
© uke Roberts in „Ransom“ / (c) CBS
Frank Spotnitz ist schon seit vielen Jahren äußerst aktiv im Seriengeschäft unterwegs und wartet regelmäßig mit neuen Projekten auf, die er entweder selbst entworfen hat und für die er als Produzent und Mitschöpfer auf den Plan tritt. Was mit seinem langjährigen Engagement bei der Kult-Sci-Fi-Serie The X-Files begann, setzte sich in den Folgejahren mit mehr oder minder erfolgreichen Serienproduktionen wie Millennium, Transporter, Crossing Lines, The Man in the High Castle, wo Spotnitz nach der ersten Staffel von seinem Showrunnerposter abtrat, oder dem erst letztes Jahr gestarteten Historiendrama Medici: Masters of Florence fort.
Mit der Geiseldramaserie Ransom, eine internationale Produktion, die im amerikanischen Fernsehen auf CBS nun ihre Premiere feiert, verbucht Spotnitz jetzt gemeinsam mit Kollege David Vainola das nächste neue Format in seiner Vita. Produktionsfirmen aus Kanada, Frankreich, den USA und auch Deutschland (die Mediengruppe RTL hat sich beteiligt und wird die Serie in sein Programm aufnehmen) haben investiert und müssen sich angesichts des Resultats nun eigentlich fragen, warum sie das getan haben.
Take No Risks
Jörg Graf, Bereichsleiter für Fremdprogramm & Produktionsmanagement der Mediengruppe RTL Deutschland sagte noch im Juli, dass man besonders stolz auf die Zusammenarbeit mit Frank Spotnitz sei, der „mit seinen Autoren faszinierende Charaktere geschaffen, die 'Ransom' zu einem packenden und emotionalen Format machen, das perfekt zu unserer Strategie passt, hochwertige Crime-Procedurals für unsere Free-TV-Sender RTL und VOX zu entwickeln.“ Was so faszinierend an den Charakteren oder aber packend, emotional und gar hochwertig an „Ransom“ sein soll, muss man mir wohl noch einmal genau erklären. Die Pilotepisode ist alles andere als das und verspricht vor allem vorhersehbare Langeweile und eine ganze Palette an ausgelutschten TV-Tropen.
Aggressive Moves
Die Geschichte in „Ransom“ folgt Eric Beaumont (Luke Roberts), ein Experte für das Auflösen von Geiselnahmen, der gemeinsam mit seinem findigen Team Menschen in schwierigen Situationen helfen möchte. Beaumont ist der Typ „omnipotentes Multitalent“, der aber auch mal gedankenverloren auf das Foto seiner verflossenen großen Liebe blickt, für deren Tod er verantwortlich ist, damit Eric in er Kategorie „tragische Vergangenheit“ ein paar Ecken und Kanten bekommt. Seine Mitstreiter sind ebenfalls die Besten auf ihrem Gebiet.
Um dem Ganzen noch ein wenig Würze geben, stößt gleich zu Beginn der Auftaktfolge die selbstbewusste junge Maxine (Sarah Greene) zu Erics Team dazu. Sie möchte um jeden Preis das tun, was er tut. Doch hier wartet noch eine faustdicke Überraschung zum Ende der Episode auf uns, die so bestimmt keiner kommen sieht. Zuvor muss aber die Entführung eines seit vielen Jahren verschwundenen Jungens aufgeklärt, fiese Geiselnehmer aufgehalten und der Bursche gerettet werden. Ein Kinderspiel für Eric und seine Leute.

Saving Lives
Wer in Ransom ein originelles Crime Procedural mit aufregenden Charakteren erwartet, ist komplett fehl am Platz. Ich bin tatsächlich etwas verwundert, wie lieb- und einfallslos die Figuren gezeichnet sind, da man von dem erfahrenen Frank Spotnitz schon etwas mehr erwartet. Angefangen bei dem Hauptcharakter Eric Beaumont bis hin zu den Nebenfiguren tischt man uns jedoch eine dicke Portion Einheitsbrei auf, der von der ersten bis zur letzten Minute der Pilotepisode das gewisse Etwas vermissen lässt. Es dauert nicht lange, da sorgt ein Geiseldrama in einer Kirche zum Auftakt der Folge dafür, dass ich angestrengt mit den Augen rollen muss, weil die gesamte Prämisse und unserer zentraler Charakter so abgegriffen und fantasielos sind, dass man lieber Gras beim Wachsen zuschauen möchte als dem Geschehen in „Ransom“.
Die Darstellerriege trifft - wie so oft in solchen Fällen - die geringste Schuld. Luke Roberts, einigen eventuell aus der Piratenserie Black Sails bekannt, wo er sein Talent bereits nachgewiesen hat (auch in der sechsten Staffel von Game of Thrones war er kurz zu sehen), ist ein fähiger Schauspieler, der aus seinem platten, uninteressanten Charakter aber nicht besonders viel herausholen kann. Während man sich bei zwei der Nebenfiguren aus Erics Team nach der Sichtung der Episode anstrengen muss, sich an ihre Namen zu erinnern (die „strenge Ex-Polizistin“ und „Rivaldo Messi“), soll Sarah Greene (Penny Dreadful) als forscher Neuling im Team für etwas frischen Wind sorgen und dabei wahrscheinlich auf lange Sicht Einfluss auf Eric nehmen, den der Tod seiner Liebsten nach wie vor beschäftigt. Denn, oh Schreck, Maxine ist die Tochter der Frau, für die Eric allen Anschein nach sehr viel übrig hatte und für deren Tod der Ermittler indirekt verantwortlich gewesen ist.
Concession
Die gesamte Ausgangslage hinsichtlich der Charaktere und ihren Beziehungen in zukünftigen Episoden ist äußerst platt und strahlt keinen Reiz für mich aus. Da man solch eine Figurenkonstellation und derartige Protagonisten schont etliche Male zuvor gesehen hat, hält sich das Interesse an deren persönlichem Drama ziemlich in Grenzen. Wäre zumindest die Handlung ein wenig spannend, dann könnte man ja fast über die blassen Charaktere hinwegsehen. Aber auch die Arbeit von Eric und seinem Team ist extrem langweilig, inhaltlich als auch visuell, denn selbst die Inszenierung durch Regisseur Richard Lewis plätschert einfach nur so vor sich hin, ohne dass man als Zuschauer auch nur ansatzweise gepackt und mitgerissen wird.
Was ist das Besondere an Ransom, warum sollte man hier nach der furchtbar trägen, farblosen Pilotepisode weiterschauen, geschweige denn überhaupt einschalten? Frank Spotnitz und sein Koautor David Vainola liefern keine wirklichen Argumente für ihr Format, das man als geübter Serienkonsument sofort durchschaut. Neben den denkbar dümmsten Geiselnehmern, seltsamen Momentaufnahmen bei den Ermittlungen von Erics Expertenteam (glücklicherweise trägt nur die Schule des entführten Jungen die Farben Burgund und Gold, was die Suche erleichtert) und uninspirierten Allerweltsdialogen, fällt die Serie vor allem dadurch auf, dass sie nichts zu bieten hat. Da findet man bei der großen Auswahl an Serien heutzutage mit Leichtigkeit bessere Alternativen, die bei Weitem nicht so nichtssagend sind wie Ransom.
Trailer zu „Ransom“: