
Seit 2010 können die Geheimnisse und Verschwörungen in der Mysteryserie Pretty Little Liars auf ABC Family regelmäßig ein großes Publikum in den Bann ziehen. Grund genug für den Kabelsender, der Serie ein Spin-off zu gönnen. Ravenswood spielt im selben Serienuniversum und hat mit Tyler Blackburn einen Hauptdarsteller aus Rosewood nach Ravenswood abgezogen.
In einigen vergangenen Episoden von Pretty Little Liars wurde Ravenswood, der Schauplatz des Spin-offs, bereits als unheimliche Kleinstadt eingeführt, in der Besucher vor unangenehmen Überraschungen nicht sicher sein können.
Was bisher geschah
In der Einführung in die Geschichte von Ravenswood durch die Halloween-Episode Grave New World der Mutterserie Pretty Little Liars erfahren wir, dass Caleb (Tyler Blackburn) auf dem Weg zu seiner Freundin Hanna die junge Miranda (Nicole Gale Anderson, Beauty & The Beast) kennenlernt. Genau wie er wuchs diese in Pflegefamilien auf und macht sich nun auf den Weg nach Ravenswood um dort ihren einzigen Verwandten, einen Onkel, zu finden.
Während auf dem Friedhof der Stadt des Nachts eine Feier zum Gründungstag von Ravenswood stattfindet, macht sich Miranda auf in das riesige, verlassen wirkende Haus ihres Onkels, wo ihr in einem Raum voller Särge Erinnerungen an die Beerdigung ihrer Eltern kommen.
Auf dem Friedhof macht sie eine weitere Entdeckung: Auf einem Grabstein steht ihr Name und auch das Foto der Verstorbenen ähnelt ihr verblüffend. Miranda ist entschlossen in Ravenswood zu bleiben um mehr über ihre Vergangenheit herauszufinden. Auf Hannas Wunsch bleibt Caleb ebenfalls um Miranda zu helfen. Denn auch sein Name und Foto stehen auf einem Grabstein.
Nicht willkommen in Ravenswood
In der Pilotepisode von Ravenswood, in der wir mehr über einige der Bewohner der mysteriösen Stadt erfahren, geht es direkt weiter.
Mirandas Onkel erweist sich als abweisender junger Beerdigungsunternehmer. Raymond Collins (Steven Cabral) scheint alles andere als erfreut über das Auftauchen seiner Nichte. Trotzdem soll seine undurchsichtige Haushälterin Mrs. Grunwald (Meg Foster) Miranda mit ins Haus nehmen.

Dieses Haus erweist sich als das absolute Klischee eines Spukhauses, in dem sich Bürsten bewegen, Betten wackeln und ein Duschvorhang ein Eigenleben entwickelt. Krönung der unheimlichen Vorkommnisse ist das kurze Erscheinen einer hexenartigen Gestalt, an deren Stelle nur eine Pfütze zurückbleibt. Caleb und Miranda soll der Aufenthalt in Ravenswood augenscheinlich alles andere als angenehm gestaltet werden.
Einzig Mrs. Grunwald scheint ein Interesse daran zu haben, dass Miranda im Haus bleibt und versucht an Onkel Raymonds familiären Gefühlen zu appellieren.
Die Bewohner
Bei seiner Recherche zu den ominösen Grabsteinen, deren Existenz Onkel Raymond leugnet, trifft Caleb auf Remy (Britne Oldford), die bei der örtlichen Zeitung aushilft. Sie ist gleich interessiert an seiner Geschichte und berichtet Caleb von der tödlichen Vergangenheit der Stadt. Gemeinsam mit Miranda finden sie schließlich im Archiv der Zeitung die passenden Todesanzeigen zu den Grabsteinen aus dem Jahr 1918.
Auch Remy hat kein einfaches Leben. Ihre Mutter, die kürzlich von einem Einsatz aus Afghanistan zurückgekehrt ist, leidet unter dem Überlebenden-Syndrom. Zudem ist ihr Freund Luke (Brett Dier) seit dem ungeklärten Mord an seinem Vater unnahbar und abweisend. Remys autoritärer Vater (Henry Simmons), Herausgeber der Ravenswood Gazette, ist die Beziehung ein Dorn im Auge. Denn er glaubt, dass Luke für seine Mutter gelogen hat, die als Hauptverdächtige im Mordfall an dessen Vater gilt.

Luke lebt seit der Tat zurückgezogen und auch seine Zwillingsschwester Olivia (Merritt Patterson) findet keinen Zugang zu ihm. Obwohl die gesamte Stadt zu glauben scheint, dass ihre Mutter den Vater ermordete, ist Olivia entschlossen, ihr Leben weiter zu führen wie es war. Spätestens als sie vor den Augen der Stadt mit roter Farbe beworfen wird, muss sie einsehen, dass ein normales Leben für sie in Ravenswood vorerst nicht möglich sein wird.
Der Fluch
Was wäre eine Gruselserie ohne einen Fluch? Remy entdeckt, dass die Heimkehr eines Soldaten aus dem Krieg als einziger Überlebender den tödlichen Unfalltod von fünf Jugendlichen zur Folge hat. Was in der Geschichte Ravenswoods nun bereits zweimal geschah, könnte sich erneut abzeichnen, denn auch Remys Mutter Terry (Sophina Brown) ist als einzige ihrer Einheit nach Hause zurückgekommen.
Miranda sieht erneut die Hexengestalt hinter einer staubigen Scheibe, doch die Nachricht, die diese in den Staub schreibt, entgeht ihr: „Last Chance“.
Am Ende der Episode kommen alle fünf Jugendliche erstmals für eine nächtliche Fahrt in Remys Auto zusammen und im Nebel sieht Miranda wieder die dunkle Gestalt vor ihnen auf der Straße stehen. Der folgende Unfall lässt das Auto mitsamt den Jugendlichen im Fluss landen und die Hexengestalt schaut zu wie der Wagen versinkt. Sind sie nun selbst Opfer des Fluches geworden?
Fazit
Der Vergleich zwischen Ravenswood und der Mutterserie Pretty Little Liars drängt sich natürlich unweigerlich auf. Dabei fällt sofort negativ ins Auge, dass „Ravenswood“ statt auf durchdachte Mindgames eher auf billige Gruseltricks setzt. Eine Statue, die blutige Tränen weint, lässt sich nun einmal ebenso wenig plausibel erklären wie das plötzliche Verschwinden der zwei Grabsteine von Miranda und Caleb. Auch alles, was im „Spukhaus“ passiert, wirkt eher lächerlich als wirklich unheimlich.
Übersinnliches gibt es im Rosewood der Pretty Little Liars nicht und da beide Serie im selben Universum spielen, erscheinen die unerklärlichen Vorkommnisse in Ravenswood einfach unpassend. Dazu kommt der völlig absurde Fluch. Wie kann ein einzelner Kriegsheimkehrer mit dem anschließenden Tod von fünf Jugendlichen in Verbindung gebracht werden?
An welche Zielgruppe richtet sich die Mysteryserie eigentlich? Die Fans von Pretty Little Liars könnten zwar noch für einige Episoden dranbleiben um Tyler Blackburn als Caleb weiterhin zu sehen und weil sie sich weitere Überschneidungen mit den Liars erhoffen. Doch die völlig unterschiedliche Ausrichtung beider Serien wird einen Großteil der Zuschauer eher nicht zu Ravenswood-Fans werden lassen. Wahren Horrorfans wird die neue Serie auch nur ein müdes Lächeln entlocken können.
Am ehesten funktioniert die Serie wohl ganz eigenständig für ein junges Publikum, das noch nicht mit sämtlichen Klischees alter Gruselfilme vertraut ist und die Plotholes übersieht.
Trotz der recht schwachen Story ist der Hauptcast wirklich sympathisch und vor allem Britne Oldford und Nicole Gale Anderson bleiben in ihren Rollen positiv im Gedächtnis.
Doch wie lange kann dieser Plot die Zuschauer wohl unterhalten?