Die Serie „Rembetis“ enttäuscht mich bisher (fast) auf ganzer Linie

Die Serie „Rembetis“ enttäuscht mich bisher (fast) auf ganzer Linie

Das ZDFneo-Original „Rembetis“ will Mystery mit gesellschaftlichem Tiefsinn sein, bewegt sich aber technisch und schauspielerisch auf unterem Niveau.

Szenenfoto mit Marcos (Pavlos Kourtidis, l.) und seinen Söhnen Paris (Jasin Challah, M.) und Hektor (Samy Challah, r.) aus der Serie „Rembetis - Die Geisterjäger“
Szenenfoto mit Marcos (Pavlos Kourtidis, l.) und seinen Söhnen Paris (Jasin Challah, M.) und Hektor (Samy Challah, r.) aus der Serie „Rembetis - Die Geisterjäger“
© ZDFneo

Das passiert in der ersten Folge der Serie „Rembetis - Die Geisterjäger“

Die griechischstämmige Familie Rembetis lebt in der Serie Rembetis - Die Geisterjäger nicht nur in dem verschlafenen Nest Gosse, sondern betreibt dort auch einen dorfbekannten Imbiss. Der Grill ist jedoch lediglich Tarnung, denn in Wirklichkeit sind Vater und Sohn waschechte Geisterjäger, die mit Hilfe magischer Musik das Geschmeiß der Hölle jagen.

Als eine seltene Planetenkonstellation am Himmel heraufzieht und der Hades sich zu öffnen droht, sorgt Papa Marcos (Pavlos Kourtidis) dafür, dass sein als zweitklassiger Schlagersänger durch die Weltgeschichte tingelnder Sohn Paris (Jasin Challah) nach Hause zurückkehrt und zur heiligen Bouzouki greift, um den Weltuntergang zu verhindern...

Gut gedacht

Geisterjäger-Comedy aus dem deutschsprachigen Raum, die gezielt die großen Klassiker der „Ghostbusters“-Reihe aus Korn nimmt, ins grotesk überzogene Klischees präsentiert und darüber hinaus auch noch mit messerscharfen Gags punktet? Das klingt beinahe zu schön, um wahr zu sein - und, um der Wahrheit die Ehre zu geben: Das ist es auch.

Der erste Satz mag ein hartes Urteil über die ersten beiden von uns gesichteten Episoden von „Rembetis“ offenbaren, doch leider gibt es insgesamt so wenig Gutes über die von Jasin Challah erdachte Serie zu berichten, dass man gar nicht weiß, wo man mit der Kritik beginnen soll.

Das ist, um das Fazit vorwegzunehmen, sehr schade. Die grundlegende Idee, deutsche Klischees mit denen über Migranten der ersten Generation zu verbinden, mit ein wenig Hollywood-Flair zu würzen und darüber hinaus den immer noch viel zu kleinen Fantastik-Sektor in Deutschland und Österreich zu stärken, ist eigentlich brillant. Auch die grundlegende Idee, autobiografische Elemente in Form einer Mysteryserie-Comedyserie-Mischung zu verpacken und Menschen mit herrlicher Selbstironie zum Lachen zu bringen, ist aller Ehren wert.

Alitheia (Fevronia) und ihr Bruder Paris (Jasin Challah) auf einem Szenenfoto aus der Serie „Rembetis - Die Geisterjäger“
Alitheia (Fevronia) und ihr Bruder Paris (Jasin Challah) auf einem Szenenfoto aus der Serie „Rembetis - Die Geisterjäger“ - © ZDFneo

Laientheater

So gut das Ganze auf dem Papier allerdings auch klingt: Um so ein Konzept adäquat und erfolgreich umzusetzen, muss man tief in die schreiberische Trickkiste greifen. Genau das gelingt in diesem speziellen Fall aber überhaupt nicht. Im Gegenteil, versenkt Challah nicht nur so ziemlich jeden Gag, er versteht es zudem zu selten, die harte Grenze zwischen guter Slapstick-, Situations- sowie Dialogkomik und gnadenlosem Kitsch zu ziehen.

Das ist indes nur eines der vielen Probleme, mit denen „Rembetis“ zu kämpfen hat. Die weit größeren Schwierigkeiten liegen in der bisweilen nur mit großen Sympathiescheuklappen zu ertragenen schauspielerischen Leistungen von ausgerechnet zwei der drei Hauptakteure.

Ein großes Lob sei an dieser Stelle an Vater-Marcos-Darsteller Kourtidis gerichtet. Zahlreiche Auftritte in hoch bewerteten Serien und Filmen wie „The Witch“ oder dem mit einer 8,2 auf IMDb geehrten griechischem Format „Wildbienen“ (im Original: „Agries melisses“) sprechen diesbezüglich Bände.

Kourtidis sprüht nicht nur vor Spielfreude, sondern scheut sich auch nicht davor, den typisch griechischen Deutschakzent und angeblich „typisch griechische“ Eigenschaften gekonnt auf die Schippe zu nehmen. Gäbe es mehr solcher handwerklich routinierten Leistungen in der Serie, könnte man ohne Weiteres auch über die unübersehbaren Budgetbeschränkungen hinwegschauen, auf die wir gleich noch näher zu sprechen zu kommen.

Statt aber die Rollen in fachkundige und vor allem außenstehende Hände zu geben, setzt Jasin Challah in der Gewissheit, selbst seit 2003 im Fernsehen aktiv zu sein, voll und ganz auf seine eigene Präsenz. Nun sollte man meinen, ein seit weit über 20 Jahren im Showgeschäft arbeitender Mann rockt eine von ihm selbst geschriebene Rolle problemlos.

Der Gedanke erweist sich bei Begutachtung der ersten beiden Episoden jedoch als haltlos. Dabei lässt sich noch nicht einmal unbedingt immer sagen, ob Challah mit seinen zahlreichen Aufgaben beim Projekt schlicht überfordert war oder sich in einer so wichtigen Position einfach ein gewisses Maß an mangelndem Talent offenbart.

Wie dem auch sei: Ausgerechnet die Hauptrolle ist gnadenlos fehlbesetzt. Challah wirkt sowohl in Gestik und Mimik als auch sprachlich so oft hölzern und steril, dass es ihm nie gelingt, eine Beziehung zum Publikum aufzubauen oder überhaupt irgendwelche Emotionen bei den Zuschauenden zu wecken.

In Anbetracht der Tatsache, dass auch der ansonsten für seine guten Comedy-Auftritte bekannte Samy Challah als Rembetis-Bruder Hektor nicht auf den Punkt abliefert und in einigen Sequenzen sehr steif wirkt, sieht das auf dem Bildschirm zu Sehende schon deshalb im schlimmsten Fall desaströs aus.

Geldmangel

Hinzu kommt, dass das ZDF offensichtlich stark an der Sparschraube gedreht hat und Challah lediglich ein Minimalbudget zur Verfügung stellte. Das trifft sowohl auf die Kulissen als auch auf das Bühnenbild und auf die Kostümabteilung zu. Klar, die Serie will gezielt mit dem Klischee des „Gelesenkirchener Barock“ oder jenem der Kittel tragenden deutschen Hausfrau spielen, die aus ihrem Alltag ausbricht und im wahrsten Sinne des Wortes zum Monster wird.

Tatsächlich ist die oben angedeutete Szene auch mit großem Abstand die beste der Einstiegsepisoden. Sobald es aber darum geht, ein grundsätzlich nicht nachvollziehbares Retrofeeling sowohl in Sachen Kleidung als auch mit den Frisuren zu erzeugen, versagt die Atomsphäre auf ganzer Linie.

So erfahren wir in der Pilotepisode beispielsweise explizit, dass die Geschichte im Jahr 2025 spielt. Andererseits gibt uns die Serie keinerlei Erklärungen für die präsentierten 80er Klischees. Die angestrebten, an die persönlichen Erinnerungen des Publikums gekoppelten Schmunzler funktionieren so natürlich nicht, da es an Kontext und Bezug zur Geschichte mangelt. Mit anderen Worten fehlt es an allen Ecken und Enden an Konsequenz, Stimmigkeit, Innovation, Leistung und Geld.

Die Rembetis Hektor (Samy Challah, l.), Paris (Jasin Challah, Zweiter v. r.) und Marcos (Pavlos Kourtidis, r.) verkleidet - zusammen mit „der Sirene“ (David Rothe, Zweiter v. l.) auf einem Szenenfoto aus der Serie „Rembetis - Die Geisterjäger“
Die Rembetis Hektor (Samy Challah, l.), Paris (Jasin Challah, Zweiter v. r.) und Marcos (Pavlos Kourtidis, r.) verkleidet - zusammen mit „der Sirene“ (David Rothe, Zweiter v. l.) auf einem Szenenfoto aus der Serie „Rembetis - Die Geisterjäger“ - © ZDFneo

Fazit

Als Ergebnis lässt sich deshalb festhalten, dass „Rembetis“ eine riesige Baustelle ist, die keiner der Produktions-Verantwortlichen auch nur im Ansatz in den Griff bekommen hat. Die Story-Idee ist witzig und hat fraglos Potential. Im Gegenzug mangelt es so ziemlich an allem, was eine gute Serie auszeichnet. Weder bekleckern sich die tragenden Schauspielenden mit Ruhm noch ist die Geschichte auf der atmosphärischen sowie der Dialogebene vernünftig ausgearbeitet. So weh mir ein solch hartes Urteil auch in der Seele tut: Das war wohl nichts.

Wir verteilen daher eineinhalb von fünf Geistern.

Die Serie gibt es seit Freitag, den 25. Juli in der ZDFmediathek und Dienstag, den 29. Juli bei ZDFneo in wöchentlichen Doppelfolgen zu sehen.

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