
Seit Jahrzehnten gehören Drama-Serien, die sich um Krankenhäuser und ihr Personal drehen, zur TV-Landschaft. Wie auch am Beispiel deutscher Sender wie RTL zu sehen ist, streben viele Sender verzweifelt nach dem neuen Emergency Room-Hit. Ob die neue kanadische Serie Remedy ein solcher Hit werden kann?
Nach der Sichtung des Piloten kann man schlecht urteilen, denn solche „Familien“-Erzählungen brauchen Zeit, um dem Zuschauer die ganzen Konflikte vorzuführen, die Fallhöhen aufzubauen und die Balance zwischen dem Ernst und dem Humor zu finden.
„Das Ass in Remedys Kittel“ ist Enrico Colantoni (Flashpoint, Person of Interest), der hier Dr. Allan Conner, den acting chief of staff verkörpert. Wie immer macht der charismatische Darsteller seine Sache gut. Aber man kann nur hoffen, dass ihm die Autoren in den kommenden Episoden mehr zu tun geben. In dieser Pilotepisode erleben wir ihn mehr als Vater denn als Arzt. Unter seinen Fittichen befindet sich fast die ganze Familie.
Denn manche Familienmitglieder sind ziemlich oft oder sogar ganz weg, wie der buchstäblich verlorene Sohn Griffin Conner (Dillon Casey), den die Familie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat - bis er plötzlich zusammen mit einem anderen schwer verletzten Mann in der Notaufnahme des Krankenhauses auftaucht. Er soll derjenige sein, der, um seine Freundin zu verteidigen, in Notwehr den Angreifer mit einer Machete verletzte.
Nicht nur sein Vater staunt über das plötzliche Wiederauftauchen von Griffin, sondern auch seine ungleichen Schwestern - die Krankenschwester Sandy (Sarah Allen) und die Chirurgin Melissa (Sara Canning). Griffin, der das Medizinstudium geschmissen hat und früher drogenabhängig war, trifft zuerst auf ein zukünftiges Familienmitglied, den frisch gebackenen Arzt Brian Decker (Matt Ward). Brian ist mit Sandy verlobt und kriegt bei den ersten Herausforderungen im Beruf wenig gebacken.
Da gegen Griffin vermutlich Anklage erhoben wird, eilt sofort auch die sonst immer abwesende Mutter zur Hilfe, die gefürchtete Anwältin Rebecca Chestnut (Martha Burns). Und so hat man die ungleiche Familie doch noch zusammen.
„Ungleich“ ist hier das wichtige Wort, denn Remedy setzt nicht nur auf familiäre Strukturen und Hierarchien, sondern auch auf die beruflichen. Eigentlich ist das ganze Krankenhaus in „Familien“ aufgeteilt und jede/r weiß wo er/sie hingehört - die Ärzte, die Krankenschwestern, die Patientenbetreuung etc.
Zu der letzteren gehört Zoe Rivera (Genelle Williams, Warehouse 13), die wir an einem wirklich schlechten Tag kennenlernen, an dem alles schief geht, was schief gehen kann, und vermutlich ihr Leben für immer verändert wird.
Remedy verspricht, in das Leben aller Beteiligten einen Blick zu werfen, egal ob Arzt oder Putzfrau, und uns die emotionalen Konflikten mit gut dosiertem Humor zu zeigen. Ob es das richtige Rezept ist, kann man noch nicht sagen. Die Pilotepisode verbringt ihre Zeit mit der Einführung der vielen Figuren und erweckt einen netten Gesamteindruck. Wie sich hier alles entwickelt, muss man noch sehen.