Rampensau 1x01

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Die Club der roten Bänder-Autoren haben die israelische Serie „Metumtemet“ genommen und daraus die deutsche Version namens Rampensau gemacht, in der nicht nur der Name der Hauptfigur gleich geblieben ist, sondern auch die Szenen und Einstellungen eins zu eins ĂŒbernommen wurden. Im Mittelpunkt steht die 30-jĂ€hrige Shiri (Jasna Fritzi Bauer), eine erfolglose Schauspielerin, die stĂ€ndig wĂŒtend ist und immer genau das sagt, was ihr in den Kopf kommt. Ihr Problem: Shiri sieht nicht aus wie 30, sondern eher wie 16 und wird daher in ihrem Leben nie ernst genommen. Als ihr Freund Jonas (Benjamin Lillie) in der ersten Folge Die Verhaftung mit einer ganzen Menge Drogen aufgegriffen wird, macht die Polizei ihr ein Angebot: Sie soll undercover als SchĂŒlerin die Schule infiltrieren, in der ein MĂ€dchen aufgrund dieser Drogen im Koma liegt, und herausfinden, wo die neuartigen Pillen herkommen.
13 statt 30
GrundsĂ€tzlich ist die Idee hinter „Rampensau“ spannend und bietet groĂes Potential, einen Mix aus Krimi, Drama und (Highschool-)Komödie Ă la „21 Jump Street“ zu prĂ€sentieren. Leider ist Shiri eine unfassbar anstrengende, peinliche und unreife Protagonistin, die aus der Umsetzung der kreativen PrĂ€misse eine Qual werden lĂ€sst. Sie ist stĂ€ndig am Schreien, macht trotzige SprĂŒche und flucht, wenn ihr etwas nicht passt. Anstatt höflich und vernĂŒnftig mit angespannten Situationen umzugehen, wird sie direkt aggressiv. Als sie zum Beispiel auf der Polizeiwache ist, um Jonas zu helfen, weigert sie sich, ihren Personalausweis zu zeigen oder ihre Daten anzugeben und besprĂŒht stattdessen einen Polizisten mit einem Feuerlöscher. Einen rationalen Grund fĂŒr ihr Handeln gibt es nicht: Shiri ist einfach nur stur und vorlaut. Sie sieht nicht nur aus wie eine 16-jĂ€hrige, sondern verhĂ€lt sich auch so. Ironischerweise sind die SchĂŒler am Gymnasium, das sie infiltrieren soll, sehr viel reifer und vernĂŒnftiger. Im Laufe der ersten Folge trennt sich Jonas von ihr, eben weil sie so anstrengend ist. Ihre Freunde versuchen sie natĂŒrlich wieder aufzubauen, indem sie erklĂ€ren, dass er ein Idiot ist, weil er sie verlassen hat. Als Zuschauer hat man allerdings kein Mitleid mit ihr, sondern man wĂŒnscht sich, dass Jonas endlich nichts mehr mit dieser aggressiven und kindischen Frau zu tun hat. Das ĂŒberzeichnete Schauspiel von Jasna Fritzi Bauer macht die Sache leider auch nicht besser. Jeder Satz wird immer ein klein wenig zu viel betont und zwar so, als wĂŒrde sie auf einer TheaterbĂŒhne eine klassische Tragödie vortragen.
Doch nicht nur Shiri benimmt sich zwischenmenschlich stĂ€ndig daneben, auch alle anderen Figuren verhalten sich wie die Axt im Walde. Da wĂ€re zum einen der Polizist Ulf (Benjamin Lillie), der seine Frau mit Shiri betrĂŒgen wollte und keinerlei GefĂŒhl fĂŒr persönliche Grenzen hat, zum anderen der Direktor der Schule, der scheinbar eine AffĂ€re mit einer SchĂŒlerin hatte. Am sympathischsten kommt da noch der Drogendealer der Schule weg. Aber auch er tĂ€uscht nicht ĂŒber die langweiligen und oft stereotypischen Figuren hinweg, wie zum Beispiel die Tochter des Senators, die Drogen nimmt, der ruhige, creepy MitschĂŒler, der sie stĂ€ndig beobachtet, oder die extrem taffe Polizistin.

So subtil wie ein Vorschlaghammer
Der Soundtrack beschrĂ€nkt sich ausschlieĂlich auf populĂ€re Popsongs von Billie Eilish und von anderen trendigen KĂŒnstlern, die sich dabei jedoch immer in den Vordergrund drĂ€ngen, anstatt die Stimmung der Szene sanft zu unterstĂŒtzen. Ebenso wie die Musik stĂ€ndig die AtmosphĂ€re ĂŒberbetont, wird auch mit nerviger Penetranz immer wieder auf Shiris viel zu junges Aussehen hingewiesen. Bereits in den ersten fĂŒnf Minuten wird bei einem Casting klargemacht, dass sie fĂŒr ihr Alter zu jung aussieht und deshalb die Rolle nicht bekommt. Trotzdem wird noch drei weitere Male im Piloten Ă€hnlich plump darauf hingewiesen: Auf einer Party, bei der sie im Catering arbeitet, wird sie von zwei mĂ€nnlichen GĂ€sten als unter 20-JĂ€hrige eingeschĂ€tzt, als NĂ€chstes von Ulf, der ihr erklĂ€rt, dass sie noch ihr ganzes Leben vor sich hat, und zuletzt von den Beamten in der Polizeiwache, die ihr nicht glauben, dass sie 30 ist. Daraus ergeben sich weder gute Gags noch Figurenentwicklungen.
In der Mitte der ersten Episode lobt Shiris Freundin sie mit den Worten: „Du kannst Leute begeistern.“ Das mag zwar fĂŒr ihre Freunde gelten, aber nicht fĂŒr den Zuschauer. So sehr die Serie auch versucht, sie als frech und selbstbewusst zu inszenieren, am Ende wirkt sie doch immer wie eine peinliche und unhöfliche Teenagerin, die gegen die AutoritĂ€t rebellieren will. SpaĂ hat man mit „Rampensau“ nur, wenn man sich gerne fremdschĂ€mt oder, wenn man es schafft, die Serie ironisch zu betrachten. Als ernsthaftes QualitĂ€tsprodukt fĂ€llt sie nĂ€mlich leider ohne Weiteres durch.
Die Serie ist ab dem heutigen Mittwoch um 20.15 Uhr als Free-TV-Premiere bei VOX zu sehen.
Verfasser: Mira Winthagen am Mittwoch, 20. November 2019(Rampensau 1x01)
Schauspieler in der Episode Rampensau 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?