macht verleiht. Darüber hinaus engagiert sie sich in einem Frauenhaus, das aber finanziell von einem latent sexistischen und gleichgültigen Berliner Senator boykottiert wird. Der Streit zwischen den beiden Figuren schwelt leider zu stark an der Oberfläche und wirkt daher recht konstruiert. Das gilt im Übrigen stellenweise ebenso für den (im Genresinne) fantastischen Überbau, der andererseits aber notwendig ist, um die Prämisse der Serie überhaupt erst zu ermöglichen.

Gut umgesetzt

Katja Riemann in „Reset“
Katja Riemann in „Reset“ - © ZDF und Tina Krohn

Sich darüber zu monieren, wäre in Bezug auf „Reset - Wie weit willst du gehen?“ allerdings meckern auf hohem Niveau, zumal die Miniserie erzählerisch keine großen Längen aufweist und technisch gut umgesetzt ist. So gerät eine Einladung von Lunas Freund Pasqual (Alessandro Schusters Figur), ihr selbst und Luna beispielsweise zu einem kleinen, aber fein inszenierten Kammerspiel, das zu einer Mutter-Tochter-Annäherung führt. Darüber hinaus geschieht aber noch etwas. Flo lernt, dass es mehr im Leben als die Karriere gibt und nichts über die Familie geht.

So verbessert sich auch das angespannte Verhältnis zu ihrem Sohn Carlo (Ahrens). Das Drama an der Geschichte ist, dass alles, was sie versucht, dennoch irgendwie im Chaos zu enden scheint, was einige hochdramatische Szenen zur Folge hat, die das Potential haben, das Publikum vor den Bildschirmen zu fesseln. Dass die Geschichte irgendwie kein gutes Ende haben kann, wird mit jeder weiteren Minute Laufzeit deutlich. Wie die Macher dies jedoch umsetzen, ist eine spannende Frage, die man als Zuschauender unbedingt beantworten wissen möchte.

Fazit

Es war eine kluge Entscheidung, „Reset - Wie weit willst du gehen?“ zunächst in der ZDFmediathek zu präsentieren, denn das Format eignet sich bestes für eine Binge-Watch-Session. Hat man erst mal angefangen zu schauen, möchte man unbedingt wissen, wie es weitergeht und ob es Flo gelingt, das Schicksal ihrer Tochter - und damit ihr eigenes - zum Guten zu wenden. Vor allem wirft die Miniserie aber die tiefsinnige Frage auf, was man als Mensch ändern würde, wenn man eine zweite Chance im Leben erhielt? Und wenn wir sie ändern könnten, wären wir dann noch dieselben Personen, die wir heute sind?

Aus einer deterministischen Sichtweise heraus führt uns jede unserer Entscheidungen zu einer nächsten, bis wir an dem Punkt gelangen, an dem sich unser Schicksal erfüllt. Doch inwiefern können wir den Weg dorthin positiv oder negativ beeinflussen und gibt es so etwas wie „Schicksal“ überhaupt? Solche und ähnliche Fragen bringen die Serienmacher geschickt auf und wählen dafür einen ebenso emotionalen wie spannenden Weg.

Dafür gibt es von uns vier von fünf Punkten.

Hier noch der Trailer zur neuen Serie „Reset - Wie weit willst du gehen?“:

Diese Serie passen auch zu «Reset - Wie weit willst du gehen?»