Reservation Dogs 1x01

© zenenfoto aus der Serie Reservation Dogs (c) FX
Die Serie Reservation Dogs ist Teil eines kleinen Trends innerhalb der US-Networks, Serien auf die Mattscheibe zu bringen, in denen indigene Macher Geschichten aus ihrer Sicht erzählen. Auch vorher gab es immer wieder starke Produktionen, darunter die Dramaserie Blackstone, die Comedy Mohawk Girls und zuletzt die Krimiserie Tribal. Um Perlen dieser Art zu finden, musste man in der Regel in das Programm von APTN schauen, dem kanadischen Aboriginal Peoples Television Network. Nun finden immer mehr indigene Geschichten Zugang zu den großen Networks, zuletzt zum Beispiel die charmante Comedyserie Rutherford Falls. Nun legt FX mit „Reservation Dogs“ nach.
Wovon handelt die Serie Reservation Dogs?
Bear (D' Pharaoh Woon-A-Tai), Elora Danan (Devery Jacobs), Willi Jack (Paulina Alexis) und Cheese (Lane Factor) sind eine Clique, die auf dem Gebiet eines Reservats im ländlichen Oklahoma lebt. Wir lernen die vier kennen, als sie einem Lieferfahrer seinen Truck stehlen und ihn einem dubiosen Mann verkaufen. Doch kaum richtig hinter dem Lenker und wir erfahren schon, dass hier keine ruchlosen Profis am Werk sind.
Im Jahr zuvor haben die vier ihr fünftes Mitglied verloren, Daniel. Als Todesursache gibt Bear „diesen Ort hier“ an. Darum wollen die vier Geld sammeln, um sich aus dem Staub zu machen, bevor er sie auch killt. Dafür sehen sie keinen anderen Weg als Verbrechen. Dabei steht ihnen der Dorfsheriff Big (Zahn McClarnon; Longmire, Westworld) im Weg. Der ist von Verschwörungstheorien besessen. Ebenfalls zum Problem wird schnell eine echte, zugezogene Jugendgang, die sich von den Neukriminellen bedroht fühlt und ihr neues Territorium verteidigen will.
Nachdem die Freunde von der Gang mit Paintball-Pistolen überfallen wurden, bleibt Bear bewusstlos liegen, während er in seinem Geist auf einen alten Vorfahren trifft, einen Kämpfer der Schlacht am Little Bighorn. Das ist der Moment, an dem man erkennt, das in der Serie mehr steckt, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Denn der Kämpfer ist kein eloquenter Krieger mit weisen Ratschlägen, es ist ein namenloser Kämpfer mit fragwürdigem Sinn für Humor, der es technisch nicht ganz bis zur Schlacht geschafft hat.
Wenig später hören die Freunde durch Zufall von der Verzweiflung des von ihnen bestohlenen Fahrers. Bear bekommt Gewissensbisse und will den Truck zurückgeben. Nach kurzer Zeit sind die anderen an Bord, doch der Truck ist bereits in Einzelteile zerlegt. Für eine Umkehr ist es zu spät. In die Enttäuschung herein halten die vier ihre Trauerfeier für Daniel. Ein Jahr ist vergangen, seit sie ihren Freund verloren haben. Zu seinen Ehren haben sie sich geschworen, es nach Kalifornien zu schaffen. Dort wollen sie gemeinsam neu anfangen, fern der Armut und der Zerstörung ihres Heimatortes.
Gut sieht es für den Plan nicht aus und, als Bear feststellt, dass er sich von der Gang ohnehin nicht vertreiben lassen will, ist die neue Richtung klar. Die vier Freunde wollen ihre Heimat verteidigen.
Wie kommt es rüber?
Der Titel und die ersten Minuten lassen vermuten, dass es sich bei Reservation Dogs um eine Gangster-Dramedy handeln könnte, doch anders als die Herren des titelinspirierenden Films „Reservoir Dogs“ kommen Bear und seine Freunde in ihren Anzügen von einer Trauerfeier für ihren Freund. Immer wieder spielen die Serienmacher mit Anlehnungen aus dem Gangstergenre, so auch in der Szene, als die Clique von der rivalisierenden Gang mit einem Drive-by-Shooting angegriffen wird. Unter dramatischer Zeitlupe fallen die vier zu Boden, während der Zuschauer längst erkannt hat, dass die Angreifer mit Farbe und nicht mit tödlichen Kugeln schießen. Lustig gemeint ist es trotzdem nicht. Die Stadt, in der die vier aufwachsen, ist gezeichnet von Armut, Verbrechen und Verzweiflung.
Es dauert nicht lange und man kommt in den Erzählrhythmus der Serie rein, spätestens nach gut einer Viertelstunden weiß man, dass hier eine kleine Perle leuchtet, als Bear auf seinen Vorfahren trifft. Zwischen Komik und Verzweiflung trifft „Reservation Dogs“ einen bezaubernden Erzählstil, der einen schnell in den Bann zieht. Der junge, sehr starke Cast trägt ebenfalls einen großen Teil dazu bei.
Hinter der Serie stehen Taika Waititi und Sterlin Harjo. Letzterer ist ein Filmemacher indigener Herkunft, dessen Werke sich in seinem Heimatstaat Oklahoma abspielen. Er hat das Universum, in dem die neue Serie spielt, aus seinem eigenen Erfahrungsschatz erschaffen. Der bekanntere Name ist natürlich Waititi. Der neuseeländische Filmemacher und Komiker steht unter anderem hinter dem Erfolgsfilm „What We Do in the Shadows“ (in Deutschland als „5 Zimmer Küche Sarg“ bekannt) und dem gefeierten Film „Hunt for the Wilderpeople“. Seine besondere Art von Humor scheint auch in der neuen Serie deutlich durch und verhilft ihr zu einer emotionalen Tragikomik, die man nicht oft so ausgefeilt auf der kleinen Mattscheibe zu sehen bekommt.
Reservation Dogs: Serientrailer
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Reservation Dogs“ auf FX:
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Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Dienstag, 10. August 2021Reservation Dogs 1x01 Trailer
(Reservation Dogs 1x01)
Schauspieler in der Episode Reservation Dogs 1x01
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