Ransom Canyon ist Soap Opera pur – und nicht einmal eine besonders gute

© Netflix
Das passiert in der Serie „Ransom Canyon“
Staten Kirkland (Josh Duhamel; Unsolved, Jupiter's Legacy) ist in der Serie Ransom Canyon ein reicher texanischer Rancher, bei dem das Schicksal ein ums andere Mal hart zuschlägt. Erst stirbt seine Frau an einer schweren Krankheit und dann sein einziger Sohn bei einem Autounfall.
Zu allem Überfluss hat er auch noch Ärger mit seinem Schwager, dem Spekulanten Davis Collins (Eoin Macken; La Brea, Borderline), der ihm sein Land abjagen will, um dort eine Pipeline bauen zu lassen. Der einzige Mensch, der wirklich auf seiner Seite steht, ist Quinn (Minka Kelly; Titans, Friday Night Lights), die beste Freundin seiner Frau, die ihn von Kindheitstagen an liebt. Obwohl Staten ihre Gefühle erwidert, ist er jedoch nicht in der Lage, dies zuzugeben. Während der Rancher mit seiner zweiten Chance auf die große Liebe hadert, bahnen sich indes die nächsten Probleme an...
Kein Neo-Western

„Ransom Canyon“ versteckt sich im Opening hinter dem Gewand eines Neo-Westerns, ist aber in Wirklichkeit nicht mehr als eine Teenie- und Young-Adult-Schmonzette ohne große Ambitionen. Da ist einerseits der vom Schicksal nicht gerade verwöhnte Staten, der nach dem Tod seiner Frau sein zweites Glück finden könnte, wenn auch nur ein Mensch verstehen würde, warum er sich dem so hartnäckig verweigert.
Seine Angebetete Quinn liebt ihn nämlich auch, verliert aber nach Jahren des Wartens allmählich die Geduld und lässt sich auf ein Date mit dem Fiesling Davis ein, der ausgerechnet der Bruder ihrer verstorbenen besten Freundin und der Schwager Statens ist.
Klingt kompliziert, denken Sie? Ist es aber nicht, denn der vermeintliche Haupterzählstrang läuft in der Pilotfolge neben zahlreichen kleineren und größeren romantischen Teenageranwandlungen her und ist in jeder Hinsicht vorhersehbar und unstimmig. Das altbekannte „Kriegt-er-sie-oder-kriegt-er-sie-nicht-Schema“ funktioniert hier jedenfalls überhaupt nicht, weil man dem vermeintlichen Problempärchen kaum genug Zeit einräumt.
Stattdessen konzentriert sich die Serienerfinderin April Blair, die immerhin Formate wie All American und Wednesday im Portfolio hat, lieber auf eine ganze Batterie von (vermeintlichen) Teenagern, die kurz vor dem Highschoolabschluss stehen und im wahrsten Sinne des Wortes umeinander rumscharwenzeln.
Nehmen wir zum Beispiel die Sheriffstochter Lauren (Lizzy Greene, A Million Little Things), eine Cheerleaderin mit Ambitionen auf ein Collegestipendium. Ihr Freund ist der testosterongeschwängerte Dummkopf Tim (Niko Guardado), doch eigentlich liebt sie den bildhübschen, zartbesaiteten Lucas (Garrett Wareing). Konfliktpotential etabliert: check. Eine weitere Kombination ähnlicher Couleur bilden der (natürlich) brillant aussehende Vorarbeiter Yancy (Jack Schumacher) und die (ebenfalls bildhübsche) Barkeeperin Ellie (Marianly Tejada), die wohl den Twenbereich abdecken sollen.
Auf diese Weise versucht die Serie eine Art eierlegende Wollmilchsau der Romantiksparte zu sein, die für jede Altersgruppe ein hübsches Paar bereithält, die eine Ewigkeit brauchen, sich näher zu kommen. Die alternative Variante dazu wäre dann das elterliche Verbot der Liebe, das bei Lauren und Lucas zu tragen kommt. Nichts fühlt sich da neu oder ideenreich an, alles Vorgetragene haben wir ähnlich schon in dutzenden anderen Formaten erlebt.
Vorhersehbarkeiten
Nicht falsch verstehen, bitte: Soap Operas und Young-Adult-Themen an sich können, wenn sie intelligent geschrieben sind, großen Spaß machen. Doch davon ist „Ransom Canyon“ leider mindestens „500 Miles“ weit entfernt, weil im Grunde genommen jeder Plot-Point der Pilotfolge vorhersehbar ist. Man muss keine Hellseherin und kein Hellseher sein, um immer zu wissen, was gleich geschehen wird oder welche Figur auf den Plan tritt.
Wer sich einfach nur vor schöner Kulisse berieseln lassen möchte, mag mit so einem Storytelling ja glücklich werden, zumal man sich über die visuelle Qualität nicht beklagen kann. Doch so etwas wie auch eine ansatzweise Tiefe sollte man besser nicht erwarten.
Mit anderen Worten gibt es hier so gut wie nichts, das nicht den Eindruck vermittelt, auf Gedeih und Verderb durchgestylt zu sein. Das Format zielt eindeutig auf ein jüngeres Publikum ab und setzt ganz klar auf das gute Aussehen der Darstellenden. Die dramatischen Aspekte, der Kampf um das Land, die verbrecherischen Machenschaften von Davis, erreichen in keiner Sekunde ein wirklich mitreißendes Level. Auch hier haben es schon zig andere Serien vorher wesentlich besser hinbekommen.
Figurenchaos und Möchtegerndrama
Hinzu kommt, dass die Pilotfolge so viele Figuren vorstellt, dass man kaum hinterherkommt. Auf der Highschool stürzt ein ganzer Wust von Schülerinnen und Schülern auf uns ein: Mittendrin bewegen sich die Hauptfiguren und drumherum gibt es noch den Sheriff, der bei Statens Vermutung, sein verunglückter Sohn wäre von der Straße gedrängt worden, eine Rolle spielt. Dann gibt es da noch den von Tatanka Means gespielten Jake Longbow, dessen Funktion bisher vollkommen im Dunkeln bleibt und so weiter und so fort. Die Aufzählung könnte noch eine Weile weitergehen, ergäbe aber letztlich genauso wenig Sinn, wie die bisherige, viel zu vage Charakterzeichnung.
Die Episode ist mit anderen Worten bis zum Stehkragen vollgepackt und lässt sich dabei kaum Zeit, die Figuren auch nur ansatzweise vorzustellen. Zu allem Überfluss lässt sie darüber hinaus wesentliche Kernelemente außen vor. Um dem Ganzen irgendwie doch einen Rahmen zu geben, wählt Blair mehr oder weniger episodisch gestaltete Ereignisse, die für ein wenig Action sorgen sollen.
So sitzen die Kids eines Abends am Strand und feiern, als die Polizei auftaucht. Die Jugendlichen ergreifen die Flucht, nur Lauren, Lucas, Reid und ein weiterer Junge haben kein Auto und flüchten sich vor einem Gewitter in ein „Geisterhaus“.
Dort kommt es aufgrund einer himmelschreienden Dummheit zu einem Unfall. Staten erscheint als Retter in der Not und bringt den Verletzten ins Krankenhaus. Dass dieser ausgerechnet der Neffe von Quinn ist und es zwischen den beiden vor dem Hospital zu einem Streit kommt, lässt die Situation noch konstruierter erscheinen, als sie ohnehin schon ist. In dieser Art ist die ganze Folge erzählt und lässt damit jedes Gefühl für ein kohärentes Storytelling vermissen.
Fazit

Ich mag gute Young-Adult-Romantik und mir gefällt das grundlegende Szenario von „Ransom Canyon“. Doch die Pilotfolge ist so schlecht geschrieben, dass man sich April Blair am liebsten noch einmal zurück auf die Schulbank wünscht, um ihre Schreibfähigkeiten mit einigen theoretischen Fertigkeiten aufzufrischen.
Die Folge wirkt zusammengestückelt, die Figuren verhalten sich unglaubwürdig und das, was der übergreifende Handlungsbogen werden soll, ist darüber hinaus auch noch langweilig erzählt. Auch hier bin ich mir indes ziemlich sicher, dass die Serie einen signifikanten Teil der Zielgruppe ansprechen wird und das ist letztlich auch das Wichtigste. Mir persönlich muss ja nicht alles gefallen, wobei ich die visuelle Umsetzung schon ansprechend finde.
Dafür gibt es dann von uns auch immerhin drei von fünf Cowboyhüten.