Reina Roja 1x01

© Prime Video/Andre Paduano
Das passiert in der ersten Folge der Serie „Die rote Königin“
Antonia Scott (Vicky Luengo) ist in Reina Roja aka „Die rote Königin“ mit einem IQ von 242 nicht nur der klügste Mensch der Welt, sondern auch eine geplagte Seele. Im Geiste durchlebt sie immer wieder alle denkbaren Suizidszenarien, sie weist autistische Züge auf und ist schwer zu nehmen. Doch sie verfügt auch über die besondere Gabe, Details in Mordfällen zu entdecken, die niemand sonst sieht und so wird sie immer wieder vom Mentor (Alex Brendemühl) der Abteilung Rote Königin zu brisanten Tatorten gebeten, um ihre Fähigkeiten in den Dienst der Ermittler zu stellen.
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Als sie sich aufgrund eines persönlichen Schicksalsschlages aus dem Geschäft zurückzieht, rekrutiert Mentor den korrupten Polizisten Jon (Hovik Keuchkerian), der eine Schwäche für hoffnungslose Fälle hat. Mit seiner ruppigen Art schafft er es nicht nur, Antonia neugierig zu machen, sondern wird auch ihr Partner in einem Mordfall, wie ihn niemand zuvor erlebt hat. Denn der Killer ist ebenfalls hochintelligent. Und er inszenierte seinen Mord wie ein Kunstwerk. Schon bald wird deutlich, dass der Täter wieder und wieder töten wird, bis ihn jemand stoppt.
Hier schon mal der deutsche Trailer zur Serie „Die rote Königin“:
Neo-Noir
Netflix, Amazon Prime Video und Co verfügen über ein recht breites Angebot an spanischen Serien, die häufig mit einem starken Neo-Noir-Touch aufwarten, eine gewisse Schonungslosigkeit an den Tag legen und dysfunktionale Figuren der besonderen Art präsentieren. Alle drei genannten Bausteine treffen auf „Die rote Königin“ uneingeschränkt zu. Die Inszenierung der Pilotfolge ist düster aber elegant und wartet mit einem eiskalten Serienkiller auf, der seine Opfer In der Art eines Stillleben drapiert. Dem steht die hochintelligente Antonia gegenüber, die weder mit ihrer Begabung noch mit den alltäglichen Dingen des Lebens fertig wird und sich in ihrer Freizeit alle möglichen Suizidarten ausdenkt.
Genau damit steigt „Reina Roja“ denn auch ein und offenbart einen intensiven Blick in das Seelenleben der Hauptfigur, der das Publikum kaum kaltlassen dürfte. So erleben wir mit, wie sie sich in ihrer ausufernden Fantasie aus dem Fenster stürzt, erhängt, erschießt und sich in einer Badewanne die Pulsadern aufschneidet. Mit anderen Worten: für zartbesaitete Gemüter ist die Serie nicht unbedingt empfehlenswert, zumal die entsprechenden Szenen schonungslos inszeniert sind.
Sidekick

Als Sidekick stellt Serienerfinderin Amaya Muruzabal der autistisch angehauchten Antonia den korrupten Cop Jon Gutiérez (hübsch widerborstig von Hovik Keuchkerian gespielt) zur Seite, der allerdings nicht so leicht zu greifen ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Jon hat offensichtlich ein gutes Herz und eine Schwäche für das, was seine Chefin abwertend „hoffnungslose Fälle“ nennt. Genau diese Gutmütigkeit bringt ihn aber in große Schwierigkeiten, als er einem Dealer 200 Gramm Heroin zuschustert, um einem seiner Schützlinge zu helfen.
Die einzige Chance einer Anklage zu entgehen liegt in dem Auftrag eines Mannes mit dem geheimnisvollen Namen Mentor, der von ihm verlangt, eine ihm bis dahin unbekannte Frau namens Antonia zu ihm zu bringen. Das für Jon durchaus verwirrende Kennenlernen der Hochbegabten wird mittels eines gut getimten Flashbacks erläutert und führt uns von nun an in Echtzeit weiter durch die Geschichte.
Die Stilmittel
Auf weitere Rückblenden zu verzichten erweist sich dabei als gute Wahl, weil die Erzählung ein angemessenes Tempo vorlegt. Der Plot wird Stück für Stück vorangebracht, wobei genug Zeit bleibt, die Figuren ein wenig näher kennenzulernen. In einer Szene folgen wir Jon zu seiner Mutter, die Geburtstag hat und von ihm eine Porzellanfigur geschenkt bekommt, während Antonia in einer anderen ihren im Koma liegenden Geliebten oder Mann im Krankenhaus besucht. Solche Einschübe führen uns näher an die Protagonisten heran und stellen vor allem eine Verbindung zu Antonia her, die ansonsten fernab der Realität zu existieren scheint.
Wie anders die junge Frau die Welt allerdings sieht, wird erst deutlich, als sie den Tatort in spektakulären, künstlerisch beeindruckend komponierten Bildern praktisch mit den Augen scannt. Wer beispielsweise Professor T. kennt oder sich an die Mysteryserie „Millennium“ erinnert, erhascht eine Idee von dem brillant umgesetzten Stilmittel, das hier Verwendung findet. Als nicht weniger eindrücklich stellt sich übrigens der Mord selbst heraus, den wir an dieser Stelle aus Spoiler-Gründen nicht näher beschreiben wollen. Angemerkt sei nur, dass sich die Serienmacher eine ganze Menge einfallen ließen, um ihrem geneigten Publikum einen Schauer über den Rücken zu jagen.
Der Killer
Das ohnehin hohe Spannungsmoment wird allerdings am Ende der Pilotfolge von „Die rote Königin“ noch einmal merklich nach oben geschraubt, als wir zum ersten Mal dem Killer begegnen, der gerade selig ein Blutbad aufwischt und dabei vielsagend das Stück „In der Halle des Bergkönigs“ aus der Peer Gynt Suite No 1 pfeift. Denn der Killer befindet sich tatsächlich in seinem Reich, in dem er uneingeschränkt über Leben und Tod herrscht und seine „brillante Kunst“ auslebt. Dass diese musikalisch nur durch das Werk eines anderen genialen Künstlers untermalt werden kann, ist eine skurril-logische Konsequenz, mit der das Drehbuch geschickt spielt.
Als kleiner Funfact sei an dieser Stelle übrigens angemerkt, dass das Stück bereits einem anderen Serienmörder über die Lippen glitt, nämlich dem von Peter Lorre gespielten Hans Beckert in dem Fritz-Lang-Meisterwerk „M“. Überhaupt scheint der Film in einigen Belangen Pate für die Serie gestanden zu haben, die wiederum auf der gleichnamigen Romantrilogie des spanischen Schriftstellers Juan Gòmez-Jurado basiert. Ob sich dieser durchaus interessante Eindruck bestätigt und die Serie mit einer ähnlich tiefgründigen Geschichte wie „M“ aufwarten kann, lässt sich allerdings aus der Pilotfolge nicht erschließen.
Fazit

Die Debütepisode der Serie Reina Roja hinterlässt einen rundum guten Eindruck. Die Einführung der Hauptfiguren ist alles andere als langweilig, die Thrillerserien-Elemente weisen starke Neo-Noir-Elemente auf und die Geschichte spitzt sich schon am Ende der Folge dramatisch zu. Zu den außergewöhnlichen Protagonisten gesellt sich ein nicht minder bemerkenswerter Antagonist, der auf eine Gänsehaut erzeugende Weise mordet und dabei ebenso intelligent wie Antonia selbst vorgeht.
Ob der Spannungsbogen über die restlichen Folgen hinweg noch weiter in die Höhe bis zu einem Finale getrieben wird, das dem von „In der Halle des Bergkönigs“ würdig ist, lässt sich natürlich noch nicht vorausahnen, doch ein starker Anfang ist gemacht.
Viereinhalb von fünf Punkten.
Hier abschließend noch ein Originaltrailer zur Serie „Reina Roja“:
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 29. Februar 2024Reina Roja 1x01 Trailer
(Reina Roja 1x01)
Schauspieler in der Episode Reina Roja 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?