Ratched: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Ratched: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Ryan Murphy, der Mann hinter American Horror Story, erzählt in der Netflix-Serie Ratched, was vor Einer flog über das Kuckucksnest so war. Seine Muse Sarah Paulson spielt dabei die titelgebende Psycho-Krankenschwester...

Sarah Paulson in Ratched (c) Netflix
Sarah Paulson in Ratched (c) Netflix
© arah Paulson in Ratched (c) Netflix

Nach The Politician und Hollywood ist Ratched nun die dritte Netflix-Serie von Ryan Murphy, der als Produzent von American Horror Story, Pose und Glee im Februar 2018 für die Rekordsumme von knapp 300 Millionen Dollar exklusiv bei dem Streamingservice unterschrieben hatte (wir berichteten). Wirklich ausgezahlt hat sich der Deal - zumindest aus Kritikerperspektive - bislang noch nicht. Und über die Zuschauerzahlen kann man unterdessen nur spekulieren...

Auch seine neue Prequel-Serie zum 1975 mit Jack Nicholson verfilmten Ken-Kesey-Buch „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist kein allzu großer Wurf. Die Pilotepisode zur achtteiligen Auftaktstaffel erfüllt exakt die Erwartungen, die man an ein Werk von Murphy realistisch haben kann: anständige Unterhaltung, keine Experiment, alles schon gesehen, schöne Oberfläche.

Worum geht's?

Die Titelfigur heißt Mildred Ratched, gespielt von der Emmypreisträgerin, Golden-Globe-Gewinnerin und festen Murphy-Muse Sarah Paulson (American Horror Story). Mit einer Heldin haben wir es bei ihr nicht zu tun, sondern eher mit einer Schurkin. Mit dem Gefühlsleben und der Coolness einer Leiche stapft sie durch die Serie und folgt zielsicher ihrem Plan. Wir schreiben das Jahr 1947 und Ms. Ratched will unbedingt an der Pionierarbeit der Psychologie beteiligt sein, genauer gesagt will sie in einer psychiatrischen Eliteeinrichtung im Norden Kaliforniens als kriegserfahrene Krankenschwester anheuern.

Dummerweise sucht der nervöse Leiter der Anstalt, Dr. Richard Hanover (Jon Jon Briones), der ohnehin schon vom anstehenden Besuchs des Gouverneurs George Milburn (Vincent D'Onofrio) gestresst ist, derzeit kein neues Personal - obwohl Mildred auf Anhieb einen starken Eindruck hinterlässt. Ein weiteres Problem stellt die die Oberschwester Betsy Bucket (Judy Davis) dar, die in der Bewerberin rasch eine aufsässige Konkurrentin wittert und sie folglich abwimmeln will. Allerdings unterschätzen beide am Ende, wie versessen Mildred auf den Job ist, für den sie sogar über Leichen gehen würde.

Finn Wittrock in Ratched
Finn Wittrock in Ratched - © Netflix

Klar, dass der Wunsch, den Patienten helfen zu wollen, für Mildred, die selbst als Psychopathin diagnostiziert werden könnte, nur vorgeschoben ist. Ganz am Schluss der Folge erfahren wir, dass sie sich einschleusen wollte, um dem Massenmörder Edmund Tolleson (Finn Wittrock) beizustehen, der womöglich ihr Bruder ist. Interessant dürfte ebenfalls werden, wie genau Gwendolyn Briggs ins Bild passt, die von Cynthia Nixon (Sex and the City) gespielt wird, dem heimlichen Star der Serie und Beinahe-Gouverneurin von New York. Sie kommt allem Anschein nach als love interest für die Hauptfigur ins Spiel. Und auch Huck Finnigan (Charlie Carver) und Lenore Osgood (Sharon Stone) versprechen, nicht ganz unwichtig zu werden...

Fazit

Besonders bestechend an Ratched sind - wie für Murphy üblich - die Schauwerte. Wer ein Auge für schicke Kostüme, historische Autos und opulente Kulissen hat, kommt in der Serie voll auf seine Kosten. Und in Anbetracht des namhaften Ensembles können logischerweise auch die Schauspielleistungen als tadellos verbucht werden. Selbst das Drehbuch wirkt insgesamt recht rund, was irgendwie erstaunlich scheint, weil der Autor Evan Romansky laut IMDb ein blutiger Anfänger ist. Schön, dass Netflix und Murphy ihm diese Chance gegeben haben - und dass er sie auch nutzen konnte.

Gleichzeitig liest man aber wohl aus jedem Satz dieser Besprechung heraus, dass die Serie zwar wenig Schwächen zeigt, aber eben auch keine auffälligen Stärken. Drei Sternen wirken daher ziemlich angemessen, zumindest, wenn man sie als Mittelwert interpretiert. Eine Serie mit vier Sternen muss in meinen Augen irgendwas Eigenes oder Unerwartetes mitbringen - und kann dabei gern auch ein paar Fehler machen. Nur, wer neue Wege geht und sich dabei keinen Fehltritt leistet, verdient fünf Sterne. Ryan Murphy ist an neuen Wegen nicht interessiert. So ist Ratched eben nur okay, aber nicht empfehlenswert.

Fraglich ist außerdem, wer genau nun eigentlich ein Prequel für „Einer flog über das Kuckucksnest“ gebraucht hat. Zumal sich Ratched mit den Verweisen auf die Vorlage bislang sehr zurückhält. Das weckt natürlich den Verdacht, dass das Projekt eher aus einem kalkulierten Marketing-Denken entstanden ist und nicht aus einem künstlerischen Drang. Mir persönlich ist meine Zeit mittlerweile zu schade, um mich mit uninspiriertem Einheitsbrei abzugeben. Zum lieblos Wegbingen reicht es vielleicht.

Übrigens steht die erste Staffel auch schon in der deutschen Synchro online. Die zweite Staffel gilt bereits als sicher.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie Ratched:

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