Raising Dion: ISSUE #101 - How Do You Raise a Superhero? - Review

Raising Dion: ISSUE #101 - How Do You Raise a Superhero? - Review

Dion ist ein Kleinkind mit Superkräften, das das Leben seiner alleinerziehenden Mutter Nicole über den Haufen wirft, als sich seine Kräfte manifestieren. Die originelle Prämisse der Netflix-Serie Raising Dion wird allerdings durch eine generische Inszenierung zunichtegemacht.

Raising Dion (c) Netflix
Raising Dion (c) Netflix
© aising Dion (c) Netflix

Die neue Netflix-Serie Raising Dion erzählt die Geschichte der verwitweten Mutter Nicole (Alisha Wainwright), die zusammen mit ihrem kleinen Sohn Dion (Ja'Siah Young) in eine neue Wohnung in Atlanta gezogen ist. Neben den üblichen Problemen des Kindererziehens und einer neuen Schule, kommt erschwerend hinzu, dass Dion telekinetische Fähigkeiten entwickelt hat, diese aber keineswegs kontrollieren kann. Außerdem spielt der mysteriöse Tod von Dions Vater (Michael B. Jordan), der bei einem Sturm ums Leben gekommen ist und zuvor bei einer noch mysteriöseren Firma namens BIONA gearbeitet hat, eine wichtige Rolle. Auch, wenn die Grundzutaten nach klassischem Superheldenstoff klingen, ist die Prämisse von „Raising Dion“ doch interessant, denn die Frage danach, was mit Superhelden passiert, die eigentlich keine Kräfte haben sollten, war schon in Misfits spannend. Leider werden diese Möglichkeiten in der ersten Folge ISSUE #101: How Do You Raise a Superhero? auf keiner Ebene genutzt.

Gangsta's Paradise

Auf musikalischer Ebene hätte der Serie sehr viel mehr Abwechslung gutgetan, denn entweder gibt es Hip-Hop oder betont dramatische Songs zu hören, die die Stimmung der Szenen so stark betonen, dass sie teilweise ins Lächerliche verkehrt wird. Besonders befremdlich ist eine Szene, in der Dion auf einem Skatepark versucht, seine neuen Klassenkameraden zu beeindrucken. Nach mehrmaligem Hinfallen aktiviert Dion seine Kräfte und präsentiert einen so außergewöhnlichen Trick, dass alle Kinder aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Nicht nur wird diese Szene in übertrieben langer Zeitlupe inszeniert, sondern das Ganze wird auch von „Gangsta's Paradise“ von Coolio untermalt. Statt cool wirkt die Szene daher leider unfreiwillig komisch. Auch stilistisch könnte die Serie Superheldenfilme und -serien kommentieren, stattdessen wirkt jede Einstellung und jede Szene zu generisch. Klar merkt man, dass Netflix durchaus Geld in „Raising Dion“ gesteckt hat und einige Effekte, zum Beispiel, wenn Dion Fische aus einem See an der Oberfläche schweben lässt, sehen ganz nett aus. Aber eben immer nur nett und nie beeindruckend.

Netflix
Netflix - © Netflix

Titelheld Dion steht im Mittelpunkt der Probleme, denn meistens ist man von ihm genervt, statt mit ihm mitzufühlen. Das liegt größtenteils daran, dass er sich nicht unter Kontrolle hat und ohne Konsequenzen handelt. Natürlich ist Dion noch ein Kind und darf dementsprechend häufiger Fehler als ein Erwachsener machen, aber selbst ein Kind sollte den Erkenntnisgewinn haben, dass es keine gute Idee ist, seine unkontrollierbaren Kräfte in einem kleinen Ruderboot auf einem See zu nutzen, nachdem er bereits wenige Tage vorher seine Mutter verletzt hat... Ja'Siah Young spielt zu starr und gezwungen, als dass wirkliche Empathie aufkommen könnte. Das gilt auch für den Rest der Figuren, die alle Klischees bedienen, anstatt spannende Geschichten zu erzählen, mit denen man mitfiebert - auch wenn man in Betracht zieht, dass die Serie natürlich auf ein jüngeres Publikum schielt.

So viele Rückblicke wie in einem Anime

Die Hintergründe der Figuren sind zudem reichlich bequem gewählt. Warum hat Dion telekinetische Fähigkeiten, die an Wirbelstürme erinnern? Nun ja, sein Vater war Sturmjäger und hat zusammen mit seinem besten Freund Pat (Jason Ritter) bei der in der ersten Folge noch nicht näher erwähnten, aber bereits verdächtigen Firma BIONA gearbeitet. Es bleibt nur zu hoffen, dass weitere Details über Dions Vater mit etwas mehr Fingerspitzengefühl und weniger mit der Brechstange erzählt werden. Generell wird die Story wenig subtil präsentiert, denn das meiste gibt es in eindeutigen Rückblenden zu sehen oder in Voice-Over-Manier zu hören. Umso trauriger ist es, dass „Raising Dion“ es dem Zuschauer nicht zutraut, sich wenige handlungsrelevante Informationen über einen Zeitraum von einer halben Folge zu merken. Nicht nur werden diese Informationen wiederholt von Figuren genannt, nein, es wird dem Zuschauer sogar noch mal der gleiche Rückblick gezeigt, den man bereits in der Mitte der Folge gesehen hat.

Am Ende der Folge stellen sich einem kaum interessante Fragen für den Rest der Staffel. Selbst die Frage, wie Dion seine Superkräfte bekommen hat, ist unbedeutend, weil Dion mehr nervt als berührt. Die Serie hat aufgrund der originellen Prämisse durchaus das Potential, auf lustige und ironische Weise mit Superheldenfilmen und -serien umzugehen. Zumindest in der ersten Folge bleibt diese Möglichkeit jedoch ungenutzt und die Serienmacher beschränken sich auf das Nennen von popkulturellen Figuren wie Neo oder Luke Skywalker.

Raising Dion“ kann sich nicht entscheiden, mit welchem Ton die Geschichte erzählt werden soll. Das wäre nicht so schlimm, wenn die dramatischen, lustigen und mysteriösen Momente eine homogene Einheit bilden würden. Stattdessen gibt es einen Genremischmasch zu sehen, der nichts Halbes und nichts Ganzes darstellt. Da ein Kind die Hauptfigur ist, hat man natürlich beim Schauen das jüngere Zielpublikum im Hinterkopf, allerdings wirken dann die Mystery- und Dramaelemente wiederum etwas deplaziert. Eigentlich ist nichts in der Serie wirklich schlecht, aber alles ist so durchschnittlich und uninspiriert, dass einfach keine Spannung aufkommen will und man das Gesehene zu schnell wieder vergisst.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen US-Serie Raising Dion:

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